Arbeitslosigkeit Spanien: Schwieriger Kampf gegen Jobkrise - Auswirkungen, Gründe, Lösungen

Fatima_Banez

„Von der Jungfrau kommt immer Hilfe.“ Ministerin Fátima Báñez hofft auf Jobwunder. (Bild:gob)

SPANIEN LIVE - 24.05.2013 - Sie hat eines der wichtigsten Ministerien in der spanischen Regierung unter sich: Fátima Báñez ist Spaniens Arbeitsministerin und ihr Auftrag lautet, die horrende Arbeitslosigkeit im spanischen Königreich zu bekämpfen: Mehr als 27 Prozent der aktiven Bevölkerung sind im Frühjahr 2013 ohne Job, bei den unter 25-Jährigen sind es sogar 57 Prozent - nur in Griechenland sieht es noch ähnlich katastrophal aus.

Angesichts dieses Dramas wird die konservative Politikerin im Volk auch gerne „Ministerin der Arbeitslosigkeit“ genannt. Mit diesem Etikett und mit der Jobkatastrophe im Rücken ist es zweifellos schwierig, bei den 47 Millionen Bürgern Punkte zu sammeln. In der monatlichen Popularitäts-Umfrage des staatlichen Forschungsinstituts CIS dürfen die Spanier den Regierenden Schulnoten verpassen: Báñez fällt stets mit einem „Ungenügend“ durch.

Zusammenarbeit mit Deutschland: Wirtschaft bietet Jobs für Fachkräfte und Lehrstellen – Zehntausende Spanier sind schon Richtung Norden gewandert

Um die Lage in Spanien zu entschärfen, versucht die Ministerin nun auch mit Deutschland zu kooperieren. Sie unterschrieb mit Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Madrid ein Abkommen. Junge Spanier, die eine Lehre machen wollen, sollen eine Chance in Deutschland bekommen, wo tausende Lehrstellen nicht besetzt werden können. Zudem will Berlin helfen, die praxisnahe duale Ausbildung in Spanien einzuführen, wo Berufslehren sehr theorielastig sind. 

Auch bei der Arbeitsvermittlung wollen beide Länder stärker zusammenarbeiten: In Deutschland werden Fachkräfte gesucht, in Spanien stehen sie auf der Straße - zehntausende junge Spanier sitzen auf gepackten Koffern. Viele sind in der Not auch schon Richtung Norden gezogen. In 2011 und 2012 wurden in Deutschland 50.000 spanische Einwanderer registriert.

Spaniens Arbeitsministerin hat den Arbeitslosen im eigenen Land wenig zu bieten – Arbeitsmarktreform greift bisher nicht – Beschäftigungsdrama verschärft sich  

Im eigenen Land sehen die Spanier derzeit wenig Perspektiven. Auch wenn Báñez versucht, den Spaniern Mut zu machen. „Wir sind auf dem Wege, aus der Krise zu kommen“, verkündet sie. „Es gibt hoffnungsvolle Signale.“ Auch himmlischen Beistand beschwört die tiefreligiöse Ministerin: „Von der Jungfrau kommt immer Hilfe.“ Der irdischen Stimmung auf der Straße entspricht dies nicht. Die meisten Spanier sind, Meinungsforschern zufolge, pessimistisch und zittern um ihren Job.

Báñez konnte seit ihrem Antritt unter dem konservativen Regierungschef Mariano Rajoy Ende 2011 nicht verhindern, dass die gnadenlose Zerstörung auf dem Arbeitsmarkt weitergeht. Damals waren 5,3 Millionen Menschen ohne Job, im Mai 2013 waren es schon 6,2 Millionen Bürger, bald könnten es noch mehr sein. Ein Drittel der Betroffenen hat kein Recht auf Arbeitslosengeld.

„Diese Regierung sucht jeden Tag unermüdlich Lösungen“, verspricht Báñez. Eine  ihrer Lösungen ist jene Arbeitsmarkt-Liberalisierung, welche 2012 gegen erbitterten Widerstand der Gewerkschaften durchgepeitscht wurde. Damit wurden der Kündigungsschutz gelockert, Tarifverträge aufgeweicht, Lohnsenkungen ermöglicht. So sollte die Entlassungswelle gestoppt und neue Beschäftigung geschaffen werden. Spürbaren Aufwind brachte diese „Flexibilisierung“ bisher nicht. Ralph Schulze

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