MIGRATION: WENIGER FLÜCHTLINGE AM MITTELMEER – Hauptroute verschob sich nach Spanien – Statistik: Daten, Zahlen und Fakten

Flüchtlinge und Migranten auf dem Weg nach Spanieni

Flüchtlinge und Migranten auf dem Weg nach Spanien, das Italien als neues Hauptziel in Südeuropa ablöste. Unter dem Strich ging die Zahl der Bootsmigranten am Mittelmeer in 2018 jedoch deutlich zurück. (Bild: Salvamento Maritimo)

SPANIEN LIVE Statistik – 02.01.2019 – Die Zahl der Migranten und Flüchtlinge, die übers Mittelmeer nach Südeuropa gelangen, geht zurück. Die in 2018 registrierten Ankünfte lagen deutlich unter jenen des Vorjahres. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und des Flüchtlingshilfswerks UNHCR kamen insgesamt rund 114.000 Menschen in Booten an südeuropäischen Küsten an. Das sind rund ein Drittel weniger als im Vorjahr, in dem etwa 172.000 Menschen gezählt wurden. In 2016 waren in Südeuropa noch 362.000 Migranten verzeichnet worden.

Die Route der Bootsmigranten hat sich allerdings im Laufe des vergangenen Jahres vom zentralen ins westliche Mittelmeer verschoben: Nun ist Spanien und nicht mehr Italien das Hauptankunftsland in Südeuropa: In 2018 wurden in Spaniens Häfen 57.000 Migranten versorgt – nahezu drei Mal so viel wie im Vorjahr. Hinzu kamen 6700 Migranten, die über die Land- oder Seegrenze in die beiden spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla kamen.

In Italien, das in früheren Jahren noch Hauptziel der Bootsmigranten war, landeten derweil in 2018 nur noch 23.000 (2017: 120.000) Menschen. In Griechenland stieg die Zahl der per Boot Ankommenden leicht auf 32.000; weitere 16.000 kamen über die türkisch-griechische Landgrenze. Zudem wurden auf Malta 1200 und auf Zypern 1000 Migranten registriert.

Mit dem allgemeinen Rückgang der Bootsankünfte in Südeuropa sank auch die Zahl der bekannt gewordenen tödlichen Unglücke im Mittelmeer. Nach der offiziellen Statistik starben im vergangenen Jahr 2262 Migranten bei der Fahrt übers Mittelmeer, in 2017 waren es noch mehr als 3300. Allerdings weist die IOM darauf hin, dass nicht alle Unglücke bekannt werden und die wirkliche Zahl der Todesfälle deutlich höher liegen könnte.

Die Hauptherkunftsländer der in Südeuropa registrierten Migranten waren in 2018 vor allem die westafrikanischen Armutsländer Guinea, Mali und Elfenbeinküste; die Bürgerkriegs- und Krisenländer Syrien, Afghanistan und Irak; und die nordafrikanischen Staaten Marokko, Tunesien und Algerien.

Die Verlagerung der Migrationsroute Richtung Spanien ist nach Einschätzung der Experten eine Folge der Hindernisse auf dem Wasserweg zwischen Libyen und Italien: Die libysche Küstenwacht stoppt im EU-Auftrag immer mehr Migrantenschiffe. Nach IOM-Angaben brachte der libysche Grenzschutz im Jahr 2018 mehr als 15.000 Bootsinsassen nach Libyen zurück. Zudem schloss Italien seine Häfen für die Rettungsschiffe humanitärer Organisationen. Parallel gelang es der IOM, rund 16.000 Migranten aus Libyen in ihre Heimatländer zurückzufliegen.

Ein ähnliches Kooperationsabkommen wie mit Libyen strebt die EU nun mit Marokko an, das sich in den letzten Monaten zum Haupttransitland in Nordafrika entwickelte. Brüssel sagte Rabat bereits Millionengelder für die Aufrüstung der Küstenwacht und auch Wirtschaftshilfen zu. Als Gegenleistung soll Marokko seinen Kampf gegen die irreguläre Immigration Richtung Europa verstärken.

Nur mit dem Plan, Asylzentren in Nordafrika einzurichten, ist die Europäische Union in 2018 nicht weitergekommen. Alle nordafrikanischen Staaten von Marokko bis Ägypten sprachen sich gegen solche Zentren aus, in denen nach den EU-Plänen über Asylanträge entschieden werden soll. Ralph Schulze

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