Autoeinbruch

Gelegenheit macht Diebe: Automarder lauern gerne auf spanischen Parkplätzen und in Tiefgaragen. (Bild: ze)

SPANIEN LIVE Service - Es passiert täglich, und es gibt sie überall in Spanien. Auf Mallorca, auf den Kanarischen Inseln, an der Mittelmeerküste und in den großen Städten: Langfinger, die es auf Autos und ihre Insassen abgesehen haben. Die Rede ist von Einbrüchen in geparkte Autos, Autodiebstahl und Überfällen an der Ampel oder auf spanischen Autobahnraststätten. Man sollte also stets auf der Hut sein. Das gilt erst recht für jene, die als Touristen oder mit ausländischem Kennzeichen unterwegs sind. Ein Schnellkurs und ein paar Tipps in Sachen Straßenkriminalität für Spanienbesucher.

Am beliebtesten ist auch in Spanien die klassische Kfz-Einbruchsmethode: Seitenscheibe einschlagen, Wertsachen rauben, weglaufen. Nicht nur Urlauber und ausländische Residenten, die vielleicht mit einem Fahrzeug mit fremdem Nummernschild unterwegs sind, sind oft Opfer dieser „Automarder“. Auch Spanier können ein Lied von diesen Straßenräubern singen, die immer dann gerne zuschlagen, wenn es sichtbar im Wagen etwas zu holen gibt.

Allerdings sind an jenen Orten, wo viele Touristen unterwegs sind, besonders viele Autodiebe unterwegs. Also in den Urlaubshochburgen, an den Strandparkplätzen, in der Umgebung der Hotels, in der Nähe von Sehenswürdigkeiten, in zentralen Tiefgaragen. Sie arbeiten meist blitzschnell und nicht nur nachts, sondern sogar mitten am Tag. Auch wenn sie nichts Wertvolles im Auto finden, ist der Ärger groß. Und die Urlaubslaune getrübt, wenn man vor der kaputten Scheibe steht und erst einmal eine Auto- oder Glaswerkstatt finden muss.

Automarder lauern überall, wo Touristen sind: Lassen Sie besser nichts sichtbar im Wageninneren liegen – Auch Alarmanlagen schützen nicht

Deswegen gilt grundsätzlich: Nichts sichtbar im Auto liegen lassen. Keine Jacke, keinen Pullover, keine Tasche, kein Handy, kein Navigationsgerät, kein Videobildschirm; auch Kleinigkeiten, die sich für ein paar Euro verhökern lassen, können schon als Motiv zum Auto-Einbruch dienen. Ein offenes und leeres Handschuhfach kann durchaus signalisieren, dass es in diesem Fahrzeug nichts zu holen gibt.

Wenn schon Kleidung, Wertsachen oder Gepäck im Wagen zurückgelassen werden muss, dann besser unsichtbar im Kofferraum - der freilich ebenfalls keineswegs ein sicheres Versteck, geschweige denn ein Tresor ist.

Auch von Alarmanlagen lassen sich diese Auto-Einbrecher nicht abhalten. Sie brauchen sowieso nur ein paar Sekunden für ihre Tat und bis jemand reagiert, sind sie schon wieder über alle Berge. Meist werden von den Dieben zuerst in Windeseile Handschuhfach, Türfächer, der Raum unter den Sitzen und der sonstige Wageninnenraum durchsucht. Erst danach, soweit sie sich noch ungestört fühlen, versuchen sie vielleicht, den Kofferraum zu öffnen.

In manchen Städten und auch auf Autobahn-Raststätten warten Straßenräuber – Erst wird der Reifen angestochen, dann kommen die „Helfer“

Manche Banden haben sich darauf spezialisiert, gleich den ganzen Wagen zu stehlen. Wobei Fahrzeuge der gehobenen Klasse und gut motorisierte Geländewagen bei den Autodieben besonders beliebt sind. Es versteht sich von selbst, dass man niemals den Wagen mit Schlüssel im Zündschloss stehen lassen sollte. Auch nicht, um nur mal kurz zum Zigarettenkaufen, Zeitungholen oder Getränkeautomaten zu gehen.

Vorsicht ist zudem beim Autofahren in Städten geboten, wo man besser die Türen verriegeln sollte. An Ampeln mancher Großstädte lauern zuweilen Wegediebe, die Türen aufreißen und Handtaschen, Handys und andere lohnenswerte Beute schnappen, bevor die überraschten Insassen überhaupt reagieren können.

Wiederum andere Straßenkriminelle in Spanien betätigen sich als Wegelagerer. Etwa mit dem Pannentrick: Dabei wird zum Beispiel in einem unbeobachteten Moment der Reifen eines Wagens angestochen. Das kann etwa in der Stadt an der Ampel, auf einem Parkplatz oder einer Autobahnraststätte geschehen. Wird die Reifenpanne bemerkt, kommen plötzlich „Helfer“ herbei, welche die Verwirrung nutzen, um Gepäckstücke, Taschen, Wertsachen und andere lohnende Dinge aus dem Fahrzeug zu stehlen.

Als besonders gefährlich gilt die Mittelmeerautobahn hinter der französischen Grenze – Auch falsche Zivilpolizisten treiben ihr Unwesen

Besonders berüchtigt für Überfälle aller Art ist die Mittelmeer-Autobahn AP-7/A-7 zwischen der französischen Grenze und Barcelona. Dort wird gerne ein anderer Schachzug benutzt: Aus einem vorbeifahrenden Auto wird mit wilden Handzeichen signalisiert, dass irgendetwas nicht stimmt. Wenn man dann unsicher auf dem Standstreifen anhält, schnappt die Falle zu und der Überfall wird ausgeführt.

Zuweilen hört man sogar, dass Fahrzeuge mit Steinen beworfen oder abgedrängt und so zum Stehen gebracht werden. Bevorzugte Opfer sind Frauen und ältere Fahrer. Diese Straßenraub-Masche wird auch im restlichen Spanien zuweilen benutzt.

Europäische Diplomaten warnen zudem vor falschen Zivilpolizisten in Spanien: „Sollten Sie mit Ihrem Auto von einem Polizisten in Zivil angehalten werden, so ist dies mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit ein Betrüger. Die mit Verkehrsangelegenheiten betrauten spanischen Polizisten tragen immer eine Uniform und fahren in der Regel einen gekennzeichneten Streifenwagen.”

Auch Zivilfahrzeuge der Polizei verfügen über ein (provisorisches) Blaulicht und ein elektronisches Zeichen der Guardia Civil oder Policia Nacional. „Lassen Sie sich in jedem Falle immer den Dienstausweis und die Dienstmarke zeigen. Seien Sie skeptisch, wenn Sie ein Polizist zur Übergabe Ihrer Taschen auffordert.“

Übrigens: Trotz dieser Schauergeschichten ist in Spanien keine Panik angebracht: Die Kriminalitätsrate ist statistisch gesehen nicht höher als in der deutschsprachigen Heimat. Aber es ist auch nicht zu übersehen, dass die Millionen von ausländischen Touristen, welche Spanien jedes Jahr besuchen, ein bevorzugtes und oftmals leichtes Ziel für die Langfinger sind. Ralph Schulze