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Mallorca Terrorgefahr und Sicherheit

Terrorgefahr auf Mallorca? Auf der Ferieninsel wurde eine mutmaßliche islamistische Terrorzelle zerschlagen. Die Behörden beruhigen: Die Insel sei sicher. (Bild: Policia Nacional)

SPANIEN LIVE – 28.06.2017 – Die Urlaubsinsel Mallorca gilt seit Jahren als friedliche und sichere Urlaubsinsel. Nun störte die Nachricht von der Zerschlagung einer mutmaßlichen islamistischen Terrorzelle die Ruhe im Ferienparadies. Der spanische Innenminister Juan Ignacio Zoido teilte mit, dass vier Terrorverdächtige auf der Baleareninsel verhaftet worden seien. Die Festnahmen fanden in den Orten Inca, Ariany y Binissalem im Inselzentrum statt. Die Dschihadisten sind nach Angaben des Innenministers Anhänger der Terrororganisation IS, welche die Verantwortung für die meisten Terroranschläge der jüngeren Zeit in Europa übernommen hat.

Die Mallorca-Zelle habe in Verbindung zu zwei weiteren Islamisten in der deutschen Stadt Dortmund und im britischen Birmingham gestanden, die ebenfalls in einer koordinierten Aktion mit den dortigen Sicherheitskräften festgesetzt worden seien, berichtete Zoido.

Inzwischen wurde auch bekannt, dass wenigstens einer der auf Mallorca Festgenommenen Terrorpläne hatte. Er wollte offenbar auf dem Rathausplatz in Inca mit einem Messer wahllos Passanten angreifen. Der Terrorverdächtige habe „ein Gemetzel“ geplant gehabt, schreibt der Untersuchungsrichter in seinem Ermittlungsbericht.

Zudem soll sich die Fundamentalistengruppe der Terrorpropaganda, der Rekrutierung und der Ausbildung neuer gewaltbereiter Islamisten sowie der Finanzierung des IS-Krieges in Syrien gewidmet haben. „Die sechs Festgenommenen waren Teil eines internationalen Netzes, das Terroristen anwarb und indoktrinierte“, teilte Spaniens Innenminister mit.

Offenbar nicht ohne Erfolg: „Der Mallorca-Zelle war es zunehmend gelungen, die Zahl ihrer Anhänger zu vermehren“, hieß es aus Sicherheitskreisen. Und sie habe „wöchentlich geheime Treffen“ abgehalten. Die vier auf Mallorca festgenommenen Fundamentalisten, die anscheinend schon Jahre auf der Insel lebten und offenbar marokkanische Wurzeln haben, hätten sich völlig der Ideologie und den Anweisungen der IS unterworfen, die jüngsten Terroranschläge in Europa verherrlicht und sich darauf eingestimmt, in den „gewaltsamen Heiligen Krieg“ einzutreten.

Die Sprecherin der Sicherheitsbehörden auf den Balearischen Inseln, María Salom, rief die Bevölkerung und die Urlauber auf der Insel zur Ruhe auf. „Unsere Inseln sind sicher.“ Einwohner und Touristen könnten der Polizei vertrauen, „die Beamten machen ihre Arbeit“. Salom mahnte aber auch zur Wachsamkeit und sagte: „Heutzutage kann niemand behaupten, dass es das Risiko Null hinsichtlich von Attentaten gibt.“

Bereits im April 2016 war ein offenbar gewaltbereiter Islamist auf Mallorca, und zwar in der Inselhauptstadt Palma, verhaftet worden. Auch dieser Verdächtige marokkanischer Abstammung hatte sich der Terrorpropaganda gewidmet und zu Anschlägen aufgerufen. Der Mann sei bereit gewesen, „bei der Ausführung von terroristischen Aktionen auf spanischem Territorium und in anderen europäischen Ländern“ zu helfen, berichtete das Innenministerium damals.

Spaniens Sicherheitskräfte gelten als sehr effektiv bei der Observierung der radikalen Islamistenszene. Die Polizei hat sehr weitreichende Befugnisse für die Überwachung und Kontrolle von Telekommunikation und sozialen Netzwerken. Datenschutzdebatten gibt es praktisch nicht. Erst vor wenigen Tagen erläuterte Minister Zoido Spaniens Präventionsstrategie im Umgang mit islamistischen Fundamentalisten: „Die Sicherheitskräfte schreiten zur Verhaftung, bevor es zu Anschlägen kommen kann.“

Nach Angaben des spanischen Innenministeriums kamen die Fahnder den jüngsten Terror-Verdächtigen bereits vor zwei Jahren auf die Spur. Und zwar durch eine Serie von Videos im Internet, welche die Anwerbung, Radikalisierung und die Syrien-Reise eines jungen Islamisten dokumentierte. Die Propagandafilme führten zu einem 44-jährigen Imam in Großbritannien, der den Sicherheitsbehörden bereits als Hassprediger bekannt war und ebenfalls verhaftet wurde. Er soll der spirituelle Kopf der Mallorca-Zelle gewesen sein und auch einen zeitgleich in Dortmund festgenommenen 28-jährigen Fundamentalisten spanischer Staatsangehörigkeit indoktriniert haben.

In Spanien gilt seit zwei Jahren die zweithöchste Terrorwarnstufe 4. Dies bedeutet, dass – wie überall in Europa – ein „erhebliches Risiko eines terroristischen Anschlags“ besteht. Seitdem sind in Spanien 178 terrorverdächtige Islamisten festgenommen worden. Das Land sei gut vorbereitet, sagte Zoido vor einigen Tagen. Die Polizeipräsenz in touristischen Hochburgen, auf Bahnhöfen und Flughäfen sei groß. Zoido räumte aber auch ein: „Absolute Sicherheit gibt es nicht.“

Mallorca wie ganz Spanien erlebt dieses Jahr einen touristischen Rekordandrang, weil viele Urlauber, die früher nach Tunesien, Ägypten, in die Türkei oder auch nach Frankreich fuhren, nach den dortigen Terroranschlägen umbuchten. Das spanische Königreich profitiert davon, dass es schon länger keinen Terroranschlag mehr erlebte.

Zuletzt hatten baskische Terroristen im Jahr 2009 auf Mallorca zwei Polizisten mit einer Autobombe getötet. Islamistische Terroristen schlugen zum letzten Mal 2004 zu: Damals sprengte ein Kommando in Madrid vier Vorortzüge in die Luft und tötete 191 Menschen.