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Barcelona Probleme mit Tourismus

Zu viele Touristen? In vielen Altstadtgassen ist kaum noch ein Durchkommen. Die Bewohner sind verärgert. Und auch für die Urlauber ist das Geschiebe nicht immer das reine Vergnügen. (Symbolbild: SpanienLive.com)

SPANIEN LIVE - 25.11.2016 - Kein Ort in Spanien wird derart von Touristen überrannt wie die Stadt Barcelona. Mit der Folge, dass die Bewohner gegen die „Invasion“ zunehmend auf die Barrikaden gehen. Und Bürgermeisterin Ada Colau jetzt die Notbremse zieht: Colau verhängte ein Moratorium für neue Hotels und Touristenapartments, die sich in den letzten Jahren vervielfachten. Und sie verdonnerte Vermietungsplattformen wie Airbnb zu hohen Strafen, weil über die Portale auch illegale Wohnungen - ohne die notwendige Tourismuslizenz - vermarktet werden.

„Die Stimmung in der Stadt kippt um“, warnen Bewohner in Leserbriefen an die lokalen Zeitungen. „Das ist nicht mehr unser Barcelona.“ An Fenstern in der Altstadt hängen Transparente wie „Stoppt den Massentourismus“, „Nicht noch mehr Hotels“ oder „Der Tourismus tötet das Leben im Viertel“. Der Protest setzt sich fort auf vielen Hauswänden, die mit eindeutigen Sprüchen wie „Tourist, go home!“ verziert sind. Insofern ist auch das Ergebnis einer städtischen Umfrage zum Thema wenig überraschend: „Die Tourismusphobie in Barcelona nimmt zu“, lautet das Resümee.

Rund neun Millionen Urlauber übernachteten in 2015 in Hotels und offiziellen Ferienwohnungen. Etwa die gleiche Besucherzahl sei bei Familien, Freunden oder in illegalen Apartments untergekommen, schätzt das örtliche Fremdenverkehrsamt. Hinzu kamen etwa 12 Millionen Tagesgäste, die aus dem Umland oder von den 750 im Hafen gezählten Kreuzfahrtschiffen die Stadt eroberten. Insgesamt 30 Millionen City-Touristen - in einer Stadt mit 1,6 Millionen Einwohnern. Und es wird immer enger in der Stadt: Der Touristenstrom wächst in 2016 erneut um zehn Prozent.

Das ist für Bürgermeisterin Colau, welche mit ihrer linksalternativen Plattform „Barcelona vereint“ seit Juni 2015 in der Stadt regiert, eindeutig zu viel. Man müsse den Besucherstrom, der sich durch die Gassen wälzt, jetzt erst einmal in geordnete Bahnen lenken, bevor man immer mehr Urlauber anlocke. „Der unkontrolliert wachsende Tourismus hat große Ungleichgewichte geschaffen.“ Die Auswüchse dürften nicht länger „zur Verdrängung der einheimischen Bevölkerung“ führen. Colau verspricht den Bewohnern: „Wir werden euch eure Stadt zurückgeben.“

Viele Einwohner kämpfen derweil in einer Bürgerinitiative, die sich „für einen nachhaltigen Tourismus“ einsetzt: Die Einheimischen beklagen, dass wegen des Besucherbooms Mieten und Immobilienpreise explodieren. Und immer mehr Hotels und Touristenapartments ihre sozialen Strukturen im Viertel kaputtmachen. „Deswegen haben wir beschlossen, uns zu organisieren und zu sagen: Basta!“ In einigen Gebieten im historischen Zentrum gebe es inzwischen mehr Touristenbetten als einheimische Bewohner.

„Die Geschäfte, in welchen die Bewohner bisher einkaufen gingen, machen zu“, klagt ein Sprecher der Bürgerbewegung. Stattdessen schießen Souvenirshops und Schnellrestaurants aus dem Boden. Die Altstadt gleiche immer mehr einem Vergnügungspark. „Dort, wo sich der Tourismus breitmacht, verschwinden alle anderen Sektoren.“ Die Rambla, die beliebte Flaniermeile der Stadt, habe sich in einen Touristenbasar verwandelt, wo man heute von Urlaubermassen und von den bei den Fremden populären Segways buchstäblich überrollt werde.

Barcelonas Bürgermeisterin Colau warnt davor, dass der Besuchermagnet Barcelona wie das gewaltig boomende Tourismusland Spanien am eigenen Erfolg zugrunde gehen könnten. „Wir haben uns als eines der weltweiten Topreiseziele konsolidiert“, sagt sie. „Doch unkontrolliertes Wachstum könnte die Blase auch zum Platzen bringen.“ Ralph Schulze

 

BARCELONAS KAMPF GEGEN AIRBNB UND ILLEGALE VERMIETUNGEN

Mit Touristenwohnungen, die kommerziell und tageweise vermietet werden, lässt sich in Barcelona sehr viel mehr Geld verdienen als mit der normalen Langzeitvermietung. Immobilienspekulation und Mietpreiswucher sorgen dafür, dass immer mehr Einheimische wegziehen müssen.

„Wir wollen keine Touristenapartments“, prangt auf Transparenten, die in Barcelonas Altstadt hängen. Und: „Urlauber, bleibt in den Hotels. Die Apartments sind zum Wohnen gedacht.“ Bürgermeisterin Ada Colau warnt schon davor, dass die Millionenstadt „in Gefahr läuft, in einer neuen Immobilienblase zu versinken“.

Nun machte Colau einen Aufsehen erregenden Schritt, um die unerwünschte Entwicklung in den Griff zu bekommen: Sie bestrafte die großen Vermietungsplattformen Airbnb und Homeaway mit jeweils 600.000 Euro, weil diese Portale nach Erkenntnis des Rathauses auch viele illegale Touristenwohnungen vermarkten.

Mit dieser Kriegserklärung wird Barcelona zum europäischen Vorreiter im Kampf gegen den Wildwuchs von Vermietungsgeschäften via Internet. Airbnb wie Homeaway wollen aber die Sanktionen anfechten, weil aus ihrer Sicht die Privatanbieter für die Erfüllung aller Normen verantwortlich sind.

Laut örtlichem Gesetz müssen alle Apartments, die nicht nur gelegentlich an Touristen vermietet werden, angemeldet werden. Dies geht aber nur, wenn bestimmte Qualitätsstandards und Reklamationsrechte garantiert werden. Wohnungsbesitzer, die illegal vermieten, müssen mit Strafen von 30.000 Euro rechnen. Nach Angaben der Stadtverwaltung Barcelonas wurden bisher bei Inspektionen im Internet alleine bei Airbnb und Homeaway rund 5500 illegale Touristenabsteigen entdeckt.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass hier tausende Wohnungen ohne Erlaubnis angeboten werden und dafür auch keine Steuern gezahlt werden“, wetterte Colau. Bereits im Sommer waren die Vermittlungsplattformen verwarnt worden. Nachdem sich nach Meinung der lokalen Behörden nicht viel an den Praktiken änderte, machte Colau nun ernst mit ihrer Strafankündigung und verhängte empfindliche Sanktionen.

Per Medienkampagnen, sozialen Netzwerken und Rundbriefen werden inzwischen auch die Einheimischen aufgefordert, nicht registrierte Touristenwohnungen bei den Behörden anzuzeigen. Den Touristen wird derweil vom Rathaus empfohlen: „Überprüfen Sie bitte vor dem Buchen einer Ferienwohnung, ob sie legal ist oder nicht. Sehen Sie gegebenenfalls von einer Buchung ab, um den Missbrauch zu bekämpfen.“ red

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