Mallorcas Muellproblem

Mallorca will nicht Europas Müllkippe sein und stoppt nun den Abfallimport aus anderen Ländern, der bisher dazu diente, die überdimensionierte Müllverbrennungsanlage in Palma auszulasten. (Bild: SpanienLive.com)

SPANIEN LIVE - 25.06.2015 - Jahrelang kämpften Umweltschützer dagegen, dass Mallorca „Europas Müllkippe“ wird. Mit Demonstrationen, Menschenketten und Unterschriftenlisten. Nun haben die Öko-Verbände ihr Ziel erreicht: Die neue progressive Mallorca-Regierung kündigte an, dass der umstrittene Müllimport aus anderen europäischen Ländern und auch aus spanischen Städten auf die Insel gestoppt wird. Der Abfall-Import diente bisher dazu, die überdimensionierte Müllverbrennungsanlage im Norden Palmas auszulasten.

Der bisherige massenhafte Transport von Müll nach Mallorca und die dortige Abfallverbrennung seien „ein Wahnsinn“ sagte Miquel Ensenyat, der neue Regierungschef Mallorcas von der linksökologischen Partei Més. Sowohl aus Gründen des Umweltschutzes als auch wegen des Imageschadens für Mallorca sei der Müllimport nicht zu verantworten.

Dieser Kurswechsel ist eine weitere Folge des politischen Umschwungs auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln, wo die Konservativen in der Regionalwahl Ende Mai nach einer langen Reihe von Korruptionsskandalen abgestraft worden waren. Die neue linksalternative Regierungsallianz auf Mallorca besteht aus der Inselpartei Més, den sozialdemokratisch ausgerichteten Sozialisten und der Protestpartei Podemos (Wir können).

Zuvor hatte der neue Linkspakt bereits angekündigt, dass er eine Urlaubssteuer auf Mallorca einführen wolle, die ähnlich der deutschen Kurtaxe pro Kopf und Nacht bei der Ankunft bezahlt werden soll. Zudem will man auch den Stierkämpfen auf der Insel an den Kragen gehen: Als erstes ist ein Verbot der Stierspektakel in der großen Arena der Inselhauptstadt Palma de Mallorca geplant.

In Sachen Müllimport, der seit 2013 von der Insel betrieben wurde, läuft nun offenbar alles darauf hinaus, dass ein Teil der Verbrennungsanlage Son Reus nahe Palma stillgelegt wird. In den letzten Jahren waren zehntausende Tonnen von Abfall aus Italien, Nordirland, der spanischen Region Katalonien und zuletzt auch von der Nachbarinsel Menorca nach Palma de Mallorca verschifft und dort verbrannt worden. Umweltschützer hatten dies stets abgelehnt und auf Studien verwiesen, wonach in der Umgebung der vier Verbrennungsöfen eine erhöhte Schadstoffbelastung etwa durch krebserregende Dioxine gemessen worden sei.

Die Geschichte von Mallorcas Müllverbrennungsanlage ist beispielhaft für den Bauwahn und die urbane Fehlentwicklung auf der Insel. Die Abfallöfen wurden zum Symbol jener Zeiten, in denen auf ungestümes Wachstum und nicht auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz gesetzt wurde: Vor einem Jahrzehnt hatte man begonnen, die Kapazität der Verbrennungsanlage zu verdoppeln, und zwar ohne zu bedenken, dass durch Recycling das künftige Abfallvolumen sinken würde. Als die beiden neuen Müllöfen im Jahr 2011 endlich fertig waren, mangelte es an Abfall - und die riesige Verbrennungsanlage wurde zur Investitionsruine. Ralph Schulze

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