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Steuerbetrug

Bei Messi geht es nicht nur um ein paar Euro, sondern um Millionen, die er hinterzogen haben soll. (Bild: ze)

SPANIEN LIVE - 21.06.2013 - Langsam aber sicher wird es für den argentinischen Weltfußballer Lionel Messi ungemütlich in Spanien. Schon seit Wochen durchleuchten spanische Steuerfahnder seine Vermögensverhältnisse. Weil sie den Verdacht haben, dass der Stürmerstar des aktuellen spanischen Meisters FC Barcelona Einnahmen in Millionenhöhe am Fiskus vorbeischleuste. Damit befindet er sich in der schlechten Gesellschaft weiterer mutmaßlicher prominenter Steuerschummler, denen Spanien den Kampf ansagte.

Nun erhöhte die Finanzpolizei sogar den Druck auf Messi: Eine Untersuchungsrichterin in der nordspanischen Kleinstadt Gavá (Provinz Barcelona), wo der Fußballer wohnt, eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen Messi und seinen Vater Jorge Horacio. Die Staatsanwaltschaft präsentierte so reichhaltiges Untersuchungsmaterial, dass die Richterin die beiden ganz offiziell des Steuerbetrugs beschuldigte. Der Vater, welcher sich als Manager um die geschäftlichen Dinge kümmert, und der Sohn wurden zum Verhör vorgeladen.

Millioneneinkünfte verschwiegen? – Ermittler vermuten, dass Messis Vater eine „Strategie“ zur Steuerhinterziehung entwickelte

Im Mittelpunkt stehen millionenschwere Einnahmen aus Bild- und Werberechten der Jahre 2007, 2008 und 2009 in Höhe von rund zehn Millionen Euro, welche dem Finanzamt verschwiegen worden sein sollen. Dabei soll sich Messi mehrerer Scheinfirmen bedient haben, über welche diese Einkünfte in Finanzparadiese - zum Beispiel nach Belize und in die Schweiz - geleitet und dort verborgen wurden. Ein „Steuersparmodell“, das auch andere wohlhabende Promis in Spanien gerne nutzen.

Im Falle Messis seien dem spanischen Fiskus nach derzeitigem Stand mindestens vier Millionen Euro an Steuern entgangen, heißt es vorsichtig. Aber der Schaden für die Staatskasse könnte noch größer werden. Wenn in Spanien mehr als 120.000 Euro an Steuern hinterzogen werden, gilt dies als strafrechtliches Delikt, das mit Gefängnis geahndet werden kann. Auch wenn in der Praxis prominente Steuerbetrüger in Spanien eher selten hinter Gittern landen.

Die Untersuchungsrichterin beschuldigt Messis Vater, schon im Jahr 2005 die „Initiative zum Betrug“  ergriffen und eine „Strategie“ zur Steuerhinterziehung entwickelt zu haben. Damals war Messi, der in diesen Tagen 26 wird, noch keine 18 Jahre alt. Später habe der Barça-Stürmer aber diese „Inszenierung“ ausdrücklich „geduldet“ und „gebilligt“.

Der Weltfußballer beteuert seine Unschuld – „Immer alle Steuerpflichten erfüllt“ – Auch andere Prominente in Spanien gehen mit schlechtem Beispiel voran

Dem Vernehmen nach weitete die Steuerfahndung die Ermittlungen gegen Messi inzwischen aus und nimmt nun auch die Steuerjahre 2010-2012 des Argentiniers unter die Lupe. Messis Bruttoeinnahmen aus Gehalt, Bildrechten und Werbung werden derzeit auf etwa 31 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.

Fußballgott Messi, der sich inzwischen einen prominenten Rechtsanwalt zur Verteidigung nahm, beteuerte in einem Kommuniqué, dass er unschuldig sei. „Wir haben noch nie ein Vergehen begangen.“ Er habe „immer alle Steuerpflichten erfüllt - den Ratschlägen unserer Steuerberater folgend“.

Lionel Messi ist übrigens nicht der erste Sportler, der in Spanien Ärger mit dem Finanzamt bekommt. Auch Tennisstar Rafa Nadal musste Millionen an Steuern nachzahlen, weil der gebürtige Mallorquiner seinen Wohnort „steuersparsam“ ins nordspanische Baskenland verlegt hatte, das mit Finanzvorteilen lockt.

Genauso wie Spaniens Formel-1-Pilot Fernando Alonso, der steuerlich vorübergehend in die Schweiz umzog. Aber nach öffentlichem Druck seinen Steuerpflichten wieder in der spanischen Heimat nachkommen musste.

Steuerschummelei gilt in Spanien immer noch als eine Art Kavaliersdelikt, was sich auch darin spiegelt, dass derzeit Ermittlungsverfahren wegen Betrugs gegen Dutzende prominente Spanier laufen, die damit alles andere als vorbildlich gelten. So stehen beispielsweise Spaniens früherer Chef des Arbeitgeberverbandes, namhafte Politiker und sogar Mitglieder des spanischen Könighauses unter Verdacht.

Wie weit verbreitet die steuerliche Unehrlichkeit ist, kann man auch aus der Stärke der spanischen Schattenwirtschaft ersehen, welche dem hoch verschuldeten südeuropäischen Krisenstaat großen Schaden zufügt: Die Schwarzarbeit und der in Spanien beliebte Handel „ohne Rechnung“ sollen annähernd ein Viertel des offiziellen spanischen Bruttoinlandsproduktes ausmachen. Ralph Schulze

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