Maler El Greco: Spanien ehrt Künstler - Spanischer Grieche als Vater der modernen Malerei

Greco-Stadt Toledo

El Greco-Stadt Toledo: Hier schuf der Maler viele seiner großen Werke, die man im Greco-Museum sehen kann. (Bild: tur)

SPANIEN LIVE - 18.03.2014 - Sein Name ziert unzählige griechische Restaurants in aller Welt. Der Maler El Greco ist einer der berühmtesten Söhne Griechenlands - auch wenn er sein spektakuläres Schaffenswerk in Spanien entfaltete und deswegen oft als spanischer Maler bezeichnet wird. In diesem Jahr 2014 wird mit vielen Kunstereignissen der 400. Todestag El Grecos gefeiert, der als einer der einflussreichsten Maler der Geschichte, ja sogar als Vaterfigur der Moderne gilt. Und dessen Bilder, meist religiösen Inhalts, Museen in aller Welt schmücken.

Sein gewaltiges Werk ist so eng mit Spanien verbunden, dass viele Menschen ihn spontan eher als Spanier denn als Griechen einordnen. El Greco, was übersetzt „Der Grieche“ heißt, wurde im Jahr 1541 auf der griechischen Insel Kreta geboren. Und zwar mit dem bürgerlichen Namen Dominikos Theotokopoulos.

Er galt schon auf Kreta als Meister der Ikonenmalerei. Ging dann nach Venedig und Rom, wo er von den künstlerischen Schulen Tizians und Michelangelos beeinflusst wurde. Schließlich landete er nach zehn italienischen Jahren in der spanischen Stadt Toledo, in der er fast vier Jahrzehnte verbrachte.

Kunstwissenschaftler: El Greco war seiner Zeit weit voraus – Die spanische Stadt Toledo wurde zu seiner Wahlheimat

In Toledo entstanden jene bedeutenden Altar- und Apostelbilder, die ihn zu Spaniens großem Griechen machten. Zu einem wegweisenden Maler, von dem die Kunsthistoriker heute sagen, dass er seiner Zeit weit voraus war. Seine religiösen Bilder trugen Titel wie „Himmelfahrt Marias“, „Heilige Dreifaltigkeit“ oder „Johannes der Täufer“.

Auch wenn sich sein Todestag erst am 7. April 2014 jährt, startete schon Mitte März in seiner Wahlheimat Toledo, wo er von 1577 bis zu seinem Ableben im Jahr 1614 wirkte, die große Ausstellung „Der Grieche aus Toledo“. Eine Retrospektive mit aus aller Welt zusammengetragenen Bildern, die noch bis Mitte Juni 2014 im Santa-Cruz-Museum zu sehen ist.

Greco - Traenen des Petrus

„Die Tränen des heiligen Petrus“: Eines der berühmten Bilder El Grecos.

Damit verbunden sind weitere „Greco-Räume“ in der sehenswerten Altstadt Toledos: Etwa im Greco-Museum, in der Kathedrale oder im Kloster Santo Domingo el Antiguo. „Das ist die wichtigste Ausstellung, die jemals mit diesem Maler gemacht wurde“, sagt stolz Gregorio Marañón, Präsident der Greco-Stiftung.

Ende März reiht sich das weltbekannte Prado-Museum in der spanischen Hauptstadt Madrid in das Jubiläumsjahr ein. Zunächst mit der Ausstellung „Die Bibliothek von El Greco“ vom 1. April bis zum 29. Juni 2014.

„Der Meister, der am meisten die Malkultur des 20. Jahrhunderts beeinflusste“ – Sogar Pablo Picasso ließ sich von El Grecos Heiligenbildern inspirieren

Danach präsentiert der Prado vom 24. Juni bis 5. Oktober 2014 eine Gemäldesammlung zum Thema „El Greco und die moderne Malerei“. Im Mittelpunkt steht dabei die große Wirkung El Grecos auf die Malerei des Impressionismus, Expressionismus und Surrealismus. Moderne Maler wie Manet, Cézanne, Picasso, Kokoschka, Klee oder Beckmann ließen sich von ihm inspirieren. „El Greco ist der Meister, der am meisten die Malkultur des 20. Jahrhunderts beeinflusst hat“, sagt Greco-Stiftungschef Marañón.

Zu Lebzeiten war der Meister umstritten, das Werk des Revolutionärs gefiel nicht durchweg dem König und der Kirche, wichtigen Auftraggebern dieser Zeit. Nach seinem Tod geriet er lange in Vergessenheit. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert, als die Kunstwelt seine Bildern wiederentdeckte und sich inspiriert fühlte. Auch seinen Künstlernamen „El Greco“, eine spanisch-italienische Komposition, bekam „der Grieche“ erst nach seinem Tod verpasst.

In vielen seiner Leinwände und Tafelbilder bestimmen überlange Figuren das Geschehen. Kräftige Farben und extreme Kontraste verleihen seinen Szenen Dramatik, verstärken den Eindruck einer übernatürlichen Welt. Zu seinen berühmtesten religiösen Bildern zählen „Die Tränen des heiligen Petrus“, die „Entkleidung Christi“ und „Das Begräbnis des Grafen von Orgaz“. Er malte aber auch Porträts und Stadtlandschaften.

Warum es „Den Griechen“ im Jahr 1577 aus Rom ins spanische Toledo verschlug, ist bis heute nicht ganz klar. Man vermutet, dass er eine Anstellung beim spanischen Hof in Madrid finden wollte. Dies glückte zwar nicht, aber er bekam Aufträge für Bilder in Kirchen, Kapellen und Klöstern sowie von wohlhabenden Bürgern in Toledo.

Toledo war bis zum Jahr 1561 die Hauptstadt Spaniens. Dann verlagerte König Philipp II. den spanischen Hof ins nahe Madrid. Toledo verlor durch den Umzug des Königshauses an Macht, aber nicht an kultureller Strahlkraft. Die Stadt, in der heute rund 80.000 Menschen leben, beherbergt viele bedeutende Bilder El Grecos und zählt mit ihrer historischen Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe. Ralph Schulze

(Dieser Beitrag ist Teil der spanischen Blogparade, den Katja Flinzner auf ihrer Blogseite "mehrsprachig handeln" organisiert.)

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