Kinder_beim_Spielen

Die Betreung der Kinder in der Kita ist für viele spanische Eltern zu  teurer. (Bild: spanienlive.com)

SPANIEN LIVE - 14.06.2013 - „Früher“, weiß María García, „war es für viele spanische Eltern sehr schwierig, einen Betreuungsplatz für ihre kleinen Kinder bis drei Jahre zu finden.“ Die Nachfrage junger Familien habe bei Weitem das Angebot an öffentlichen und privaten Kita-Plätzen überstiegen, die Wartelisten seien lang gewesen. „Doch die Zeiten in Spanien haben sich geändert.“ Inzwischen sei es vielerorts kein großes Problem mehr, eine Kindertagesstätte mit freien Kapazitäten zu finden.

Nicht etwa, weil Vater Staat nun - wie etwa ab Sommer 2013 in Deutschland - Kleinkindern einen Tagesstätten-Platz garantiert. Sondern weil sich immer mehr spanische Familien die hohen Kita-Gebühren von durchschnittlich 200-400 Euro, die auch in öffentlichen Einrichtungen schnell fällig werden, schlichtweg nicht mehr leisten können. In privaten Einrichtungen, und die meisten spanischen Kitas für Kleinkinder werden von privaten Trägern betrieben, kann es sogar noch teurer werden.

In der Krise sinkt der Bedarf an Kita-Plätzen - Familien haben weniger Einkommen - Erst ab drei Jahren verspricht der Staat einen Platz im Kindergarten

Die tiefe spanische Wirtschaftskrise hat Millionen von Spaniern um ihren Job und um ihr Einkommen gebracht. Und wer Arbeit hat, muss oftmals Gehaltskürzungen akzeptieren. Auch María, die in der Hauptstadt Madrid bei einer Baufirma im Büro beschäftigt war, verlor ihre Stelle. Und sie zieht es deshalb jetzt wie viele spanische Mütter vor, ihren zweijährigen Sohn Alejandro zu Hause zu betreuen.

Erst ab drei Lebensjahren verspricht der spanische Staat allen Kindern eine kostenlose Vorschulerziehung im öffentlichen Kindergarten, der eine Ganztagsbetreuung bietet. Davon macht die Mehrheit der Eltern Gebrauch - soweit ein öffentliches Betreuungsangebot in der Nähe ist; es gibt aber auch für diese Altersklasse private Kindergärten. Der Besuch dieser Vorschulen, räumlich meist den Grundschulen angegliedert, ist freiwillig. Erst ab sechs Jahren beginnt mit der Grundschule die allgemeine Schulpflicht.

Spaniens Familien fühlen sich vom Staat verlassen: Kein Kindergeld, keine Familienförderung – Und jetzt wird auch noch bei den Kindergärten gespart

Spaniens Familien fühlen sich schon länger vom Staat alleingelassen. „Die Betreuung der kleinen Kinder ist viel zu teuer“, klagt María, und Kindergeld gebe es auch nicht. Nur bitterarme Familien erhalten eine eher symbolische Kinderhilfe von 25,24 Euro pro Monat – soweit das Familieneinkommen unter 1000 Euro liegt (Stand 2013).

Der spanische Staat hatte noch nie viel Geld für seine Familien übrig und gehört zu den EU-Schlusslichtern, was die finanzielle Familienförderung anbelangt. Mangels Geld in der Staatskasse ist kaum mit Besserung zu rechnen.

Eher im Gegenteil: Nun, wo Spanien einen riesigen Schuldenberg vor sich herschiebt, wird bei den Betreuungseinrichtungen für die Kleinen der Rotstift angesetzt. „Die Gruppen werden immer größer“, weiß María García, „es fehlt zunehmend Personal.“ Auch bei Lern- und Spielmaterialien werde heftig gespart. Und die Tarife steigen immer weiter. 

„Für viele Mütter ist es heute ein Luxus, ihr Baby in eine Tagesstätte zu bringen“, bestätigt Eva Grande, eine verheiratete Freundin Marias. Eva hat ihren schlecht bezahlten Job als Laden-Aushilfe aufgegeben, weil „fast mein ganzer Lohn“ für die Kita draufging. „Da arbeite ich lieber nicht und habe Zeit für meinen kleinen Sohn.“ red

 

ZUR SACHE: SPANIENS KRISE ZWINGT FRAUEN INS HEIM

Die spanische Wirtschaftskrise samt Massenarbeitslosigkeit (27 Prozent in 2013) sorgt dafür, dass die Zahl der Berufstätigen in Spanien seit Jahren sinkt. Nur noch 54 Prozent der spanischen Frauen im erwerbsfähigen Alter hatten laut Eurostat im Jahr 2012 einen Job. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 71 Prozent, der EU-Schnitt liegt bei 62 Prozent.

Entsprechend sinkt in Spanien der Bedarf für Kleinkinderbetreuung, die überwiegend von privaten Einrichtungen übernommen wird. In der Hauptstadtregion Madrid sind vier von fünf Kindertagesstätten für die bis 3-Jährigen privat. Derzeit gibt es etwa für ein Drittel aller Kinder bis drei einen Platz in einer öffentlichen oder privaten Kita, die in Spanien „guardería“ heißt.

Von 3-6 Jahren garantiert der Staat theoretisch „eine genügende Anzahl von Plätzen“ für eine kostenlose Vorschulerziehung. Eine Garantie, die aber in der Praxis nicht durchweg eingehalten wird.

Hinzu kommt, dass die Zeiten der kinderreichen Familien in Spanien vorbei sind. Während in der derzeitigen Elterngeneration viele Väter und Mütter noch mit drei oder mehr Geschwistern aufgewachsen sind, lag die statistische Geburtenquote im Jahr 2012 bei 1,32 Kindern pro Frau – und damit auf ähnlich niedrigem Niveau wie in Deutschland. red

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