Porträt: Amancio Ortega – Vermögen mit Mode

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An der Spitze der Modewelt: Amancio Ortega ist inzwischen der reichste Mann in Europa. (Bild: in)

SPANIEN LIVE - 06.04.2016 - Unscheinbar kommt er daher: ein schlichtes Hemd oder Poloshirt über seinem runden Bauch, Strickjacke oder Jackett darüber, meist ohne Krawatte. Ein älterer freundlicher Herr, der nicht weiter auffallen würde im Heer der spanischen Rentner. Der spanische Mode-Milliardär Amancio Ortega, der inzwischen mit seinen Zara-Shops zum zweitreichsten Mann der Welt und zum reichsten Unternehmer Europas aufstieg, liebt die Diskretion. Er zieht es vor, auf der Straße nicht erkannt zu werden, und er vermeidet öffentliche Auftritte.

Vielleicht half dem 80-jährigen Spanier diese Bescheidenheit beim Aufstieg zum unangefochtenen Modezar dieser Welt. Ein Mann, der sich von ganz unten mit harter Arbeit und Disziplin nach oben kämpfte: Der Sohn eines Eisenbahners begann seine Karriere ohne Schulabschluss und mit 13 Jahren als Laufbursche in einem Hemdengeschäft. 1963, also vor mehr als 50 Jahren, eröffnete er seinen ersten eigenen Laden, in dem er vor allem Bademäntel verkaufte. 1975 folgte dann der erste Zara-Shop, dessen Mode die Welt eroberte.

Heute unterhält Ortegas Inditex-Konzern knapp 7000 Geschäfte in 88 Ländern. Und die Expansion geht weiter: Fast jeden Tag wird irgendwo auf dem Globus und immer in den besten Einkaufslagen eine neue Boutique der Inditex-Marken Zara, Pull&Bear, Massimo Dutti, Bershka oder Stradivarius eröffnet. Der Verkauf und der Gewinn wachsen zweistellig. Im Geschäftsjahr 2015 wurde ein Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro eingefahren.

„Ohne Wachstum stirbt ein Unternehmen“, predigt der größte Textilhändler auf dem Erdball, der sich 2011 als Konzernchef zurückzog. Aber Ortega achtet noch immer darauf, dass jede Woche neue Kollektionen in die Geschäfte rollen. „Das Streben nach ständiger Erneuerung und Überwindung ist die treibende Kraft“, sagt er. Das schlimmste Übel eines Unternehmers sei hingegen die Selbstgefälligkeit. Inditex gilt als das gesündeste Großunternehmen Spaniens – fast ohne Schulden. Und es ist einer der größten Arbeitgeber des Königreichs, weltweit werden 150.000 Menschen beschäftigt.

Ortegas Mode-Imperium ist noch vor dem schwedischen Riesen H&M sowie dem US-Giganten Gap die Nummer eins auf dem Erdball. „Wir alle kommen auf die Welt, um irgendeine Mission zu erfüllen“, sagte er einmal. Die Mission Ortegas lautet, die Welt der Mode zu regieren. Dabei hilft ihm sein unternehmerisches Glaubensbekenntnis: „Das Wichtigste ist, sich Ziele zu setzen und zu versuchen, diese mit Leib und Seele zu erfüllen.“

Mit einem derzeitigen Börsenwert von mehr als 90 Milliarden Euro ist der spanische Moderiese, der seine Zentrale in der nordwestspanischen Kleinstadt Arteixo hat, der kapitalstärkste Konzern des Landes. Davon profitiert vor allem Konzern-Patriarch Ortega selbst, der knapp 60 Prozent der Aktien besitzt und allein mit den Dividenden seiner Konzernaktien jedes Jahr eine Milliarde Euro einstreicht. Seine Gewinne investiert Ortega zunehmend in Luxusimmobilien, die er vorzugsweise in den Hauptstädten der ganzen Welt erwirbt und dann vermietet.

Ortega war freilich nie einer von jenen, die ihren Reichtum zur Schau stellten. „Ich habe nur deswegen so viel Geld, weil es nie mein Ziel war, Geld zu verdienen.“ Er genieße lieber „die kleinen Sachen“. Auch wenn ein bisschen Luxus schon sein darf: Ein größerer Privatjet, mit dem er aber auch seine Manager durch die Modewelt düsen lässt. Eine 31 Meter lange Jacht zum Ausspannen. Ein Reitzentrum mit olympischen Ausmaßen für Tochter Marta, die vielleicht einmal die Macht bei Zara & Co übernehmen könnte.

Ortegas Geschäfte laufen so gut, dass er im Milliardärsranking des US-amerikanischen Wirtschaftsmagazins „Forbes“ nun vom vierten Platz auf den zweiten Rang vorrückte. Mit einem geschätzten Vermögen von rund 68 Milliarden Dollar, was etwa 62 Milliarden Euro entspricht - nur Microsoft-Gründer Bill Gates hat laut „Forbes“ noch mehr Geld. Ralph Schulze

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