Botin-Chef_Jose_Gonzalez

Herr der Spanferkel: Der Chef des uralten Lokals „Botin“, Jose Gonzalez. (Bild: spb)

SPANIEN LIVE - 09.10.2012 - Ganz in der Nähe des Platzes „Plaza Mayor“ im Zentrum der spanischen Hauptstadt Madrid liegt das „Sobrino de Botin“. Ein gehobenes Lokal, spanisch-rustikal, das auf vier Etagen seine Gäste bewirtet. Zur Ausstattung des Restaurants zählt neben der in Spanien obligatorischen Schinkenkeule an der Bar und ausladenden Kronleuchtern an der Decke vor allem sein offizieller Titel: Das „Sobrino de Botin“ ist das älteste Restaurant der Welt.

Spaniens König Juan Carlos, Hollywood-Schauspieler und Spitzenpolitiker speisten schon im „Botin“, das bereits seit 1987 im Guinness-Buch der Rekorde als „ältestes“ Gasthaus der Erde firmiert. Vor fast 30 Jahren hatte der heutige Besitzer Jose Gonzalez, zusammen mit Bruder Antonio, das Restaurant vom Vater übernommen. „Wir hatten wirklich nicht mit der Auszeichnung gerechnet“, erinnert sich Jose Gonzalez. „Wir dachten, das älteste Restaurant der Welt befinde sich eher in Mitteleuropa – vielleicht in Deutschland oder Frankreich.“

 Ein Speiselokal mit 300-jähriger Geschichte - Berühmt ist das Spanferkel aus dem Holzkohleofen

Die strengen Regeln der Rekordsammler spielten dem Lokal in die Hände: Laut der Guinness-Normen durfte das älteste Restaurant der Welt nie umgezogen und auch nie zwischenzeitig geschlossen worden sein. Auch alle Lokale, die im Laufe der Jahrhunderte ihren Namen änderten, wurden als Rekordhalter ausgeschlossen. So blieb nur das ehrwürdige Gasthaus in Madrid als Titelkandidat. Den kleinen Schönheitsfehler, dass das Restaurant als „Botin“ eröffnet und später in „Sobrino de Botin“ umbenannt wurde, tolerierten die Guinness-Prüfer.

Die mittlerweile fast 300-jährige Geschichte des Lokals beginnt 1725: Der Franzose Jean Botin und seine Frau Margarita Bejos eröffnen die Wirtschaft unter dem Namen „Botin“. Nach dem Tod des Ehepaares führt der Neffe des Besitzers das Restaurant und nennt es nun „Sobrino de Botin“ (Neffe von Botin). Nachdem es über Generationen in Familienbesitz bleibt, übernimmt vor etwa 100 Jahren der Großvater des heutigen Besitzers den Speisesaal.

 Viele Prominente speisten schon im „Sobrino de Botin“ – Hemingway verewigte das Restaurant in seinem Spanien-Roman „Fiesta“

Neben der traditionellen Knoblauchsuppe und dem Lammbraten ist die Küche des „Botin“ vor allem für eine Spezialität bekannt: Spanferkel. Neben den Zutaten Zwiebeln, Knoblauch, Paprikapulver und Lorbeer verleiht ein Schuss Weißwein mit Estragon-Aroma dem Gericht eine besondere Note. „Der saftige Geschmack kommt vom Fett des Tieres“, sagt Restaurant-Chef Gonzalez, der seine Spanferkel im uralten und mit Kacheln verzierten Holzkohleofen von 1725 brät.

Die Mischung gastronomischer Einflüsse aus ganz Spanien und die jahrhundertealte Tradition des „Sobrino de Botin“ haben im Laufe der Zeit viele Prominente angelockt. An einer Wand hängt ein Dankesschreiben der früheren amerikanischen First Lady Nancy Reagan, die hier 1985 mit Spaniens Königin Sofia speiste.

Auch der amerikanische Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway gehörte zu den Gästen. Seine Vorliebe für das „Botin“ hat er sogar in einem seiner Werke verewigt: So lobt der bekennende Spanien- und Stierkampffan das Lokal in seinem weltberühmten Roman „Fiesta“ als „eines der besten Restaurants der Welt“. Simon P. Balzert

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