Spanien Tourismus Statistik 2016

Spanien 2016: Tourismus boomt wie noch nie. Immer mehr ausländische Touristen kommen, vor allem Briten, Franzosen und Deutsche. (Bild: SpanienLive.com)

SPANIEN LIVE - 01.02.1017 - Alle wollen nach Spanien. Das südliche Königreich, das derzeit als sichere Urlaubsoase gilt, fährt immer neue Rekorde ein: Nahezu 76 Millionen ausländische Touristen kamen in 2016 in das EU-Land, teilte das nationale Statistikamt in Madrid mit. Der Zuwachs von mehr als zehn Prozent lässt die Kassen der Hoteliers klingeln. Der Spanienboom sorgt zugleich dafür, dass der Urlaub in Land der Sonne dieses Jahr deutlich teurer wird.

Von der Insel Mallorca, die vor allem in der deutschsprachigen Reisewelt beliebt ist, werden zweistellige Preissprünge gemeldet. Auf der Mittelmeerinsel wird es diesen Sommer wohl noch enger werden. Wer ein Bett haben will, sollte also früh buchen. Die Reisebranche berichtete dieser Tage, dass manche mallorquinischen Hotels in der Hochsaison schon ausverkauft seien. Die seit Juli 2016 erhobene Bettensteuer hat der Nachfrage offenbar nicht geschadet.

Spaniens populärste Urlaubsregion ist aber weiterhin das nordspanische Katalonien mit der Costa Brava, der Costa Dorada und Barcelona. Die kreative Mittelmeer-Metropole ist die meistbesuchte Stadt Spaniens und die dortige Basilika des Architekten Antoni Gaudí ist das meistbestaunte Bauwerk der Nation.

Nahezu ein Viertel aller internationalen Spanien-Touristen verbrachte in 2016 die Ferien in der Region Katalonien, die an Frankreich grenzt. Offenbar schreckt es die Urlauber nicht, dass sich diese politisch eigenwillige Region von Spanien abspalten will. Noch dieses Jahr - und ohne Erlaubnis der spanischen Zentralregierung - ist ein einseitiges Unabhängigkeitsreferendum plant.

Danach folgen in der Beliebtheitsskala der spanischen Reiseregionen die Kanarischen Inseln im Atlantik mit Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote. Die Kanaren mit einem ewigen Frühlingsklima gelten vor allem als Winterziel. Zu den drei Top-Reiseregionen Spaniens gehören auch die Balearischen Inseln mit Mallorca, Ibiza und Menorca im Mittelmeer, die im vergangenen Sommer aus allen Nähten platzten.

Mallorca behauptet sich dabei als meistbesuchte Urlaubsinsel Spaniens wie Europas. Knapp zehn Millionen ausländische Gäste verbrachten in 2016 ihre Ferien auf der Baleareninsel - ein zweistelliges Plus von fast elf Prozent. Die Deutschen fliegen besonders auf Mallorca und stellen mit 43 Prozent den größten Anteil am internationalen Urlauberheer auf dem Eiland.

Spanienweit sind aber die Briten mit 18 Millionen Besuchern die größte Urlaubergruppe unter der spanischen Sonne, gefolgt von Franzosen und Deutschen.

Spaniens boomender Tourismus ist in den letzten Jahren zum wichtigsten Standbein der Nation geworden und hat den vor zehn Jahren zusammengebrochenen Bausektor als Wirtschaftsmotor abgelöst. Mehr als elf Prozent des Bruttoinlandsproduktes wird inzwischen mit dem Urlaubsgeschäft erwirtschaftet – Tendenz steigend. Auch Spaniens schwieriger Jobmarkt, mit einer Arbeitslosenquote von 19 Prozent, verdankt seine größten Impulse dem Tourismus.

Die Abhängigkeit Spaniens vom Tourismus ist bereits so groß, dass Gabriel Escarrer, Chef der globalen mallorquinischen Hotelkette Meliá, vor der „Tourismusblase“ warnt. Eine Blase, die von der momentanen Schwäche konkurrierender Reiseländer wie Türkei, Tunesien, Ägypten oder auch Frankreich ernährt werde, weil dort nach den Terroranschlägen das Reisegeschäft gelitten habe. Vier bis fünf Millionen der Spanien-Besucher in 2016 seien „geliehene Touristen“, die von anderen Zielen, etwa in Nordafrika, umgebucht haben, schätzt Escarrer.

Der Hotelchef warnt, dass Spaniens Urlaubsbranche sich nicht auf den Tourismus-Rekorden ausruhen dürfe. Vielmehr müssten die aktuellen Gewinne in die Zukunft investiert werden, um attraktiver und vor allem nachhaltiger zu werden. „Las Land muss die Gelegenheit nutzen, um auf Qualität und eine andere Art von Tourismus zu setzen - unabhängig von Sonne und Strand.“ Wenn sich die anderen Reiseländer wieder erholten, müsse Spanien ohne „geliehene Touristen“ auf eigenen Beinen stehen und konkurrenzfähig sein.

Ohne diese dringenden Reformen, warnen Branchenexperten, könne Spaniens Tourismusblase - ähnlich wie jene des spanischen Immobilienmarktes - platzen und dem Land eine neue Wirtschaftskrise bescheren. Ralph Schulze