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Mallorca Trinkwasser wird knapp

Mallorca bald ohne Trinkwasser? Die Reserven werden auf jeden Fall diesen Sommer knapp. Denn es kommen immer mehr Urlauber, aber es gibt immer weniger Grundwasser. (Bild: SpanienLive.com) 

SPANIEN LIVE - 07.07.2016 - Wird es in diesem Sommer aus Wasserhähnen und Duschköpfen auf Mallorca nur noch tröpfeln? Hoffentlich nicht. Tatsache ist freilich, dass der Rekordansturm der europäischen Touristen auf diese Ferieninsel die dortige Wassernot weiter verschlimmert. Denn wenn immer mehr Urlauber kommen, muss auch immer mehr Trinkwasser bereitgestellt werden. Dies ist aber auf der Mittelmeerinsel ein rares Gut und die Versorgung der Touristen bereitet wachsende Probleme.

Seit fast einem Jahr hat es nicht mehr ausgiebig geregnet, die Wälder und Felder sind knochentrocken, die Ferieninsel droht auszutrocknen. Der Wasserstand der Talsperren im Tramuntana-Gebirge nordwestlich von Palma und die Pegel der unterirdischen Grundwasserseen sind besorgniserregend niedrig. Die Inselregierung sah sich bereits gezwungen, Krisenpläne in Kraft zu setzten, um dem Wassernotstand entgegenzusteuern und um Einschränkungen zu vermeiden.

Die Behörden lösten inzwischen in weiten Teilen Mallorcas „Voralarm“ aus. Mit dieser Warnstufe werden Wassersparmaßnahmen in Gang gesetzt. Ein akuter Trinkwassermangel wäre eine Katastrophe mitten in der Hochsaison, in der sich allein im Monat August nahezu zwei Millionen Urlauber auf der Insel aufhalten. Mit Schrecken denken die Tourismusmanager noch an Mallorcas Wassernot von 1995 bis 1997, als Tankschiffe das kostbare Nass zur Ferieninsel bringen mussten und auch in Hotels zeitweise kein Tropfen mehr aus den Leitungen kam.

Zum Krisenplan gehört nun, dass drei große Meerwasserentsalzungsanlagen in den Inselorten Palma, Andratx und Alcúdia hochgefahren wurden. Sie wurden nach der letzten Wasserkrise in den 1990er Jahren mit Millionengeldern der EU gebaut. Diese Aufbereitungsfabriken, die das Salz und andere Stoffe herausfiltern und das Meerwasser dann ins Leitungsnetz pumpen, sollen dieses Mal Mallorca retten. Der immer noch salzige und chlorige Geschmack dieses Leitungswassers lädt freilich nicht unbedingt zum Trinken ein.

In normalen Jahren werden diese Entsalzungsanlagen kaum genutzt. Aber 2016 ist auf Mallorca kein normales Jahr, warnt der regionale Umweltminister Vicenç Vidal. Die Insel habe einen extrem trockenen Herbst und Winter erlebt. Die üppigen Regenfälle, die üblicherweise für ausreichende Wasserreserven sorgen, blieben aus, es ging nur die Hälfte der üblichen Niederschläge nieder. Und nun landen auch noch rund zehn Prozent mehr Urlauber auf der Insel als im Vorjahr - was die Hoteliers freut, aber die Umweltpolitiker besorgt.

Vom Himmel ist vorerst keine feuchte Abhilfe zu erwarten. Die Wetterprognose für den Sommer auf Mallorca verheißt vor allem Hitze und tropische Nächte. Die Urlauber müssen sich dieses Jahr auf eine besonders heiße und trockene Zeit einstellen, prophezeit María José Guerrero vom staatlichen Wetteramt Aemet in Palma.

Mallorcas Wassernot wird also noch länger bestehen bleiben. Vielerorts wurde bereits der Wasserdruck vermindert. Die 24 Golfplätze der Insel wurden angehalten, ihren Rasen nur noch mit recyceltem Abwasser zu beregnen - was etliche Plätze auch schon tun, aber eben noch nicht alle. Die privaten Poolbesitzer, so bitten die Behörden in Palma, sollen ihr Becken nur füllen, „soweit es unverzichtbar ist“.

Den mallorquinischen Hotels wollte man nicht zumuten, ihre Schwimmbecken diesen Sommer leer zu lassen. Aber die Hotelgäste werden aufgefordert, wenigstens in ihren Zimmern beim Sparen zu helfen. „Wasser ist ein rares Gut! Denk daran!“, steht auf Infoblättern und Aufklebern. „Verschwende kein Wasser!“ Etwa durch überlanges Duschen. „Schließen Sie den Wasserhahn beim Einseifen, Rasieren und Zähneputzen“, wird geraten. Auch die Handtücher sollen nur zum Waschen gegeben werden, wenn sie wirklich schmutzig sind.

Nicht nur der Regenmangel, sondern auch der immer weiter wachsende Massentourismus hat Mallorcas Wasserversorgung an den Rand des Kollapses gebracht. Zehn Millionen Urlauber kamen in 2015 auf die Insel, auf der nur 860.000 Menschen leben. 2016 könnten es elf Millionen Feriengäste werden.

Und das hat Folgen für das ökologische Gleichgewicht: Jeder Urlauber verbraucht im Schnitt 278 Liter pro Tag. „Das ist mehr als doppelt so viel Wasser wie ein Inselbewohner benötigt“, rechnet eine Sprecherin der Wasserwerke Emaya in Palma vor.

Zu den großen Wasserverschwendern auf Mallorca zählen freilich auch die Gemeinden und Wasserversorger selbst. In ihren maroden Leitungsnetzen gehen annähernd 25 Prozent des gesamten Trinkwassers verloren, stellte die Inselregierung entsetzt fest. Deswegen wurden die Netzbetreiber jetzt dazu verdonnert, schleunigst die vielen Löcher in ihrem Rohrsystem zu stopfen. Ralph Schulze

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