Spanien Jugendarbeitslosigkeit: Jugend ohne Jobs - Ausweg Emigration - Gründe, Ursachen, Statistik

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Jugendarbeitslosigkeit in Spanien: Viele junge Spanier stehen nach der Schule und der Ausbildung auf der Straße. (Bild: eu)

SPANIEN LIVE - 15.08.2012 - In Spanien lässt die hohe Jugendarbeitslosigkeit hunderttausende Jugendliche ohne Perspektive. „Es ist eine Schande“, sagt Pablo, „dass die gute ausgebildete junge Generation in Spanien keine Zukunft hat.“ Und wer von den jungen Leuten einen Job finde, müsse sich mit „kümmerlichen Löhnen“ von ein paar hundert Euro abfinden. Oder mit „Müll-Verträgen“, die nur für ein paar Monate gelten und dann mit Glück verlängert werden. „Viele haben keine andere Wahl, als ins Ausland zu gehen, um ihr Brot zu verdienen“. Auch Pablo, ein 24-jähriger Tourismusfachmann aus der spanischen Hauptstadt Madrid, will seinem Land den Rücken kehren.

Die Arbeitslosigkeit der bis zu 25-Jährigen in Spanien lag 2012 bei 52 Prozent. Das ist mehr als doppelt so viel wie im EU-Durchschnitt, der in 2012 auch schon auf bedenkliche 23 Prozent kletterte. Nur im Pleitestaat Griechenland ist es ähnlich schlimm wie in Spanien, wo ein gewaltiger Immobiliencrash im Jahr 2007 eine harte Finanz- und Wirtschaftskrise auslöste, deren Tiefpunkt noch immer nicht erreicht ist. Ein Absturz, der die allgemeine Arbeitslosenquote in 2012 auf fast 25 Prozent hochtrieb, das Wirtschaftswachstum abwürgte und die Staatsschulden explodieren ließ.

Die jungen Spanier sind auf dem Arbeitsmarkt besonders verwundbar: Sie arbeiten meist mit Zeitverträgen oder als Praktikanten und sind leicht kündbar

Warum sind Spaniens Jugendliche besonders hart von der Jobkrise betroffen? „In Krisenzeiten werden zuerst Berufsanfänger auf die Straße gesetzt“, erläutert eine spanische Gewerkschaftssprecherin. Es sei für Unternehmen „einfacher“ und „billiger“ junge Mitarbeiter rauszuwerfen. Der größte Teil der Berufseinsteiger werde üblicherweise mit leicht auflösbaren Zeitverträgen oder als Praktikanten beschäftigt. „Die Jungen sind sehr verwundbar“, sie seien die Schwächsten. Bei älteren Arbeitnehmern mit Festverträgen werden hingegen bei Entlassung hohe Entschädigungen fällig.

Vor allem diese „Müll-Verträge“ der jungen Spanier, die keinen nennenswerten Kündigungsschutz haben, sind in den letzten Jahren aufgelöst worden. Da zugleich jedes Jahr hunderttausende neue Uni- und Berufsschul-Absolventen auf den Arbeitsmarkt nachrücken, aber derzeit kaum jemand eingestellt wird, wächst der Berg der jungen Arbeitslosen unaufhörlich. Inzwischen sind laut offizieller Statistik rund eine Million der unter 25-Jährigen ohne Job. Inoffiziell dürften es noch mehr sein, weil viele Berufsanfänger sich beim Arbeitsamt nicht melden, da sie von der Behörde weder Jobs noch Geld zu erwarten haben.

Viele wollen nach Deutschland oder Großbritannien auswandern – Deutsche Unternehmen bieten spanischen Jugendlichen auch Lehrstellen an

„Das ist frustrierend“, sagt Marta (23), die in Madrid eine Ausbildung als Werbeexpertin und Webdesignerin hinter sich hat. „Wofür studieren wir überhaupt?“ Auch sie denke ans Auswandern. Vielleicht nach Deutschland oder Großbritannien. „Aber das ist nicht so einfach, wie es sich anhört.“ Deutschland und andere nördlich liegende Länder, denen Fachkräfte fehlen, umwerben derzeit Spaniens Nachwuchs. Sogar Lehrstellen werden angeboten - etwa von Deutschland, wo mit Spanien eine Zusammenarbeit in Sachen Berufsausbildung vereinbart wurde.

„Manchmal fühle ich mich verloren“, bekennt Marta, „die Zeit vergeht, ich werde älter und bekomme keine Chance zu zeigen, was ich kann.“ Marta, die noch bei ihren Eltern wohnt, hält sich derzeit mit Hilfsjobs wie Babysitten und Kellnern einigermaßen über Wasser. „Generation null“ wird die breite Schicht der perspektivlosen jungen Spanier im eigenen Land genannt, weil sie zu Hause „null Arbeitschancen“ haben. Zehntausende von ihnen packen nun die Koffer. Die aktuellen Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit in Spanien findet man hier. Ralph Schulze

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