Arbeitslosigkeit Spanien: Jugend kämpft für Zukunft – Lösungen und Initiativen

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„Wir wolle eine Chance haben“: David Correa, Alejo Rodríguez und Txetxu González. (Bild: hayqueandar)

SPANIEN LIVE - 28.06.2013 - Sie waren nach dem Studium arbeitslos, frustriert, ohne Perspektive. Deswegen beschlossen sie, ihre sieben Sachen zu packen. Und - ganz wie früher die Handwerksgesellen - mit dem Rucksack auf Wanderschaft zu gehen. „Wir wollen beweisen, dass die spanische Jugend Initiative hat und nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher rumhängt“, sagen die drei jungen Spanier aus der Region Galicien, welche wochenlang zu Fuß durch das spanische Königreich zogen.

Ohne Geld, aber mit viel Illusion. Mit der Hoffnung, irgendwo einen Job zu finden. Und mit der Kamera in der Hand, um ihre dreitausend Kilometer lange Leidenstour zu dokumentieren. Inzwischen haben die drei arbeitslosen Wandergesellen Txetxu González (24), David Correa (23) und Alejo Rodríguez (24), die Film- und Fernsehwissenschaften studierten, eine Internet-Videoserie aus ihrem Trip gegen die Arbeitslosigkeit gemacht.

„Wir können nicht zu Hause auf dem Sofa bleiben und auf Arbeit warten. Aber die Gesellschaft muss den Jungen auch eine Chance geben.“

„Man muss laufen“, könnte man den Titel ihrer Web-Serie (hayqueandar.com) übersetzen, mit der sie zeigen wollen, „das wir etwas Gutes leisten können“. Und die gleichzeitig auch eine ermutigende Botschaft an die verzweifelte spanische Jugend schicken soll. Und zwar, dass man sich bewegen muss, Initiative haben muss, um einen Job zu finden. Man könne nicht zu Hause auf dem Sofa bleiben „und auf Arbeit warten“. Aber die Gesellschaft müsse „den Jungen auch eine Chance geben“.

Etwa 57 Prozent jener bis 25-jährigen Spanier, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sind derzeit ohne Job. Nur in Griechenland sieht es noch schwärzer aus. Die generelle Arbeitslosenquote im Krisenland Spanien liegt laut dem spanischen Statistikamt derzeit bei rund 27 Prozent. Von den insgesamt sechs Millionen Arbeitslosen sind etwa eine Million unter 25 Jahren.

Zehntausende junge Spanier suchen in Nordeuropa ihr Glück, wo junge Fachkräfte gebraucht werden – 19.000 Bewerber für elf Stellenausschreibungen in Madrid

Die meisten der jungen Joblosen haben kein Recht auf Arbeitslosengeld, da sie mangels Beschäftigung noch keine Ansprüche erwarben. Sie liegen ihren Eltern auf der Tasche, wohnen zu Hause und schreiben sich mit Bewerbungen die Finger wund. Große Chancen, der Misere zu entfliehen, haben die meisten jedoch nicht. Spaniens seit fünf Jahren abstürzende Wirtschaft wird auch in 2013 weiter schrumpfen und Arbeitsplätze vernichten. Immerhin suchen zehntausende junge Spanier in Nordeuropa ihr Glück, wo junge Fachkräfte gebraucht werden. 

Wie groß die Not am spanischen Arbeitsmarkt ist, spiegelt sich in einer Stellen-Ausschreibung des Madrider Prado-Museums: Die weltberühmte Bildergalerie suchte elf Museumswächter, die freilich kaum mehr als 1000 Euro brutto im Monat erwarten können. Es meldeten sich trotzdem fast 19.000 Bewerber, darunter nicht wenige junge Hochschulabgänger, von denen viele bereit sind, jegliche Beschäftigung sogar zu Niedriglöhnen anzunehmen.

Auch die jungen spanischen Wanderburschen Txetxu, David und Alejo waren auf ihrer Tour bereit, jeden Hilfsjob zu akzeptieren, um sich über Wasser zu halten. Sie halfen den Bauern auf den Feldern, spülten Geschirr in Gasthäusern, mähten in den Gärten von  Privatleuten den Rasen, putzten Fenster – im Gegenzug bekamen sie etwas zu essen und für eine Nacht ein Dach über dem Kopf.

Sie bewiesen mit ihrem Experiment aller Welt, wie man in ihrer Web-Serie mitverfolgen kann, dass Spaniens junge Generation keineswegs faul ist. „Die Jugend von heute ist gut vorbereitet und will arbeiten.“ Wenn man sie nur lässt. Ralph Schulze

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