Privatschulen in Spanien: Internationale oder spanische Schule? - Ranking und Empfehlungen

Ranking_Privatschulen

Deutsche, britische, französische oder italienische Erziehung? In Spanien gibt es etliche internationale Privatschulen. Ein Ausschnitt aus dem Schulranking in "El Mundo". 

SPANIEN LIVE Service Wer in Spanien lebt und seinen Kindern eine exklusive Ausbildung gönnen will, findet überall gute spanische Privatschulen. Zur Orientierung veröffentlicht die Tageszeitung „El Mundo“ jedes Jahr ein Ranking der 100 besten privaten Schulen in Spanien („Los 100 mejores colegios de España“). Darunter sind auch Einrichtungen, an denen Deutsch unterrichtet wird. Die sehr renommierten internationalen Schulen, zu denen etwa die offiziellen Deutschen Schulen gehören, werden in dem Ranking aber nicht berücksichtigt, da sie anderen Lehrplänen unterliegen. Aber auch für internationale Schulen wird jährlich ein Ranking publiziert. 

Die Zeitung publiziert jährlich ein Ranking, das spanische private Institute und öffentlich subventionierte Privatschulen („colegios concertados“) bewertet. Sie können religiös (meist katholisch) oder weltlich sein. Zu den Kriterien gehören die Größe der Klassen, das Verhältnis Lehrer-Schüler, die Qualität der Lehrerausbildung, das Fremdsprachenangebot, die Ausstattung, außerschulische Aktivitäten und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Öffentliche Schulen, deren Besuch kostenlos ist, werden nicht bewertet, weswegen dieses Ranking auch immer wieder Kritik hervorruft. Zumal die Ranking-Liste als Verlagsbeilage erscheint, die üppig mit gut bezahlter Werbung privater Schulen versehen ist. Es wird nicht klar, ob dieses Ranking von einer unabhängigen Bildungs- oder Forschungsinstitution zumindest begleitet wird. Oder ob es sich eher um ein reines Verlagsprodukt handelt.

Übrigens: Rund 30 Prozent der spanischen Familien schicken ihre Kinder auf private oder halb-private Schulen, was natürlich eine Frage des Preises ist. Die privaten spanischen und internationalen Schulen können bis zu 1000 Euro im Monat und pro Schüler kosten, die halb-privaten bis zu 500 Euro im Monat. Die Bewerbungsfristen enden oft schon ein halbes Jahr vor Beginn des neuen Schuljahres.         

Das Schul-Ranking der Tageszeitung „El Mundo“ ist natürlich nur eine Orientierung und nicht durchweg transparent – Auch nicht erwähnte Schulen können sehr gut sein

Die im Ranking gut abschneidenden Privatschulen verteilen sich über das ganze Land: Mallorca, Teneriffa, Gran Canaria, entlang der Mittelmeerküste von Valencia bis Málaga, im Baskenland, in Katalonien, in Sevilla und in Madrid. Man sollte freilich nicht vergessen: Es handelt sich um die Bewertung einer Zeitung. Schulen, die nicht genannt sind, können trotzdem empfehlenswert sein. Man sollte also dem Ranking nicht allzu viel Bedeutung beimessen, es dient zusammen mit den veröffentlichten Schulbeschreibungen als grobe Orientierung. 

Zumal die internationalen Privatschulen in dem Ranking der spanischen Privatschulen nicht bewertet werden, da ihre Qualität anderen Kriterien unterliegt, und sie auch von den Lehrplänen der jeweiligen Heimatländer abhängig sind. Allerdings werden die „angesehensten“ internationalen Schulen aufgezählt und kurz beschrieben. 

Die öffentlichen Schulen können oft in Sachen technische Ausstattung, Lehrmaterialien und Klassengröße mit den privaten Einrichtungen nicht mithalten

Was die Privatschulen den Kindern anbieten, klingt wie aus dem Handbuch der glücklichen Pädagogik: exklusive Betreuung, die auf die Fähigkeiten der einzelnen Schüler eingeht und Eigenständigkeit sowie Leistungsvermögen fördert. Wissensvermittlung auf dem neuesten Stand, moderne technische Einrichtungen, landschaftlich schön gelegen, mit vielen Sprachen, Sportangeboten und Kunst, zur Förderung von Teamgeist und Kreativität…

Das ist in öffentlichen spanischen Schulen leider meistens nicht zu schaffen - auch wenn es zweifellos gute staatliche Schulen mit engagierten Lehrern und hervorragenden Schülern gibt. Aber die spanische Finanzkrise hinterlässt im öffentlichen Bildungswesen Spuren, überall wird gespart: Es werden weniger Lehrer eingestellt, es gibt weniger Material, Modernisierungen der Schulen werden auf die lange Bank geschoben. Das versprochene Ziel, die Klassen zu verkleinern und die Bildungsqualität zu verbessern, wird so natürlich nicht erreicht. 

Entsprechend ist auf den staatlichen Schulen die Erfolgsquote der Schüler geringer. Oder anders gesagt: Im öffentlichen Bildungssystem gibt es laut Statistik mehr Sitzenbleiber und Schulabbrecher, genauso wie einen geringeren Notendurchschnitt und weniger Abiturienten, die auf Anhieb die Aufnahmeprüfung („selectividad“) an der Universität schaffen. Wie so oft wird bedauerlicherweise auch in Spanien in Sachen öffentliche Bildung am falschen Ende gespart - ein staatlicher Sparkurs, der sich in der Zukunft noch bitter rächen könnte. ck/ze

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