Spanien Schulsystem: Viele Schüler scheitern – Pisa: Bildungsqualität an Schulen mangelhaft

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Kein Bock auf Schule? In Spanien ist die Zahl der Abbrecher und Sitzenbleiber erschreckend hoch. (Bild: eu)

SPANIEN LIVE - 20.02.2012 - Wenig Geld, wenig Lehrer, schlechte Ausstattung, viele Schüler und keine individuelle Förderung. Die Mängelliste an spanischen Schulen ist lang. So lang, dass Spaniens öffentliches Schulsystem zu den schlechtesten Europas gezählt wird. Entsprechend groß ist die Zahl jener Jugendlichen, die an spanischen Schulen scheitern, die keinen Abschluss erreichen - und es somit schwer haben, eine ordentliche Berufsausbildung zu absolvieren. Auch die Pisa-Studie bescheinigt Spaniens Bildungs- und Schulwesen eine mangelhafte Qualität.

Etwa jeder vierte junge Spanier zwischen 18 und 24 Jahren bleibt ohne Schul- oder Ausbildungsabschluss. In 2011 lag die Quote der spanischen Bildungsabbrecher bei 26,3 Prozent, das ist fast doppelt so viel wie im EU-Schnitt. „Das ist nicht akzeptabel“, schimpft Spaniens Regierung, die Reformen ankündigte. Doch angesichts der hohen Staatsschulden sind bitter notwendige Investitionen in Spaniens Bildungssystem derzeit nicht zu erwarten.

Die Schule der Sitzenbleiber: Rund ein Drittel der 15-jährigen bleibt mindestens ein Mal Hängen – In Mathe, Lesen und Sprachen schwach

Statt in die Zukunft zu investieren, wird derzeit überall gekürzt: weniger Lehrer, weniger Materialien, weniger moderne Technik. Für die Schulen und ihre Schüler ist das eine Katastrophe: Die Klassen werden größer, die Lehrer haben noch weniger Zeit für Einzelbetreuung, Unterrichtsqualität und Schulausstattung dürften vorerst kaum besser werden.

Auch bei jener Pisa-Studie, die im Jahr 2009 durchgeführt wurde, schneidet Spanien alles andere als gut ab: Ein Drittel der spanischen 15-Jährigen hat mindestens eine Klasse oder sogar zwei Schuljahre wiederholt.

Vor allem in Sachen Lesefähigkeit, Mathematik, Naturwissenschaften und Fremdsprachen liegen die Schüler in Spanien immer noch unterhalb des internationalen Durchschnitts. Beim Lesen und Verstehen kommt Spaniens Nachwuchs laut der Pisa-Studie sogar erst nach Griechenland und Portugal.

In Spanien gibt es nur eine Schulform für alle und zehn Jahre Schulpflicht: Erst sechs Jahre Grundschule, dann vier Jahre weiterführende Schule

Die hohe Quote der scheiternden Schüler in Spanien erstaunt. Auch vor dem Hintergrund, dass die Kleinkinder in Spanien oft schon mit einem oder zwei Lebensjahren im Kindergarten sind. Und mit drei Jahren praktisch alle Kinder in der - freiwilligen - Vorschule angemeldet sind.

Die Schulpflicht beginnt in Spanien mit sechs Jahren und endet mit 16 Jahren: Wobei es keine Aufspaltung zwischen Haupt-, Realschule und Gymnasium gibt, sondern eine Art Gesamtschule besucht wird.

Bis zum 12. Lebensjahr, also sechs Schuljahre lang, sind alle Kinder auf der Grundschule (educación primaria). Dann kommt ebenfalls für alle die weiterführende Schule (educación secundaria) mit vier Schuljahren, die mit der Mittleren Reife endet.

Wer zwei Jahre dranhängt, schließt mit dem Abitur (bachillerato) ab. Wer kein Abi machen will, dem steht mit 16 der Weg in eine Lehrausbildung (formación profesional) frei. ck/ze

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