Immobilien-Schnäppchen in Spanien: Häuser und Wohnungen sind günstig – In Krise sinken Preise

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Zu verkaufen: Überall in Spanien und auch an den Küsten werden Wohnungen und Häuser angepriesen. (Bild: SpanienLive.com)  

SPANIEN LIVE - 15.06.2012 - Orange, rot, gelb, weiß, blau – in allen Farben schreit es von Spaniens Fassaden herunter: „Se vende - Zu verkaufen“, steht auf unzähligen Plastikschildern, die an Bauzäunen, Balkonen und Balustraden hängen. Ein Wald aus Offerten, die das ganze Ausmaß der spanischen Immobilienkrise widerspiegeln, welche Spaniens Wirtschaft seit 2008 im Würgegriff hat, und die noch lange nicht überwunden ist. Ein Crash, welcher jenem unkontrollierten Bauboom in den letzten Jahrzehnten folgte, der Preise und Immobilienbestand in schwindelerregende Höhe getrieben hatte.

Nun ist Spaniens Immobilienfiesta vorbei, die Branche wachte mit einem schmerzhaften Kater auf, steht vielerorts sogar vor dem Ruin. „Der Immobilienmarkt liegt am Boden“, resümiert ein Sparkassen-Filialchef bekümmert, der seinen Namen lieber nicht nennen will, weil sich auch sein Institut verspekulierte. Dies sei freilich für Interessenten keine schlechte Zeit, um sich unter der südlichen Sonne nach einer Immobilie umzusehen, sagt der Mann. Im Schnitt seien die Preise seit Beginn der Krise Ende 2007 um wenigstens 30 Prozent gerutscht – und sie könnten sogar noch weiter purzeln.

 Hunderttausende Objekte an der Mittelmeerküste, auf den Ferieninseln und auch in der Hauptstadt Madrid werden mit großen Nachlässen angeboten

Kaum ein Mehrfamilienhaus, an dem nicht eine Offerte klebt. In vornehmen Siedlungen genauso wie in Arbeitervierteln. Auf Mallorca, den Kanarischen Inseln und an der Costa Blanca. In der spanischen Hauptstadt Madrid wie in der Provinz. Der tiefe Absturz des Bau- und Immobilienmarktes hat dazu geführt, dass nun hunderttausende Wohnungen und Villen im ganzen Land zum Verkauf stehen. Zuweilen mit riesigen Preisnachlässen buchstäblich verramscht werden.

Zum einen von den Bauherren, die auf einem Immobilienberg sitzen geblieben sind. Auch von vielen privaten Eigentümern, denen das Wasser in der Wirtschaftskrise bis zum Hals steht. Die ihre Kredite nicht mehr zahlen können, mit einem Notverkauf der Schuldenfalle entkommen wollen. Und von den Geldinstituten, die nach der Pleite tausender Baufirmen und Makler sowie der Pfändung säumiger Hypothekenzahler so schnell wie möglich neue Besitzer für die einkassierten Immobilien finden müssen, um ihre aus dem Lot geratenen Bilanzen zu sanieren.

Inzwischen sind Spaniens Banken zu den größten Immobilienhändlern des Landes geworden, und sie müssen dringend Kasse machen

Man muss nur einmal die Internetportale der bekannten spanischen Banken und Sparkassen „Caixa“, „Bankia“, „Caja de Ahorros del Mediterraneo“ (CAM) oder des mallorquinischen Instituts „Sa Nostra“ durchblättern, um einen Eindruck von der Schlussverkaufs-Stimmung zu bekommen: „Bis zu 60 Prozent billiger“, „Jetzt ist der beste Moment zum Kaufen", locken die Institute. Oder: „Früher 350.000 Euro, jetzt 210.000 Euro”, „100-prozentige Finanzierung“.

 Aber dies ist nur die offizielle Seite. Die inoffizielle ist, dass der Kunde in Zeiten der Krise - in der viele Immobilien angeboten, aber nur wenige verkauft werden - wieder König ist. Und daher der Verhandlungsspielraum groß ist. „Machen Sie uns Ihren Preisvorschlag“, lockt etwa die „Caixa“ für den Fall, dass dem Kunden die „38 Prozent Preisnachlass“ für eine 88 Quadratmeter große Altbauwohnung in der Madrider Innenstadt noch nicht genug sein sollte.

 In Spitzenlagen sind die Schnäppchen seltener – Traumhäuser und Luxusobjekte sind immer noch gefragt – Eine Million Objekte warten auf Käufer oder Mieter

 Für Traumvillen am Strand, Luxuswohnungen mit Meerblick oder Ferienimmobilien in guter Lage sind die Preise freilich nicht ganz so ins Rutschen geraten. Es gibt Nachlässe, aber deutlich weniger. Das gilt auch für die beliebte Ferieninsel Mallorca, wo zwar ebenfalls Schnäppchen warten, diese aber nicht ganz so breit gestreut sind, weil in dem Urlaubsparadies der Markt etwas weniger als andernorts eingebrochen ist. Doch auch auf den Balearischen Inseln, zu denen neben Mallorca noch Ibiza, Menorca und Formentera zählen, stehen annähernd 50.000 Wohnobjekte leer. 

In ganz Spanien werden derzeit schätzungsweise eine Million Immobilien zum Verkauf angeboten - vielleicht sogar mehr. Doch angesichts der hohen Arbeitslosigkeit von derzeit fast 25 Prozent in Spanien und empfindlichen Einkommensverlusten in fast allen Familien verspüren die meisten Spanier derzeit wenig Lust, sich in ein Immobilienabenteuer zu stürzen. Derweil steigt die Nachfrage von Interessenten aus anderen europäischen Ländern, vor allem für Immobilien an den Küsten, steil an.

Übrigens: Nicht nur wer kaufen will, hat Chancen, gute Angebote zu finden. Auch das langfristige Mieten von Immobilien kann interessant sein. Immer mehr Objekte werden zur „Miete mit späterer Kaufoption“ offeriert. Tausende leer stehende Ferienwohnungen und Chalets an der Mittelmeerküste werden von den Eigentümern teilweise sogar derart günstig zur Dauermiete angeboten, dass dies auch für ausländische Spanienfreunde eine bedenkenswerte Alternative zum Kauf ist – und zudem vergleichsweise risikolos. red

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