Mallorca Treibhauseffekt: Macht Klimawandel die Insel zur Wüste? - Spanien bremst Sonnenenergie

Klimawandel Mallorca

Klimawandel auf Mallorca: Wenn nicht bald der Treibhauseffekt ernst genommen wird, könnte Mallorca einmal zur Wüste werden. Spaniens Regierung schaut derweil weg und tut wenig, um den Ausstoß der Treibhausgase zu stoppen. (Bild: EU)

SPANIEN LIVE - 18.11.2016 - Am Beispiel der spanischen Urlaubsinsel Mallorca lässt sich gut studieren, was der Klimawandel in Südeuropa anrichten wird: Die mittleren Temperaturen steigen stärker als erwartet, es gibt immer längere Hitzeperioden, die Regenmengen sinken. Im Ferienparadies herrscht schon seit Sommer Trinkwassermangel, weil Talsperren und Grundwasserseen deutlich leerer als in früheren Jahren sind. Die zunehmenden Trockenperioden machen auch den Landwirten zu schaffen, deren Ernten verdorren.

Das Ferienparadies könnte buchstäblich austrocknen, wenn man die Erderwärmung durch die Treibhausgase nicht unter Kontrolle bekomme, warnt der prominente spanische Umweltforscher Agustí Jansà. Er untersucht schon seit Jahrzehnten das Wetter und das Klima auf den Balearischen Inseln, zu denen auch Ibiza, Menorca und Formentera gehören. „Wir verwandeln uns in eine Wüste“, lautet Jansàs düstere Prognose.

„Der Frühling ähnelt auf Mallorca immer mehr dem Sommer“, fasst die Mallorca Zeitung die Klimaentwicklung auf der Insel zusammen. Ein Wissenschaftlerteam der Balearen-Universität in Palma, zu dem auch der Meteorologe Jansà gehört, fand heraus, dass die mittleren Temperaturen auf der Ferieninsel im Mai und Juni in den letzten 40 Jahren um drei Grad stiegen. In diesem Sommer markierte das Thermometer auf Mallorca Rekordwerte von bis zu 40 Grad.

Der globale Temperaturanstieg ist auf Mallorca, das auf halbem Wege zwischen Nordafrika und Südeuropa liegt, bereits sehr viel deutlicher zu spüren als auf dem europäischen Kontinent. Nach Meinung der Wissenschaftler ein klarer Vorbote dessen, was in der Zukunft ganz Europa blühen könnte. Die Klimaforscher warnen schon länger, dass die in Afrika fortschreitende Wüstenbildung nicht am Mittelmeer stoppen, sondern den Meeresgraben überspringen werde.

Doch ausgerechnet Spanien, das nach den UN-Klimaprognosen mit am schlimmsten von der Erderwärmung betroffen sein wird, unternimmt wenig gegen den Treibhauseffekt. Sauberen Energiequellen werden Steine in den Weg gerollt, die Kohlekraft wird hochgefahren. Mit katastrophalen Klimafolgen: Während im EU-Schnitt in den letzten Jahrzehnten die Treibhausgas-Emissionen sanken, stieg der Ausstoß der Abgase in Spanien.

Ausgerechnet in jenem Land, das sich mehr als 300 Sonnentagen rühmen kann, spielt die Solarenergie nur eine kleine Rolle. Vor allem, weil sie politisch abgewürgt wird: Die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy strich die Einspeisevergütung und bestraft Selbstverbraucher, die sich mit Solarzellen auf dem Dach versorgen, auch noch mit einer „Sonnensteuer“. Seit Jahren kommt die Solarenergie nicht über einen Anteil von fünf Prozent an der Stromerzeugung hinaus.

Auch insgesamt befindet sich Spanien derzeit bei den grünen Energien im Rückwärtsgang: 2015 wurden in Spanien nach Angaben des nationalen Netzbetreibers REE zwar 36,9 Prozent des Stroms aus sauberen Quellen gewonnen, vor allem mit Windparks und Wasserkraftwerken. Aber das ist weniger als in früheren Jahren: In 2014 hatten die regenerativen Stromquellen noch einen Anteil von 42,8 Prozent.

Dieser Rückschritt schlägt sich in Spaniens Klimabilanz nieder. Nach der Statistik der Europäischen Umweltagentur gehört Spanien zusammen mit Zypern zu jenen europäischen Klimasündern, bei denen die schädlichen Emissionen am meisten zunahmen: Zwischen 1990 und 2015 sanken die Treibhausgase im EU-Mittel um mehr als 20 Prozent, in Spanien stieg der Ausstoß im gleichen Zeitraum um annähernd 18 Prozent.

Schuld ist vor allem der verstärkte Einsatz der Kohlekraft, welcher in 2015 in Spanien kräftig hochgefahren wurde. Laut dem Netzbetreiber REE stieg im Jahr 2015 der Kohleeinsatz deutlich an und war mit 20,3 Prozent nach der Atomkraft (21,8 Prozent) Spaniens zweitwichtigste Quelle bei der Stromerzeugung. An dritter Stelle lagen die Windparks mit 19 Prozent.

Umweltschützer werfen Spaniens konservativer Regierung vor, mehr den nationalen Stromkonzernen als den Interessen der Umwelt zu dienen. „Die nationale Energiepolitik in den letzten Jahren hat der Bekämpfung des Klimawandels geschadet“, bilanziert die Umweltorganisation Greenpeace. Der Umweltschutz werde unternehmerischen Gewinnen geopfert. Zudem treiben billige Importkohle und staatliche Subventionen für die Nutzung nationaler Kohle die Verbrennung an.

Zugleich läuft gegen Spanien eine Klagewelle von in- und ausländischen Energieinvestoren. Sie gehen vor der globalen Schiedsorganisation ICSID in Washington, europäischen Institutionen sowie nationalen Gerichten gegen Madrid vor, weil die Regierung aus ihrer Sicht reihenweise energiepolitische Zusagen gebrochen und damit Sonnen- wie Windparks in den Ruin getrieben habe.

Allein in Washington sind über 20 Klagen gegen Spanien anhängig - mehr als gegen jeden anderen Staat. Auch daraus lässt sich schließen, dass in Spanien derzeit keine sonnigen Zeiten für grüne Energien herrschen. Ralph Schulze

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