Spanische Atomkraftwerke: Fukushima-Schwester in Spanien – Kein Atomausstieg, kein Zwischenlager

Vandellos

Atomidylle am Mittelmeer: Reaktor Vandellos I (vorne, stillgelegt) und II (hinten, aktiv). (Bild: Enresa)

SPANIEN LIVE - 23.03.2012 - Eine der wenigen Schwestern des japanischen Katastrophen-Atomkraftwerks Fukushima Eins steht in Spanien. Die atomare Stromfabrik Santa María de Garoña, auf halbem Weg zwischen den beiden nordspanischen Städten Burgos und Bilbao, ging 1971 - also vor über 40 Jahren - ans Netz und ist baugleich mit der Fukushima-Unglücksanlage. Der Garoña-Siedewasserreaktor, dessen Errichtung 1966 begonnen wurde, ist Spaniens ältester aktiver Atommeiler – und wird vermutlich noch ein paar Jahre am Netz bleiben.Spaniens Fukushima-Zwilling liegt am Rande des kleinen nordspanischen Dorfes Santa María de Garoña und ist das einzige noch aktive Atomkraftwerk innerhalb der Europäischen Union, das ziemlich identisch mit Japans Unfall-Kraftwerk ist. Eigentlich sollte Garoña, mit 466 Megawatt Leistung die kleinste spanische Atomanlage, in 2011 und nach vier Jahrzehnten Laufzeit vom Netz gehen. Doch Spaniens Regierung verschob aus wirtschaftlichen Erwägungen den Ausstieg und will nun eine Laufzeit bis 2019 genehmigen.

 

Eine Laufzeitbegrenzung steht in Spanien derzeit nicht zur Debatte – Ein Reaktor steht direkt an der nördlichen Mittelmeerküste

Die frühere sozialistische Regierung hatte eigentlich eine Laufzeitbegrenzung auf 40 Jahre für alle sechs spanischen Atomkraftwerke mit insgesamt acht aktiven Reaktoren und einen schrittweisen Ausstieg aus der nuklearen Energie angestrebt. Dies steht nun bei der neuen konservativen Regierung von Mariano Rajoy nicht mehr zur Debatte. Industrieminister José Manuel Soria sagte, „Spanien kann es sich nicht leisten, auf irgendeine Energiequelle zu verzichten“.

Im Jahr 1988 wurden in Spanien die letzten beiden Nuklearkraftwerke in Betrieb genommen: In dem Badeort Vandellós (Vandellós II, 1087 Megawatt) an der nordspanischen Mittelmeerküste bei Tarragona. Und in dem zentralspanischen Dorf Trillo (1066 Megawatt) rund 100 Kilometer östlich der Hauptstadt Madrid. Neue Atomkraftwerke sind derzeit zwar nicht geplant, aber auch nicht ausdrücklich ausgeschlossen.Der Atomstrom trägt in Spanien zu rund einem Fünftel zur nationalen Elektrizitätsversorgung bei. Immerhin wächst in Spanien der Anteil erneuerbarer Energiequellen (Wind, Wasser und Sonne), welche in 2011 etwa mit einem Drittel zur Stromerzeugung beitrugen.

Wohin mit dem Atommüll? Auch Spanien hat noch kein Endlager – Die provisorischen Depots auf den Kraftwerksgeländen quellen über 

Auch die Lösung des Atommüll-Problems hat die Regierung immer wieder auf die lange Bank geschoben. Die Atommüll-Depots auf den Kraftwerksgeländen quellen langsam über, weil es immer noch kein atomares Zwischenlager im Land gibt. Geschweige denn ein sicheres Endlager für den hoch strahlenden Abfall. Immerhin hat die konservative Regierung nun einen Standort für das Zwischenlager festgelegt, das in dem Dorf Villar de Cañas, anderthalb Autostunden östlich der Hauptstadt Madrid, gebaut wird. Mit einer Fertigstellung ist aber kaum vor dem Jahr 2018 zu rechnen. Die Umweltorganisation Greenpeace forderte die Regierung auf, die „Lektion von Fukushima zu lernen“ und die Atomkraftwerke zu schließen. Greenpeace-Aktivisten machen immer mal wieder darauf aufmerksam, dass Spaniens Atomanlagen nicht durchweg sicher sind. Zuletzt stürmten die Umweltschützer das größte spanische Atomkraftwerk Cofrentes (1092 Megawatt), 100 Kilometer westlich der Mittelmeerstadt Valencia - und bewiesen damit, wie verwundbar nuklearen Anlagen sein können.

Cofrentes, seit 1984 in Betrieb, ist wie Fukushima und die Fukushima-Schwester im nordspanischen Garoña ein Siedewasserreaktor, aber neuerer Bauart. Ausgerechnet einen Tag vor der Erdbeben-Katastrophe in Japan, die dann das Fukushima-Nukleardrama auslöste, hatte Spaniens Regierung die Lizenz für das Atomkraftwerk Cofrentes für weitere zehn Jahre, also bis 2021, verlängert.
Ralph Schulze

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