Mallorca Stierkampf

Sieg für die Stiere auf Mallorca: Palma erklärte sich zur stierkampf-freien Stadt. Bald sollen Stierkämpfe auf ganz Mallorca verboten werden. (Bild: Mallorca Sin Sangre)

SPANIEN LIVE - 30.07.2015 -  „Wir wollen kein Mallorca mit Blut“, riefen Demonstranten in roten T-Shirts im Rathaus von Palma de Mallorca. Im Saal des Stadtparlamentes hielten die Tierschützer Schilder gegen die „grausame Quälerei“ hoch. Ihr Protest wurde erhört: Die politische Mehrheit in der Stadtvertretung erklärte Palma nun zur „stierkampf-freien Zone“.

Der Beschluss in der mallorquinischen Hauptstadt, wo ein Mitte-links-Bündnis aus Sozialdemokraten, der regionalen Partei Més und der linksalternativen Protestbewegung Podemos das Sagen hat, ist zunächst symbolisch. Denn nur die Regionalregierung der Balearen-Inseln, zu denen die Urlaubsoasen Mallorca und Ibiza gehören, kann ein gesetzliches Verbot aussprechen. Doch dieses scheint, so wie die politischen Verhältnisse stehen, nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Ohnehin finden im „Coliseo“, wie die 12.000 Zuschauer fassende Arena Palmas heißt, nur noch wenige Stierkämpfe statt, die von einem privaten Veranstalter organisiert werden. Diesen Sommer wird am 6. August wieder Stierblut in den Sand fließen: Drei Toreros werden dann am Abend mit ihren Degen insgesamt sechs Kampfbullen töten. Eintrittskarten kosten zwischen 40 und 120 Euro.

Doch die Tierschützer, die dann vor der Arena demonstrieren wollen, sind überzeugt, dass es das letzte blutige Todesspektakel im „Coliseo“ sein wird: „Dies ist der Anfang vom Ende des Stierkampfes auf den Balearen-Inseln. Die Erklärung Palmas ist der erste Schritt zur totalen Abschaffung“, sagt Guillermo Amengual, Sprecher der Bürgerinitiative „Mallorca ohne Blut“.

Der zweite Schritt soll nach dem Sommer gemacht werden: Die Stierkampfgegner haben mehr als 130.000 Unterschriften gesammelt, mit denen sie per Volksbegehren ein inselweites Verbot im Balearen-Parlament durchsetzen wollen.

„Wir bitten die Abgeordneten, dass sie aus unseren Inseln einen friedlicheren Ort machen. Und dass sie die grausamen Stierkämpfe untersagen, welche brutale Spektakel sind“, heißt es in der Petition. Da, wie in der Stadtvertretung Palmas, auch im Regionalparlament eine Mitte-links-Mehrheit die Macht hat, dürfte der Bürgerantrag auf offene Ohren stoßen.

Der Stierkampf ist auf den Balearen-Inseln Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera freilich schon länger auf dem Rückzug. Nur auf Mallorca werden noch Stiere getötet. Stierkämpfe werden in Palma sowie in den Orten Muro, Alcúdia und Inca veranstaltet. Aber aus Solidarität haben sich neben Palma bereits 19 weitere Mallorca-Gemeinden zu stierkampf-freien Gebieten erklärt.

Palmas Entscheidung gilt ganz nebenbei als ein Signal in ganz Spanien, wo nach einem politischen Windwechsel immer öfter Stierkämpfe verbannt werden. Etwa in der südspanischen Kleinstadt Níjar, im Mittelmeer-Ort Gandía oder in der Atantik-Hafenstadt A Coruña. In den Regionen Katalonien und auf den Kanarischen Inseln sind diese umstrittenen Kämpfe bereits länger verboten. Im ganzen Land geht die Zahl der „corridas“ zurück und hat sich in den letzten zehn Jahren auf knapp 1900 Stierkampf-Veranstaltungen reduziert. 

Auch die bisher üblichen öffentlichen Subventionen werden zunehmend gestrichen wie zum Beispiel in der Costa-Blanca-Stadt Valencia. Oder im zentralspanischen 5000-Seelen-Ort Villafranco de los Caballeros, wo der sozialdemokratische Bürgermeister Julián Bolaños erklärte: „Hier leben Menschen, die sich nicht einmal das Notwendigste kaufen können.“ Er wolle daher mit dem eingesparten Geld lieber soziale Hilfen und Schulbücher finanzieren. Ralph Schulze

Pin It
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste.
Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.