Spanische Schimpfwörter: Flüche aus Spanien und deutsche Übersetzung – Redensarten und Zitate

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Halt! Heute schon geschimpft? Andre Höchemer zeigt, wie es geht. Diese Ampel, welche Autofahrer rot sehen lässt, schmückt Höchemers Buch „Man spricht Spanisch!”.

SPANIEN LIVE Service - Sprachkunde muss keineswegs immer trocken, sondern kann sehr unterhaltsam sein. Den Beweis dafür liefert das Buch „Man spricht Spanisch! Spanische Wortschätze auf gut Deutsch.“ Darin zündet der Übersetzer und Journalist André Höchemer ein wahres sprachliches Feuerwerk aus Redensarten, Zitaten, Anekdoten und Alltäglichkeiten. Kenntnisreich, humorvoll und mit Scharfsinn führt Höchemer durch die spanische Sprache - eine höchst lehrreicher Spaziergang. Als Vorgeschmack hier das Kapitel: „Verflucht noch mal…!!“:

Man hört oft das Wort „joder“, das zwar eigentlich wörtlich „bumsen“ bedeutet, als Ausruf jedoch im Sinne von „Scheiße!“ oder „Verdammt!“ gebraucht wird

„Es wird oft behauptet, dass man eine Sprache erst dann richtig beherrscht, wenn man auch die Schimpfwörter versteht und richtig anzuwenden weiß. Natürlich sollte man versuchen, den Gebrauch derber Ausdrücke möglichst gering zu halten, doch Sie werden mir sicher zustimmen, dass sie in manchen Situationen beinahe unvermeidlich sind. Und wenn man auch selbst lieber darauf verzichtet, wie ein Bierkutscher zu fluchen, so sollte man doch wissen, wie unsere lieben Mitmenschen mitunter Luft ablassen. Daher werden wir heute einen Blick auf die meistgebrauchten Schimpfwörter in Deutschland und Spanien werfen. Selbst wenn wir versuchen, nicht allzu sehr unter die Gürtellinie zu gehen, sollten Leser mit einem zarten Gemüt die Lektüre jetzt besser abbrechen.

Als Übersetzer wird man oft gefragt, wie man bestimmte Kraftausdrücke in eine andere Sprache überträgt. Ehrlich gesagt, gibt es kaum wörtliche Übersetzungen, da jede Sprache eigene Begriffe kennt, die in der jeweiligen Kultur verankert sind und nur in deren Zusammenhang verstanden werden können. Das Vokabular der temperamentvollen Spanier ist reich an Äußerungen dieser Art, die als „palabrotas“ oder „tacos“ bezeichnet werden. So hört man beispielsweise oft das Wort „joder“, das zwar eigentlich wörtlich „bumsen“ bedeutet, als Ausruf jedoch im Sinne von „Scheiße!“ oder „Verdammt!“ gebraucht wird. Vereinzelt hört man auch „mierda“, das zwar ebenfalls „Mist“ meint, für die meisten Spanier aber zu abgeschwächt klingt. Wenn ein Südländer wütend ist, muss es eben etwas deftiger zugehen. Da fällt schon mal ein „maldito/-a ...“ das ähnlich wie „verfluchte(-r/-s) ...“ bzw. „verdammte(-r/-s) ...“ nach Belieben des Sprechers mit dem Objekt seines Unmuts ergänzt werden kann.

Beliebt ist auch, einen Kontrahenten mit einem Hinweis auf die vermeintliche Beschäftigung seiner Mutter als „hijo de puta“ bzw. „Hurensohn“ zu beleidigen

Zieht sich eine Person diesen Zorn zu, sind der Phantasie in beiden Sprachen keine Grenzen gesetzt. So kann man auf eine mutmaßlich niedrige Intelligenz anspielen und sein Gegenüber als „cretino“ (dt.: „Dummkopf“), „tonto“ („Trottel“), „imbécil“ („Depp“) oder „idiota“ abstempeln. Wie in Deutschland müssen auch auf der Iberischen Halbinsel viele Tiernamen für Beschimpfungen herhalten: Wer stur ist, wird eben als „burro“ („Esel“) bezeichnet; bei fehlender Hygiene oder ordinärem Verhalten zieht man sich Beschimpfungen wie „cerdo/gorrino/marrano“ zu, die mit unseren Begriffen „Sau/FerkelSchwein“ gleichzusetzen sind. Sehr beliebt ist es auch, einen Kontrahenten mit einem Hinweis auf die vermeintliche Beschäftigung seiner Mutter als „hijo de puta“ bzw. „Hurensohn“ zu beleidigen. Doch Vorsicht: Wenn Sie von „de puta madre“ sprechen hören, dann ist das zwar vulgär, doch positiv gemeint, und heißt nichts anderes als „affengeil“.

Mit „gilipollas“ bezeichnet man jemanden als „Vollidiot“ oder fragt nach seinem Geisteszustand: „¿Estás gilipollas?“ Dies entspricht dem „Bist du bescheuert?“

Je nach Kontext können „cabrón“ („Scheißkerl“ oder „Arschloch“) und seine Ableitungen, das abschwächende „cabroncete“ (etwa: „kleiner Scheißer“ oder „kleines Arschloch“) und das steigernde „cabronazo“ („Riesenarschloch“), mal freundschaftlich-jovial oder eben als massive Beschimpfung verstanden werden. Gleiches gilt für das Wort „gilipollas“, mit dem man jemanden als „Vollidiot“ bezeichnet oder aber nach seinem Geisteszustand fragt: „¿Estás gilipollas?“ Dies entspricht dem deutschen „Bist du bescheuert?“, das ursprünglich darauf anspielte, das jemand so sehr „gescheuert“, also „verprügelt“, wurde, bis er schier den Verstand verlor.

Angesichts solcher Kraftausdrücke kann man eigentlich nur Gleiches mit Gleichem vergelten und versuchen, dem Rohrspatz mit „¡Cierra el pico!“ („Halt den Schnabel!“) den Mund zu verbieten. Wenn dies alles nichts hilft, bleibt einem noch, sein Gegenüber nachdrücklich zum Gehen aufzufordern: Mit „vete a la mierda“ rät man ihm unmissverständlich, sich „zum Teufel zu scheren“. Bei mangelnden Sprachkenntnissen hilft oft eine begleitende Geste mit dem Mittelfinger, die vermutlich auf der ganzen Welt verstanden wird.”

André Höchemer, Man spricht Spanisch! Spanische Wortschätze auf gut Deutsch, Verlag Winfried Jenior, 14 Euro

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