Gemüseanbau Spanien: Die Felder trocknen aus

Gemüseanbau in Spanien

Tomatenreich Südspanien: Doch den Plantagen in der Region Almería geht das Wasser aus. Klimawandel und der Raubbau bedrohen die Zukunft. (Bild: ar)

SPANIEN LIVE - 08.12.2015 - Europas Gemüsegärten in der südspanischen Region Andalusien könnten bald zu den ersten Opfern des Klimakollapses werden. Hier wachsen im milden Mittelmeerklima der Provinz Almería das ganze Jahr über jene Gurken, Paprika und Tomaten, welche die Regale der europäischen Supermärkte füllen. Doch die globale Erderwärmung sorgt langsam aber sicher dafür, dass den Bauern das Wasser ausgeht.

Einer, der das Problem kennt, ist Miguel Arias Cañete. Der Spanier ist seit 2014 EU-Klimakommissar und seine Familie gehört zu den landwirtschaftlichen Großgrundbesitzern Andalusiens. Den Bauern müsse man den Klimawandel nicht erklären, sagt Arias Cañete. Denn sie litten schon länger unter extremeren Wetterbedingungen: „Die Hitze im Sommer versengt die Ernten.“ Und immer öfter zerstörten heftige Wolkenbrüche, Hagelstürme und Überschwemmungen Felder und Treibhäuser.

Hinzu komme, dass die Böden durch längere Trockenheitsperioden ausdörrten. Die in Afrika fortschreitende Wüstenbildung werde nicht am Mittelmeer stoppen, sondern den Meeresgraben überspringen, prophezeit Arias Cañete. „Und wir werden dann ein großes Problem mit dem Wassermangel haben.“ Es sei nicht auszuschließen, dass die Bauern an Spaniens Mittelmeerküste „in 50 Jahren keinen Tropfen Wasser mehr haben werden“.

Auf Andalusiens Landwirte, die wichtigsten Obst- und Gemüselieferanten der EU, kommen düstere Zeiten zu. Sie verkaufen jedes Jahr Produkte im Wert von mehr als vier Milliarden Euro ins Ausland. Zu ihren Exportschlagern gehören Erdbeeren, Melonen und Zucchini; zudem werden Oliven und Wein angebaut.

Hunderttausende Menschen leben von der Feldwirtschaft in Andalusien, das zu Europas Armenhäusern gehört und mit 32 Prozent die höchste Arbeitslosenquote der EU hat. Der Klimawandel könnte die soziale Not in Südspanien noch verschärfen.

Die Gemüseregion Almería gilt heute schon als trockenste Region des Kontinents. Mehrere hundert Meter tief müssen die Landwirte inzwischen ihre Brunnen bohren, um die Plantagen bewässern zu können. In der Zukunft können wohl nur Meerentsalzungsanlagen die Ernte retten.

Teil des Problems ist freilich auch die wirtschaftliche Ausbeutung der Natur ohne Rücksicht auf Verluste: Ein Raubbau, bei dem Gewinnmaximierung und weniger die Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen. Bis zu drei Mal im Jahr wird geerntet, Böden und Wasserspeichern werden keine Ruhepause gegönnt. Sogar im Dezember reifen in Almería bei Durchschnittstemperaturen von 10-20 Grad noch die Tomaten.

Ob die neuen Versprechen auf dem Klimagipfel in Paris die Lage in Andalusien verbessern werden, ist eher zweifelhaft: EU-Klimakommissar Arias Cañete warnte bereits, dass keine kurzfristigen Erfolge zu erwarten sind. Denn die Klimabeschlüsse zur Vermeidung des Temperaturanstiegs werden sich wohl erst „zum Ende des Jahrhunderts“ auswirken. Ralph Schulze

 

SPANIENS ENERGIEPOLITIK AM PRANGER: KOHLE STATT SONNE

Das südlich gelegene Spanien gehört zu jenen europäischen Ländern, die nach den UN-Klimaprognosen am schlimmsten von der Erderwärmung betroffen sein werden. Umso mehr wundert es, dass Spaniens konservative Regierung wenig gegen den Treibhauseffekt unternimmt und sogar die Kohleverbrennung, die als Hauptursache des Klimawandels gilt, wieder hochfährt.

Zugleich werden ausgerechnet im Land der Sonne der Solarenergie ständig neue Hindernisse in den Weg gerollt. Mit dem Ergebnis, dass der Anteil der Sonnenenergie an der Stromerzeugung mit etwa fünf Prozent inzwischen niedriger ist als etwa im wolkenreichen Deutschland.

Entgegen der Tendenz in Europa, wo die Industriestaaten die Kohlekraft reduzieren, stieg in Spanien im Jahr 2015 der Anteil der Kohle an der Elektrizitätserzeugung auf 20 Prozent. Während die spanische Stromerzeugung aus sauberen Energiequellen wie Windparks, Wasserturbinen und Sonnenkraftwerken auf zusammengerechnet etwa 38 Prozent fiel. Wichtigste Stromquelle ist nach Angaben des nationalen Netzbetreibers REE in 2015 übrigens die Atomkraft mit rund 22 Prozent.

Umweltschützer werfen der konservativen Regierung vor, mehr den nationalen Stromkonzernen als den Interessen der Umwelt zu dienen. „Die nationale Energiepolitik in den letzten Jahren hat der Bekämpfung des Klimawandels geschadet“, bilanziert die Umweltorganisation Greenpeace. Der Umweltschutz werde unternehmerischen Gewinnen geopfert. Zudem treiben billige Importkohle und staatliche Subventionen für die Nutzung nationaler Kohle die Verbrennung an.

Das Resultat dieser Politik wird nach Einschätzung der EU-Kommission sein, dass es Spanien vermutlich nicht schaffen wird, die Klimaschutzziele zu erreichen. So hinkt Spanien zum Beispiel bei der Verringerung des Kohlendioxids, dem wichtigsten Treibhausgas, hinterher: In 2014 wurden die CO2-Abgase laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat in Spanien nur um zwei Prozent reduziert, während sie sich im EU-Schnitt um fünf Prozent verringerten. ze

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