Arbeitslosigkeit in Spanien: 24 Prozent ohne Job – Kündigung erleichtert - Statistik und Gründe

Jugendprotest

Keine Jobs, keine Zukunft: Spaniens junge Generation beginnt sich zu wehren - hier auf einer Demonstration in Madrid. (Bild: spanienlive.com) 

SPANIEN LIVE - 13.02.2012 - Lockerung des Kündigungsschutzes, Aufweichung der Tarifverträge, flexibleres Arbeitsrecht, finanzielle Anreize für Neueinstellung: Mit diesen Waffen will Spaniens konservativer Regierungschef Mariano Rajoy die Arbeitslosenkatastrophe im kriselnden Königreich bekämpfen. Die Regierung beschloss eine Jobreform, welche das weitere „Ausbluten“ des Arbeitsmarktes verhindern soll. Doch diese Liberalisierung von Lohnbestimmungen, Arbeitszeiten und Jobverträgen schmeckt den Gewerkschaften nicht.

 „Die Lage kann kaum schlimmer sein“, sagt Ministerpräsident Rajoy. Die Arbeitslosenquote in dem südeuropäischen Land liegt inzwischen bei mehr als 24 Prozent, so hoch wie sonst nirgendwo in Europa – den Prognosen zufolge könnten es bald sogar 25 Prozent sein. Weit mehr als fünf Millionen Menschen sind ohne Job; 500.000 weitere Arbeitsplätze könnten in den nächsten Monaten noch verloren gehen, schätzen die Analysten. Spanien, wo mit dem Ende des Baubooms im Jahr 2007 die gesamte Wirtschaft abstürzte, ist inzwischen Europas Reich der Arbeitslosen: Annähernd ein Drittel aller EU-Arbeitslosen leben südlich der Pyrenäen.

 Jeder zweite Spanier unter 25 Jahren ist ohne Job - In keinem europäischen Land ist die Lage schlimmer

Rajoy, der im Dezember 2011 den sozialistischen Ministerpräsidenten Jose Luis Zapatero ablöste, verspricht eine „Schlacht“ gegen das Arbeitslosendrama, welches immer mehr Spanier auch aus dem Mittelstand in existenzielle Not treibt. Jede vierte Familie rutschte inzwischen, mangels ausreichender Einnahmen, unter die Armutsschwelle. Vor allem die junge Generation steht ohne Zukunft da: Über 50 Prozent der unter 25-Jährigen ist arbeitslos – auch dies ist europäischer Minusrekord.

Zehntausende gut ausgebildete Akademiker stehen nach dem Studium mit leeren Händen da, suchen ihr Heil im Ausland. Wegen der horrenden Jugendarbeitslosigkeit laufe Spanien in Gefahr, eine ganze Generation zu verlieren, warnt Rajoy, „weil sie alle Türen verschlossen findet“. Er sieht mit Sorge die „Flucht der Gehirne” in andere Länder wie etwa Deutschland, wo Spaniens Ingenieure und Informatiker eifrig umworben werden. Rajoy: „Die Emigration von spanischen Akademikern ist alarmierend.”

 Wer auf der Straße steht, hat vom Arbeitsamt wenig zu erwarten: Dort werden nur die Papiere abgestempelt, Jobs gibt es nicht

In Spaniens Städten bilden sich derweil lange Schlangen vor den Arbeitsämtern. Obwohl die Behörden den Menschen keine Jobs anbieten können. „Ich kenne keinen, der vom Arbeitsamt eine Stelle vermittelt bekam“, sagt Antonio Rubio, der sich regelmäßig vor der Madrider Arbeitsverwaltung die Beine in den Bauch steht.

Die Arbeitslosen kommen nur, um sich ihren Stempel auf ihren Papieren zu holen, ohne den sie keine Unterstützung bekommen. Doch ohnehin hat der hochverschuldete Staat immer weniger Stütze zu verteilen. Nur noch zwei Drittel der Stellenlosen bekommen Arbeitslosengeld - die anderen müssen gucken, wo sie bleiben.

Immer mehr mittellose Bürger klopfen bei den Suppenküchen karitativer Organisationen an. Hunderttausende, die Miete oder Hypothek nicht mehr zahlen konnten, wurden schon aus ihren vier Wänden geworfen. In 1,5 Millionen spanischen Familien sind alle arbeitsfähigen Personen - also Vater, Mutter und erwachsene Kinder - ohne Beschäftigung.

Die aktuelle Arbeitslosenstatistik mit den neusten Zahlen findet man hier. Auch die aktualisierten Daten zur Jugendarbeitslosigkeit kann man abrufen. Ralph Schulze

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