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san sebastian viel kulturSan Sebastián, die berühmte baskische Küstenstadt, lockt mit viel Kultur, Charme und Pintxos. (Bild: tur) 

SPANIEN LIVE - 29.12.2015 - Den schönsten ersten Eindruck von San Sebastián bekommt man von oben: Wer mit der alten, ächzenden Zahnrad-Bergbahn auf den 200 Meter hohen Stadtberg Igeldo fährt, kann die ganze Pracht dieser alten baskischen Küstenstadt und neuen Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2016 bewundern. Und zudem weit auf das zum Atlantik gehörende Kantabrische Meer hinausschauen, das wegen seiner starken Stürme und seiner hohen Wellen bei Seemännern gefürchtet ist.

Im Vordergrund streckt sich zwei Kilometer lang die attraktive muschelförmige Bucht San Sebastiáns. Mit ihren Sandstränden, dem Hafen, der verwunschenen Insel Santa Clara und der langen Promenade, an der die teuersten Bürgerhäuser liegen. Dahinter die verwinkelte Altstadt mit der weltberühmten Gastronomie, welche die Stadt mit ihren 16 Michelin-Sternen zur heimlichen Gourmet-Metropole Europas macht. Viel Charme, hoher Genuss – deswegen wird San Sebastián auch „die Perle des Kantabrischen Meeres“ genannt.

Am Fuß des Igeldo-Berges, gleich an den Klippen, liegt ein weiterer magischer Anziehungspunkt: Die faszinierende Skulpturengruppe „Windkamm“ des internationalen Künstlers Eduardo Chillida, der seine Heimatstadt mit zahlreichen grandiosen Werken schmückte. Die stählerne Installation ist das bekannteste Kunstwerk und Wahrzeichen der Stadt und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten San Sebastiáns. Es gibt keinen schöneren Ort als die Umgebung dieses „Windkammes“, um das Meer zu beobachten, dessen Wellen an stürmischen Tagen Chillidas Meisterwerk zu verschlingen drohen.

Der Atlantik vor der Tür inspirierte auch den Leitspruch dieser Kulturhauptstadt 2016: „Wellen der Energie“, heißt das Motto. Und sie sollen in den nächsten Monaten die Stadt mit den knapp 200.000 Einwohnern vibrieren lassen. Eine Stadt, die übrigens Jahrzehnte unter Anschlägen der baskischen Terrorgruppe ETA litt und sich nach Frieden sehnt. Und die nun die geballte Macht der Kultur als Waffe benutzt, „um die Gewalt zu überwinden“.

Die Chancen dafür stehen gut. Denn auch die ETA, die mit Bombenterror die Unabhängigkeit des Baskenlandes erzwingen wollte, hat einen ermutigenden Schritt gemacht und „das Ende der bewaffneten Aktivität“ verkündet. Deswegen gibt es begründete Hoffnung, dass die Zeiten des Horrors und der Unsicherheit vorbei sind, auch wenn das Misstrauen noch spürbar ist.

Die Überwindung der Angst war eines der Motive, die San Sebastián zur Bewerbung als Kulturhauptstadt bewogen. „Die Stadt brauchte etwas, um das Trauma zu überwinden“, sagt Pablo Berástegui, Direktor dieses einjährigen Kulturmarathons.

In 2016 wird diese Stadt, die sich mit ihren internationalen Film- und Musikfestivals ohnehin schon zum urbanen Kulturzentrum mauserte, mit noch mehr künstlerischen Events aufwarten. Mehr als 100 Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführungen und Musicals sollen als kulturelle Friedenswerkzeuge zum Wandel der Gesellschaft beitragen. Damit die Besucher nicht die Übersicht verlieren, wurde das Programm, das auf der Internetseite www.dss2016.eu abrufbar ist, in „Themenleuchttürme“ eingeteilt. Leuchttürme, welche zum Beispiel den Weg zu den Inhalten „Frieden“ oder „Leben“ weisen.

Zu den Kulturschätzen gehört zweifellos auch die hier gepflegte Kochkultur, die sinnliche Genüsse ganz eigener Art ermöglicht. Gleich drei Restaurants im Einzugsgebiet San Sebastiáns haben sich jeweils drei Michelin-Sterne erkocht. Die Künste der Küchenchefs Juan Mari Arzak, Martín Berasategui und Pedro Subijana locken Feinschmecker aus der ganzen Welt in diese baskische Stadt. Die sich zu Recht Spaniens Gourmet-Hochburg nennen darf, denn drei der insgesamt acht spanischen Drei-Sterne-Tempel warten hier.

Es ist daher keine Übertreibung zu behaupten, dass die baskische Küche die beste des ganzen spanischen Königreichs ist. Viel fangfrischer Fisch, viel Marktgemüse und viel Kreativität: Das sind hier die wichtigsten Zutaten. Austernomelette, Seehecht mit Schinkenpulver oder Ananas mit Algen – einige der berühmten Kreationen aus der Zauberküche von Arzak, der so etwas wie Spaniens Kochpapst ist und bei dem man monatelang im Voraus einen Tisch reservieren muss.

Aber auch wer nicht gleich 200 Euro für ein Mahl bei Arzak oder seinen prominenten Kochkollegen hinlegen will, kann in San Sebastián königlich speisen. Zum Beispiel in einer der vielen erschwinglichen „Pintxo“-Bars in der Altstadt. Das baskische Wort „Pintxos“ bezeichnet kleine Leckereien, wie etwa Garnelen, Tintenfisch, Pasteten und andere Gaumenkreationen, die auf einem Stückchen Weißbrot serviert werden.

„Haute Cuisine im Mini-Format”, nennt Arzak diese baskische Esskultur. Zu den „Pintxos“ wird gerne der baskische Sidra, ein Apfelwein, getrunken. Und vielleicht schafft man es nach einem großen Schluck Sidra dann auch, ein paar dieser schwierigen baskischen Wörter zu lernen. Zum Beispiel „Kaixo!“ (Hallo) oder „Eskerrik asko!“ (Danke).

Die baskische Küchenzauberei zog übrigens vor allem in früheren Jahrhunderten Spaniens Könige und andere adelige Bürger an, die vorzugsweise im Sommer in diese einzigartige Küstenstadt kamen. Auch weil die dortige Seeluft den Ruf hatte, nicht nur der Seele, sondern auch der erkrankten Haut gut zu tun. Die vielen Paläste der Stadt zeugen bis heute davon, dass man in San Sebastián auf großem Fuß lebte.

Heute kommen im Sommer hunderttausende Touristen, um sich an einem der schönsten Stadtstrände Europas zu erholen. Im Herbst nimmt dann eine Heerschar von Surfern San Sebastián ein. Weil sich weltweit herumgesprochen hat, dass die Wellen des Meeres und die kulturelle Energie der Stadt ganz besondere Wohlgefühle vermitteln. Ralph Schulze

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