Jugendarbeitslosigkeit Spanien: Maßnahmen gegen Jobkrise – Die Hälfte steht auf der Straße

Arbeitslos

Protest: „Ihr raubt uns die Zukunft.“ Spaniens Jugend will sich mit der Misere aber nicht abfinden. (Bild: privat)

SPANIEN LIVE - 21.03.2013 - In Spanien wird sie die „Generation Null“ genannt. Gemeint ist die breite Schicht der perspektivlosen jungen Spanier ohne Job, weil sie „Null Einnahmen“, „Null Arbeitschancen“ und „Null Hoffnung“ haben. Nun will das Königreich mit einem milliardenschweren Beschäftigungspaket gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit kämpfen. Der konservative spanische Regierungschef Mariano Rajoy kündigte einen Aktionsplan an, mit dem rund eine Million beschäftigungslose junge Spanier von der Straße geholt werden sollen.

Die Jugend in Spanien ist besonders schlimm von der tiefen Wirtschaftskrise in dem südeuropäischen Euro-Land betroffen. Jeder zweite unter 25-Jährige ist ohne Job. Laut Eurostat sind es sogar 55 Prozent der jungen Generation, die ohne Beschäftigung sind. Viele packen die Koffer und gehen ins Ausland, um dort ihr Glück zu versuchen. Die allgemeine Arbeitslosigkeit liegt in Spanien bei über 26 Prozent. Nur im Pleitestaat Griechenland sieht es noch schwärzer aus.

Regierung beschließt Beschäftigungspaket: Finanzielle Anreize für die Einstellung junger Arbeitslose und Einstiegsverträge mit Minilöhnen sollen helfen

Die neue Beschäftigungsstrategie markiere eine Kehrtwende im Kampf gegen den „Missstand“ der Jugendarbeitslosigkeit, sagte Rajoy. Die Jugend sei „die Zukunft Spaniens“ und deswegen habe die Nation „die unumgängliche Pflicht“, die junge Generation aus ihrem „aktuellen Zustand der Verzweiflung“ herauszuholen. Für die Joboffensive sollen bis zum Jahr 2016 annähernd 3,5 Milliarden Euro bereitgestellt werden; etwa ein Drittel des Geldes kommt als Subvention von der Europäischen Union.

Der Aktionsplan sieht vor allem finanzielle Anreize für Arbeitgeber und junge Unternehmensgründer vor. So soll etwa die Schaffung von Jobs für junge Arbeitslose mit Nachlässen bei der Sozialversicherung belohnt werden. Junge Beschäftigungslose, die sich als Firmengründer versuchen, können ihr Arbeitslosengeld, das normalerweise zwei Jahre lang gezahlt wird, auf einen Schlag kassieren und so in ihre neue Existenz investieren. Auch ein zeitlich befristeter „Berufsanfänger-Vertrag“ mit Niedriglohn soll die Beschäftigung junger Leute fördern.

„Alle wollen weg“ – Viele junge Leute packen die Koffer und suchen ihr Glück im Ausland – Vor allem Akademiker und Fachkräfte emigrieren

In der spanischen Arbeitswirklichkeit ist es allerdings schon länger Praxis, dass Berufseinsteiger mit immer wieder verlängerten Zeitverträgen und zu Minilöhnen arbeiten müssen, die in der Regel unter 1000 Euro brutto im Monat liegen. Nicht selten werden junge Arbeitnehmer sogar nur als „Praktikanten“ eingestellt und müssen umsonst arbeiten. In der Jugendszene heißen diese Vereinbarungen schlicht „Müll-Verträge“. Ob also das neue Beschäftigungspaket reicht, um den jungen Spaniern neue Hoffnung zu geben, muss sich erst erweisen.

Wegen der Jobmisere im Königreich kehren immer mehr junge Spanier, meist gut ausgebildete Akademiker und Fachkräfte, ihrem Land den Rücken. Zehntausende sind es jedes Jahr, verlässliche Zahlen gibt es aber nicht. Schätzungen gehen davon aus, dass in den letzten fünf Jahren annähernd 400.000 Spanier, davon die meisten im jungen Alter, ausgewandert sind. Ein Student aus der spanischen Hauptstadt Madrid beschreibt die Stimmung so: „Alle wollen weg.“ Ralph Schulze

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