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Kanaren - Oelbohrungen abgeblasen

Gegen Ölbohrungen vor Kanaren: Auch Greenpeace-Aktivisten waren mit Booten im Einsatz und protestierten gegen das Bohrschiff, das man im Hintergrund sieht. (Bild: Greenpeace)  

SPANIEN LIVE - 20.01.2015 - Der Öltraum der konservativen spanischen Zentralregierung ist geplatzt. Die umstrittene Suche nach Rohstofflagern vor der Küste der Kanarischen Inseln wurde überraschend beendet. Spaniens Energieriese Repsol, der vor den Urlaubsinseln Lanzarote und Fuerteventura wochenlang nach Öl sowie Gas suchte und mit einer Probebohrung den Meeresboden durchlöcherte, brach die Operation ab. Weil sich, so Repsol, die weitere Suche nicht lohne. Aber wohl auch, weil der Widerstand auf den beliebten Ferieninseln immer größer und der Rohölpreis am Weltmarkt immer kleiner wurde.

Inselpolitiker und Naturschützer, die sich gemeinsam gegen die Ölsuche gewehrt hatten, weil sie Schäden für die Umwelt und den Tourismus fürchteten, feiern jetzt „den Sieg des Volkes“. Monatelang waren die regionale Regierung der Kanaren, die Tourismusindustrie und Naturschutzverbände gegen die Bohrungen auf die Barrikaden gegangen. Hatten mit Demonstrationen, Unterschriftenliste und Gerichtsklagen gegen die „Bedrohung durch das Öl“ und für eine Zukunft mit sauberen Energien gekämpft.

Nun können die Kanarischen Inseln aufatmen: Der Energiekonzern Repsol, der mit Unterstützung der Zentralregierung in Madrid den Meeresboden durchwühlte, zog sein Bohrschiff ab. Man habe zwar in der Tiefe Öl- und Gasvorkommen gefunden. Die Rohstoffblasen seien aber „mit Wasser gesättigt“ und bestehen aus „nicht nutzbaren dünnen Schichten“, teilte der Konzern offiziell mit. Auf weitere Bohrungen werde man daher verzichten.

„Das ist ein Triumph der gesamten Gesellschaft und der Kanarischen Inseln“, jubelte Paulino Rivero, Ministerpräsident der Inselregierung, die von der regional verwurzelten „Kanarischen Koalition“ gestellt wird. Annähernd 75 Prozent der Inselbevölkerung hatten sich in Umfragen gegen die Öl- und Gassuche in kanarischen Gewässern ausgesprochen, in denen sich auch Wale und Delfine tummeln. Spaniens konservative Zentralregierung hatte die Bohrungen gegen den entschiedenen Widerstand der Inseln genehmigt, was ihr den Vorwurf einbrachte, die vor Westafrika liegende Kanaren-Region „wie eine Kolonie“ zu behandeln.

Auf den Kanaren mit den bekannten Inseln Teneriffa und Gran Canaria wohnen etwa 2,1 Millionen Menschen. Die paradiesische Vulkan-Inselgruppe lebt vor allem vom Tourismus. Die Bewohner hatten mit Parolen wie „Rettet die Kanarischen Inseln“ und „lieber Sonnenöl als Erdöl“ gegen die Bohrungen protestiert. Jedes Jahr machen rund zwölf Millionen ausländische Urlauber auf den Inseln Station - und es werden stetig mehr: Die Besucherzahlen stiegen in 2014 um über zehn Prozent. Ralph Schulze

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