Lava_vor_El_Hierro

Rauchendes Meer: Auch dampfende Lavabrocken tauchten gelegentlich aus dem Meer vor El Hierro auf. (Bild: gc)

 

 

 

 

 

 

SPANIEN LIVE – Eine Bedrohung durch einen Vulkan kann auch eine Chance sein, um die Kassen klingeln zu lassen. Deswegen wollen die Tourismusbehörden auf der Kanaren-Insel El Hierro nun ausdrücklich zum Besuch auf der „Insel der tausend Vulkane“ einladen. Mit einer Werbekampagne sollen jene Stornierungen wettgemacht werden, welche die Hoteliers auf El Hierro, der kleinsten der bei Urlaubern so beliebten Kanarischen Inseln, besorgen. Übrigens: Die anderen Kanareninseln sind und waren durch den Vulkan (der nach fast fünf Monaten Aktivität im März 2012 wieder einschlief) nicht betroffen: Es gibt dort weder aktuelle Vulkangefahren noch Risiken, auch der Flugverkehr ist nicht beeinträchtigt.

Gerade einmal 865 Besucher logierten im Monat Oktober 2011 in den Hotels auf der bislang ziemlich unbekannten Insel El Hierro, die seit Ausbruch des Vulkans am 10. Oktober aber plötzlich in aller Munde war. „Die Insel ist ein sicherer Ort“, beruhigte der Hotelverband Ashotel, die Behörden hätten Vorsorge getroffen, „um die Sicherheit der Bewohner und der Besucher zu garantieren“. Der Tourismusverband will nun gezielt Touristen umwerben, die sich „für einzigartige Naturphänomen wie etwa einen Vulkanausbruch interessieren“.

El Hierro will Vulkan-Touristen anlocken – Man sah vom Ausbruch wenig, spürte aber tägliche kleinere Erdbeben

Bisher ist aber auf dem Eiland El Hierro, das vor rund eine Million Jahren durch einen gewaltigen Vulkanausbruch entstand, wenig für „Vulkan-Touristen“ zu sehen. Der am 10. Oktober aufgerissene Krater befand sich vor der Südküste unter Wasser in etwa 200-300 Meter Tiefe. Der Krater machte sich auf der Meeresoberfläche vor allem durch Blubbern, gelegentliche Gas-Wasser-Fontänen, dampfende Lavabrocken und einen riesigen Asche-Schlacke-Teppich bemerkbar. Ein weiterer Krater wurde nördlich der Insel in größerer Meerestiefe vermutet, hinterließ aber auf dem Wasser keine Spuren.

Dafür war der Vulkan mit seiner riesigen Magmablase unter der Insel gut spürbar. Monatelang erschüttertern kleinere Erdbeben die Insel – seit Mitte Juli 2011 waren es fast 12.000. Das heftigste Beben ließ die Insel am 11. November 2011 erzittern und hatte eine sehr vernehmbare Stärke von 4,6 auf der Richterskala. Es gab keine Schäden, der Erdstoß war aber sogar leicht auf den Nachbarinseln Teneriffa, La Palma und Gomera wahrzunehmen, obwohl diese Inseln zwischen 60 (Gomera) und 120 Kilometern (Teneriffa) entfernt liegen. Im Dezember 2011 gingen die Erdbeben aber zurück und waren auf El Hierro kaum noch wahrnehmbar.

Auf den übrigen Kanarischen Inseln gab es weder Probleme noch Beeinträchtigungen durch die Eruptionen auf El Hierro

Riechen konnte man den Vulkan ebenfalls, der mit seinem südlichen Wasserkrater Schwefel- und Kohlenstoffdioxid-Wolken ausstieß, was vorsorglich zur Sperrung von zwei Badebuchten im Süden El Hierros führte. Baden und Tauchen war in den Vulkangewässern El Hierros vorübergehend „nicht empfehlenswert“, sagten die Zivilschutzbehörden. Ein großer Teil der Inselküsten war von dem schwimmenden Ascheteppich betroffen. Zwischen den vielen umhertreibenden toten Fischen, die an Sauerstoffmangel erstickten, war das Badevergnügen ohnehin begrenzt.

Auf den übrigen Kanarischen Inseln gab es aber, nach Angaben der regionalen Tourismusbehörden, keine Beeinträchtigungen, Probleme oder Risiken durch den unter El Hierro brodelnden Vulkan. Täglich meldeten sich bei den Fremdenverkehrsämtern und Hotels sowie bei SPANIEN LIVE Touristen, die sich nach dem Vulkanausbruch auf El Hierro Sorgen machten. Die Antwort der Tourismusämter auf Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote, La Palma und Gomera lautete durchweg: „Es gibt keine Gefahr.“ Zwar sind auch diese Inseln vor Millionen Jahren nach riesigen Vulkanausbrüchen entstanden, aber Anzeichen für neue Eruptionen gibt es hier derzeit nicht – auch wenn sich das theoretisch in der Zukunft ändern kann. Ralph Schulze

    STICHWORT: LANGSAME VULKANAUSBRÜCHE, KEINE EXPLOSIONEN

    Der Teide-Berg auf Teneriffa ist der berühmteste Vulkan der Kanarischen Inseln. Er ist mit rund 3700 Metern der höchste Berg Spaniens und der dritthöchste Vulkanberg der Welt. Der letzte Ausbruch des Teides ist knapp 100 Jahre her, richtete aber keine Schäden an. Vor mehr als drei Jahrhunderten zerstörte eine Lavalawine, die vom Teide herabrollte, Teile des Dorfes Garachico. Im Jahr 1971 brach auf La Palma der Vulkan Teneguia aus und sorgte drei Wochen lang für ein Lavaspektakel, das vorübergehend zur Touristenattraktion wurde.

    Die Vulkanausbrüche auf den Kanarischen Inseln waren in der Vergangenheit meist keine explosiven Eruptionen, sondern relativ langsam ablaufende Ausbrüche mit zähfließenden Lavaströmen. Deswegen glauben die meisten Forscher, dass auch auf El Hierro im Ernstfall genug Zeit geblieben wäre, um die Bevölkerung, rund 11.000 Menschen, zu warnen und gegebenenfalls zu evakuieren. ze

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