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Terror Barcelona Steigt das Risiko fuer Urlauber

Nach dem Terroranschlag auf der Rambla in Barcelona: Viele Menschen zündeten Kerzen an oder legten Blumen und Botschaften am Terrorort nieder. (Bild: cr)

SPANIEN LIVE – 22.08.2017 – Nach den Terroranschlägen in der nordspanischen Stadt Barcelona und im Ferienort Cambrils am 17. und 18. August 2017 werden im ganzen Land die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt: Spaniens Innenminister Juan Ignacio Zoido kündigte an, dass touristische Hochburgen und andere Orte, an denen sich viele Menschen aufhalten, noch besser geschützt werden sollen. Die Sicherheitskräfte werden an „sensiblen Orten“ präsenter sein als bisher, sagte Zoido.

Auf der Ferieninsel Mallorca wie auch in anderen Ferienbastionen an der Mittelmeerküste oder in der Hauptstadt Madrid war die Aufrüstung schon sichtbar: Arbeiter begannen damit, an Plätzen und auf Fußgängerzonen weitere bauliche Anti-Terror-Sperren zu installieren. Damit soll verhindert werden, dass Terroristen wie in Barcelona mit einem Fahrzeug in die Menge fahren. Zunächst wurden vor allem schwere Blumenkübel und Betonblöcke aufgestellt.

Auch auf Mallorcas bekanntester Urlaubsmeile, der Playa de Palma, wo sich derzeit zehntausende Feriengäste aufhalten, soll die Sicherheit verbessert werden, kündigte eine Regierungssprecherin an. Erst Ende Juni war auch auf der Ferieninsel eine islamistische Terrorzelle zerschlagen worden, die nach Angaben der Ermittler bereits Attentatspläne ausbrütete.

Der mallorquinischen Behörden riefen jedoch die Bevölkerung und die Feriengäste zu „Ruhe und Besonnenheit“ auf. Auch der Bürgermeister der Inselhauptstadt Palma, Antoni Noguera, warnte vor Panikmache.

Spaniens Innenminister Zoido sagte, man werde alles tun, um die Sicherheit der Millionen von Urlaubern, die sich derzeit im Land aufhalten, zu garantieren: Ein „Null-Risiko“ gebe es zwar nicht. Aber man habe derzeit keine konkreten Erkenntnisse, die auf weitere Anschläge im Land hinweisen. Deswegen sehe man derzeit auch keinen Anlass, den nationalen Terroralarm von derzeit Stufe vier auf die maximale Alarmstufe fünf zu erhöhen.

Die aktuelle Stufe vier signalisiert, dass es ganz allgemein ein „erhebliches Risiko eines terroristischen Anschlags“ gibt – so wie im Prinzip in ganz Europa. Die Stufe fünf würde ausgerufen, wenn man befürchtet, dass ein Terrorangriff „unmittelbar bevorsteht“. Zoido stellte jedoch klar: „Diese Situation liegt nicht vor.“ Bei der maximalen Warnstufe wird neben der Polizei die Armee zur Unterstützung mobilisiert, um strategische Orte und belebte Plätze abzusichern.

Spanien erlebt derzeit einen historischen Tourismusboom, den es auch der Tatsache verdankte, dass das südeuropäische Land in den letzten Jahren als sicheres Urlaubsziel galt. Dabei profitierte das spanische Königreich von jenen Erholungssuchenden, die Krisenländern wie Türkei, Ägypten oder Tunesien den Rücken kehrten. Nun, nach dem Doppelanschlag in Barcelona und Cambrils, wächst die Sorge, dass Spanien einen Einbruch in seinem wichtigsten Wirtschaftszweig erleben könnte.

Doch bisher sieht es nicht nach einem größeren Trendwechsel aus. Die Reiseindustrie berichtet zwar über vereinzelte Stornierungen, vor allem aus Barcelona, wo am Wochenende nach dem Terror einige gebuchte Zimmer leer blieben. Aber Absagen im größeren Stil scheint es bisher nicht zu geben. Der Vizechef des spanischen Branchenverbandes Exceltur, José Luis Zoreda, glaubt auch nicht, dass sich der Terrorschlag auf Spaniens gutes Image auswirken werde. Die Menschen könnten in Spaniens Sicherheitskräfte vertrauen, meint er.

Ein Sprecher des spanischen Reisebüroverbandes CEAV äußert sich noch aus einem anderen Grund optimistisch. Die meisten Besucher Barcelonas seien Europäer, meint er. Und diese seien leider inzwischen schon an Terrornachrichten aus europäischen Städten wie Paris, Brüssel, London, Berlin, Nizza oder Manchester gewöhnt.

„Das ist ein Risiko, mit dem wir seit einigen Jahren Leben müssen“, meint der Reiseexperte. Und aus diesem Grund, werde durch den jüngsten Terror weder der Tourismus in Barcelona, noch in Spanien und auch nicht in anderen europäischen Urlaubshochburgen nennenswert einbrechen.

Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel glaubt ebenfalls nicht, dass sich das Risiko in Spanien nach der Terrorserie in Katalonien erhöhte: „Wir sind ganz sicher, dass Spanien nach wie vor ein Reiseland ist, bei dem wir keinerlei Warnungen aussprechen müssen.“ Trotzdem müsse allen Reisenden klar sein: „Es gibt keine absolute Sicherheit.“

Aber immerhin konnten Spanien und ganz Europa vier Tage nach der Terrorserie in Barcelona und Cambrils erst einmal aufatmen. Die spanische Polizei konnte die zwölfköpfige Terrorzelle komplett zerschlagen. Acht Terroristen waren erschossen worden oder in ihrer explodierten Bombenwerkstatt umgekommen, vier waren festgenommen worden.

Der Terror begann am 17. August. Am Nachmittag, gegen 16.50 Uhr, hatte ein Terrorist auf Barcelonas Flaniermeile La Rambla mit einem weißen Lieferwagen mehr als 100 Menschen überrollt. Er lenkte seinen weißen Lieferwagen auf die berühmte Rambla und raste in Schlangenlinien rund 600 Meter über die belebte Fußgängerzone. Bei der Terrorfahrt waren 13 Menschen getötet und 120 verletzt worden. Die meisten Opfer waren ausländische Touristen.

Am frühen Morgen des 18. August war dann Teil zwei des Terrorplans angelaufen. Fünf Terroristen versuchten, mit ihrem Pkw bis zur Strandpromenade des Ferienortes Cambrils, rund 130 Kilometer südwestlich Barcelonas, zu gelangen. Sie wurden jedoch, nachdem sie mehrere Menschen überfahren hatten, von Polizisten gestoppt und erschossen. Bei dem Attentat in Cambrils waren eine Frau getötet und sechs Personen verletzt worden.

Ursprünglich hatte das Terrorkommando geplant, mehrere Autobomben zu präparieren und an touristischen Orten in Barcelona oder in anderen katalanischen Städten zu zünden. Doch dieser Plan scheiterte, weil am Abend des 16. August beim Hantieren mit den Sprengsätzen die Bombenwerkstatt in dem Ort Alcanar, rund 200 Kilometer südwestlich Barcelonas, in die Luft flog.

Alle Mitglieder der Terrorgruppe stammten aus dem Ort Ripoll, ein 10.000-Einwohner-Ort in den Vorpyrenäen in Katalonien. Als Kopf der Bande galt der 44-jährige Hassprediger Abdelbaki es Satty, der in der Bombenwerkstatt umkam. Er soll in dem Ort elf junge Männer nordafrikanischer Abstammung, mit marokkanischer und spanischer Staatsangehörigkeit, aufgehetzt und zu den Terroranschlägen angestiftet haben.

Der Terrorfahrer des Lieferwagens, der auf der Rambla in Barcelona viele Menschen überfahren hatte, war vier Tage nach der Tat von der Polizei gestellt und erschossen worden. Ralph Schulze