Atommüll: Spanisches Atomdorf feiert nukleares Zwischenlager – Wenig Protest in Spanien

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Nicht alle jubeln im spanischen Atomdorf Villar de Canas. Langsam regt sich doch Protest unter den Bürgern. (Bild: iu)

 SPANIEN LIVE - 02.01.2012 - In dem kleinen spanischen Dorf Villar de Canas wurde dieser Tage besonders heftig gefeiert: Die 500 Bewohner bejubelten, dass ihr Nest zum spanischen Atomdorf bestimmt wurde. Ihr Ort erhielt von Spaniens neuer konservativer Regierung den Zuschlag für das erste nukleare Zwischenlager der Nation. Dort sollen künftig die alten hochradioaktiven Brennstäbe der acht spanischen Atomkraftwerke hinter dicken Stahlbetonwänden verstaut werden.

„Das ist wie Lottogewinn“, sagt Bürgermeister Jose Maria Saiz. Das Zwischenlager, hoffen die Dörfler, werde ihrem Dorf eine neue Zukunft geben. Arbeitsplätze, Besucher, Investitionen und Subventionen – genau das, was ihr sterbendes Nest, rund anderthalb Autostunden östlich von Spaniens Hauptstadt Madrid, bitter nötig habe. In der Dorfschenke knallten die Korken, als die Entscheidung von Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy bekannt wurde.

Viele Menschen im Dorf Villar de Canas sehen in dem Atommüll-Lager eine Chance, in ihrem verschlafenen Nest Arbeitsplätze und Wohlstand zu schaffen

Für rund 700 Millionen Euro soll auf den Äckern von Villar de Canas, das mehr schlecht als recht vom Mais- und Getreideanbau lebt, das riesige Atommüll-Zwischenlager gebaut werden. Bis zu 1000 Arbeitsplätze sollen entstehen. „Das ist die Rettung für unseren Ort“, freut sich Dorfchef Saiz, der schon vor Jahren sein Nest für die nukleare Müllkippe anbot. „Wir waren bisher ein untergehendes Dorf.“ Die Hälfte aller Häuser steht leer, weil die Menschen mangels Arbeit weggezogen sind. Außer „ein bisschen Landwirtschaft“ gebe es nichts.

An große Anti-Atom-Proteste, wie sie etwa in Deutschland normal sind, kann sich Saiz nicht erinnern. „Rund 80 Prozent der Bewohner stehen hinter mir.“ Zwar seien kurz nach der nuklearen Entscheidung „ein paar hundert“ Demonstranten aufgetaucht. „Aber die kamen nicht aus unserem Dorf.“ Spaniens Umweltschutzverbände, die offenbar von dem Beschluss der frischgebackenen Regierung überrascht wurden, haben jedoch angekündigt, dass sie sich gegen diesen „umweltpolitischen Irrtum“ mit aller Kraft stemmen werden.

Ohne Zwischenlager droht in den spanischen Atomkraftwerken der Müllkollaps – Die Depots in den nuklearen Energiefabriken sind voll

Spaniens Regierung hatte die Entscheidung über das Atommüll-Lager immer wieder aufgeschoben. Der im November 2011 abgewählte sozialistische Regierungschef Jose Luis Zapatero hatte die brisante Frage vertagt, um nicht noch mehr Stimmen zu verlieren. Sein konservativer Nachfolger Mariano Rajoy sorgte über Nacht für Klarheit. Wenn auch notgedrungen, weil die Atommüll-Depots auf den spanischen Kraftwerksgeländen langsam überquellen, bald gibt es dort keinen Platz mehr für alte Brennstäbe. Zudem ist Spanien verpflichtet, große Mengen von Nuklearschrott zurückzunehmen, der befristet nach Frankreich verschoben wurde.

Diesen nuklearen Notstand soll nun, zunächst für die nächsten 60 Jahre, das Zwischenlager beenden. In der Hoffnung, dass bis dahin auch ein Endlager für den hoch strahlenden Abfall gefunden wird. In Spanien sind derzeit noch acht Atomkraftwerke am Netz. Sie wurden überwiegend in den 80er Jahren gebaut. Neue Atomkraftwerke sind derzeit nicht geplant, die neue konservative Regierung hat sich hinsichtlich ihrer künftigen Atompolitik noch nicht festgelegt. Der Atomstrom trägt in Spanien zu rund einem Fünftel zur nationalen Elektrizitätsversorgung bei. Ralph Schulze

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