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Bohrplattform_Repsol

Ölsuche vor Kanaren: Bald könnten solche Plattformen zwischen den Inseln und Afrika schwimmen. (Bild: Repsol) 

 

 

 

 

 

 

SPANIEN LIVE - Die Kanarischen Inseln rüsten sich zum Kampf. Nachdem Spaniens Regierung den Weg für Probe-Ölbohrungen vor Lanzarote und Fuerteventura freigemacht hat, gehen die Insel-Bewohner auf die Barrikaden. Die Menschen auf den Kanaren fürchten, dass die geplante Ölförderung vor ihren Küsten ihre Traumstrände, den Tourismus und auch die Trinkwassergewinnung schädigen könnte. Inselregierung, Bürgerinitiativen und Umweltschutz-Organisationen wollen nun „mit allen Mitteln“ gegen die Ölsuche kämpfen.

Die Empörung ist auch deswegen groß, weil Spaniens konservative Regierung das Ölgeschäft mit dem spanischen Energieriesen Repsol offenbar vereinbarte, ohne die kanarische Regionalregierung zu fragen. „Die behandeln uns wie eine Kolonie“, schimpft Paulino Rivero, Chef der Kanarenregierung, die von der „Kanarischen Koalition“ angeführt wird. Dies sei eine „einseitige Entscheidung“ und eine  „Missachtung“ der kanarischen Interessen. Die Inseln werden aber „nicht auf die Knie fallen“, sondern Widerstand leisten.

Auch Marokko sucht in den Atlantikgewässern nach Öl – Streit zwischen den beiden Ländern ist programmiert

Spaniens Öl- und Gasgigant Repsol vermutet, dass östlich von Lanzarote und Fuerteventura große Ölvorkommen im Meeresboden schlummern. Mit Probebohrungen etwa 60 Kilometer vor den Küsten will Repsol die mutmaßlichen Tiefsee-Öllager genauer erforschen. Das anvisierte Ölfördergebiet liegt an der Grenze der von Spanien beanspruchten Seewirtschaftszone. Doch auch das gegenüberliegende Marokko hat ein Auge auf den vermuteten Ölreichtum zwischen Kanaren sowie marokkanischer Atlantikküste geworfen - es ist also noch Ärger um die Förderrechte zu erwarten.

In der Repsol-Ölsuche vor den Kanaren ist übrigens auch der deutsche Rohstoff-Multi RWE Dea beteiligt, der mit Repsol und dem australischen Partner Woodside ein Konsortium bildet. Repsol glaubt, dass sich vor den Kanarischen Inseln „das größte Erdölvorkommen der Geschichte Spaniens“ befinden könnte, was im Interesse der Inseln wie auch ganz Spaniens sei. Der spanische Weltkonzern verspricht, vor Bohrbeginn eine Umweltstudie vorzulegen. Wenn alles klargehe, könne Ende 2014 die konkrete Ölsuche beginnen und von 2019/2020 das Öl über Förderinseln abgepumpt werden.

Unweltschützer und Kanarenregierung wollen zusammen gegen die Öl-Förderung kämpfen – Die Angst vor der Katastrophe

Doch die breite Protestbewegung auf den Kanarischen Inseln will alles dafür tun, dass es nicht soweit kommt. Mit Demonstrationen, politischem Druck und einer juristischen Schlacht vor Gericht soll die Ölförderung verhindert werden. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt vor dem „enormen Risiko“ einer Ölpest durch Unfälle, Brände oder Rohrbrüche an den Bohrstellen. Greenpeace erinnert an die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko, nachdem dort im April 2010 eine BP-Ölplattform explodiert und gesunken war.

Die Pläne für die Ölbohrungen vor den Kanaren sind übrigens schon alt: Im Jahr 2001 waren sie bereits von der damaligen konservativen Regierung genehmigt, dann aber nach einer Protest- und Klagewelle von einem Gericht widerrufen worden, weil Umweltschutzbelange nicht genügend berücksichtigt waren. Nun geht der Streit ums Öl in eine neue Runde.

Spanien hat bisher praktisch keine nennenswerten Ölvorkommen im eigenen Territorium. Gut 98 Prozent des benötigten Erdöls muss eingeführt werden. Wenn sich der große Fund vor den Kanaren bestätige, könne Spanien wenigstens zehn Prozent seines Bedarfs aus dieser Quelle decken, sagt Energieminister José Manuel Soria. Angesichts der spanischen Öl-Abhängigkeit, meint Soria, „können wir uns nicht den Luxus erlauben, dieses Vorkommen nicht zu erschließen“. Ralph Schulze

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