Lehrer in Spanien protestieren - Gegen Kürzung bei Schule und Bildung - Viele Schüler scheitern

Protest_gegen_Bildungspolitik

Auf die Straße statt in die Schule: Lehrer protestieren überall im Land gegen den Kahlschlag in der Bildung. Hier eine Protestszene aus der südspanischen Stadt Sevilla. (Bild: spanienlive.com)

SPANIEN LIVE - 21.09.2011 - „Das ist der größte Angriff auf die Bildung in der Geschichte der Demokratie“, empören sich Spaniens Gewerkschaften. Ein Angriff mit der Axt, mit dem der Schuldenstaat Spanien, dem das Wasser bis zum Hals steht, nun auch bei den Ausgaben für Schulen und Universitäten spart. Erstmals seit Jahrzehnten werden die staatlichen Bildungsinvestitionen zurückgefahren, obwohl die Zahl der Schüler steigt.

Aus Protest gehen in diesen Tagen zehntausende Lehrer in Spanien auf die Barrikaden: Organisieren Streiks und Demonstrationen in der Hauptstadt Madrid und andernorts. „Wen wir eine Zukunft haben wollen, müssen wir in Bildung investieren“, rufen sie. Wegen der Kürzungen werden tausende Aushilfs-Lehrern, die bisher mit Zeitverträgen beschäftigt waren, auf die Straße gesetzt. Die beamteten Lehrer sollen dies durch zusätzlichen Unterricht wettmachen.

Fast ein Drittel der spanischen Schüler scheitern und verlassen die Sekundarstufe ohne Abschluss

Für die Bildungsqualität werden die Einsparungen in Höhe von annähernd zwei Milliarden Euro „eine Katastrophe“ sein, befürchten die Lehrerverbände. Schon jetzt gehört Spanien im europäischen Vergleich mit seiner hohen Quote von Schul- und Ausbildungsabbrechern zu den Schlusslichtern.

Die knapp 500.000 Lehrer Spaniens bekamen bereits im Jahr 2010 die Sparaxt zu spüren: Sie mussten auf Einkommen verzichten, weil der überschuldete Staat, der zu den Euro-Sorgenkindern zählt, allen Beamten das Gehalt im Schnitt um fünf Prozent kürzte.

Lehrer konnten in Spanien im Jahr 2011 zum Laufbahnbeginn mit einem Einstiegsgehalt von 27.000 bis 30.000 Euro rechnen

Das Einstiegs-Jahresgehalt für Grundschul-Lehrer liegt im Jahr 2011 bei etwa 27.000 Euro, an weiterführenden Schulen bei rund 30.000 Euro. Das ist keineswegs schlecht im Niedriglohnland Spanien, wo die Durchschnittsgehälter derzeit bei etwa 23.000 Euro im Jahr liegen und damit deutlich geringer sind als in den deutschsprachigen Ländern.

Das Jahresgehalt unterteilt sich üblicherweise in 14 Zahlungen. Das Lehrereinkommen steigt mit Dienstalter und Funktion, so dass ein Lehrer der Sekundarstufe mit 15 Berufsjahren etwa auf 35-40.000 Euro (je nach Region unterschiedlich) brutto im Jahr kommt.

Die tarifliche Wochenarbeitszeit beträgt in der Regel 37,5 Stunden, wovon bisher im Schnitt 20-25 Stunden dem Unterricht in der Klasse gewidmet werden. Ralph Schulze

Pin It