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Rio-Oase mitten in Madrid: Oben Fußgänger und Fahrradfahrer, unten drunter im Tunnel fahren die Autos. (Bild: ay)

SPANIEN LIVE - 07.05.2012 - Durch London fließt die Themse, durch Paris die Seine - und durch Madrid? Wem die Antwort nicht sofort einfällt, der ist damit nicht allein. Bislang gab es auch keinen Grund, den Namen des Flusses zu kennen, der durch die spanische Hauptstadt fließt. Jahrzehntelang wurde der Manzanares, so heißt er, ziemlich stiefmütterlich behandelt.

Seit den 70er Jahren führte rechts und links vom Fluss der Autobahnring namens „M-30“ entlang. Bis der Stadtrat ein Entwicklungsprojekt der Superlative absegnete: Der Autobahnring sollte kilometerlang unter die Erde verlegt werden und Platz machen für einen gigantischen neuen Ufer-Stadtpark unterhalb des Königspalastes und der Madrider Kathedrale.

Leidvoller Weg zum grünen Paradies:  Es gab gigantische Staus, eine riesige Baustelle und geharnischte Anwohnerproteste

Die Untertunnelung begann 2003 und bescherte der Stadt gigantische Staus, eine riesige Baustelle und geharnischte Anwohnerproteste. Mehr als vier Milliarden Euro kostete das Parkprojekt, das sich zehn Kilometer lang am Fluss entlangzieht.  Dimensionen und Investitionen, die nach Ausbruch der spanischen Immobilien- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 undenkbar gewesen wären. Die Stadt sitzt nun aber auch auf einem Schuldenberg, den Madrids Steuerzahler noch jahrelang abtragen müssen.

Doch der Kraftakt hat sich gelohnt:  Inzwischen ist die neue grüne Lunge am Fluss eröffnet, der Park mit dem Namen „Madrid Río“ (Río heißt Fluss) lockt die Madrilenen in Scharen an. „Das Tolle an Madrid Río ist, dass der Park mitten im Zentrum liegt, man aber von der Großstadthektik total abgetrennt ist. Du merkst gar nicht, dass du in Madrid bist“, freut sich Conchy Frías. Die 29 Jahre alte Madrilenin kommt mit ihrem Labrador Ombu oft zum Spazieren an Madrids neue grüne Flussmeile. „Nachts ist es mit der tollen Beleuchtung besonders schön hier.“

Die Stadtarchitekten haben nicht gekleckert, sondern geklotzt: 8500 Parklaternen, 5500 Bänke und 33.000 Bäume

Für die nächtliche Beleuchtung sorgen mehr als 8500 Lampen und Laternen. Mehr als 5500 Bänke an Wegen und Promenaden bieten Einheimischen und Touristen Sitzgelegenheit. Insgesamt verbinden 33 Brücken beide Flussufer, an denen 33.000 Bäume gepflanzt wurden. Jede Menge Sport- und Freizeitanlagen laden ein.

Bis Labrador Ombu alle Bäume als sein Revier markiert hat, wird es wohl noch eine Weile dauern. Deutlich schneller kann man den ganzen Riesenpark auf dem Fahrrad oder sogar mit Inline-Skatern durchqueren. „In Madrid gibt es ja kaum Radwege und Inliner-Zonen, da ist der Park hier etwas ganz Besonderes“, lobt Roberto Lagonell. „Heute ist dies hier einer meiner Lieblingsplätze in Madrid“, sagt der 24-Jährige.

Die Anwohner wurden für ihre Geduld belohnt: Jetzt wohnen sie an einer Oase und die Wohnungspreise in der Umgebung steigen

Schon von Weitem ist die Fußgängerbrücke des französischen Stararchitekten Dominique Perrault sichtbar. Am „Strand“ der Hauptstadt, der „Playa de Madrid“, spielen im Sonnenschein Dutzende Kinder in einer mit Springbrunnen übersäten Wasser-Planschzone - auch wenn die Bezeichnung „Strand“ dafür leicht übertrieben ist und wohl darauf zurückzuführen ist, dass die spanische Hauptstadt im ewigen Wettkampf mit der Küstenstadt Barcelona nun auch behaupten kann, eine Playa zu haben.

Sogar die Anwohner des Manzanares sind begeistert über ihre neue grüne Landschaft vor der Haustür: Jahrzehntelang lebten sie mit Verkehrslärm und Abgasen, es folgten harte Jahre an der größten innerstädtischen Baustelle Spaniens, und heute wohnen sie an einer Flussoase. Die Wohnungspreise der Immobilien am  Manzanares-Fluss sind dementsprechend in die Höhe geschossen. Wer einmal aus dem Fenster auf das prachtvolle „Madrid Río“ hinabgeblickt hat, weiß warum. Simon P. Balzert

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