Protest_auf_Kanaren

„Die Kanaren haben es nicht leicht“, steht auf dem Plakat, mit dem zum Protest gegen die Ölsuche aufgerufen wurde.

 

 

 

 

 

 

SPANIEN LIVE - „Wir wollen kein Öl“, riefen die Menschen. Und: „Nein, Danke!“ Zehntausende demonstrierten auf den sieben Kanarischen Inseln gegen die geplante Ölsuche vor der Küste. Allein in Arrecife, der Hauptstadt der Urlaubsinsel Lanzarote, gingen nach Angaben der Polizei mehr als 20.000 Menschen auf die Straße.

Der Plan der spanischen Regierung, vor Lanzarote und Fuerteventura nach Öl zu bohren, stößt auf den entschlossenen Widerstand vieler Kanaren-Bewohner. Auch die Inselpolitiker und die Tourismusindustrie sind dagegen, weil sie fürchten, dass ein Öl-Unfall das Urlaubsparadies zerstören könnte.

„Ein Fehler auf einer Öl-Plattform kann den ganzen touristischen Sektor für viele Jahre ruinieren.“

Die geplante Erdöl-Erschließung „ist nicht vereinbar mit dem Tourismus“, heißt es in einem Manifest, das von 50 Umweltschutzgruppen, Bürgerinitiativen, Gewerkschaften und politischen Parteien unterzeichnet wurde. „Ein Fehler auf einer Öl-Plattform kann den ganzen touristischen Sektor für viele Jahre ruinieren.“

Die Inseln Lanzarote und Fuerteventura, vor deren Küsten Öl gesucht und später auch gefördert werden soll, leben vor allem vom Urlaubsgeschäft. Der Öl-Plan sei eine schwere Bedrohung für die Zukunft der Kanarischen Inseln, auf denen im Jahr 2011 mehr als zehn Millionen ausländische Touristen Urlaub machten.

Spaniens konservative Regierung hatte Mitte März 2012 dem spanischen Energie-Multi Repsol die Erlaubnis erteilt, Probebohrungen durchzuführen. Damit soll das Ausmaß der vermuteten Öl-Vorkommen ausgelotet werden. Repsol geht davon aus, dass sich im Atlantik, zwischen den Kanaren-Inseln und der marokkanischen Küste, ein gigantisches Erdöl-Lager befindet, mit dem Spanien zehn Prozent seines Öl-Bedarfs decken könnte.

Nach Angaben Repsols soll etwa 60 Kilometer vor der Küste gebohrt werden, nahe an der Seewassergrenze zum Nachbarn Marokko, der dort übrigens auch nach Öl sucht. An dem Repsol-Projekt ist mit 20 Prozent der deutsche Rohstoff-Konzern RWE Dea beteiligt.

Die geplanten Öl-Bohrungen sind ein Albtraum für viele Inselbewohner – Nun soll ein  Gericht den Plan stoppen

„Austretendes Öl würde innerhalb von Stunden“ an den Küsten Lanzarotes und Fuerteventuras ankommen, heißt es im Protest-Manifest der Inseln, „und zudem jene Meerwasser-Entsalzungsanlagen lahmlegen, die das gesamte Trinkwasser produzieren“. Auch der Hinweis des spanischen Industrieministers José Manuel Soria, der zugleich als Tourismusminister amtiert, wonach die Öl-Industrie doch auch Arbeitsplätze schaffe, zog auf den Kanaren nicht.

„Ein einziges Hotel erzeugt mehr Arbeitsplätze, als die Öl-Plattformen es tun werden.“ In den großen internationalen Reisekonzernen beobachtet man Spaniens Öl-Träume ebenfalls mit Sorge, auch wenn man sich offiziell mit Erklärungen zurückhält.

Die Kanarischen Inseln, auf denen die regionale „Kanarische Koalition“ regiert, fürchten, dass selbst ohne größeren Öl-Unfall das Image der Inselgruppe Schaden nehmen könnte. „Die Öl-Industrie gehört zu den am meisten kontaminierenden Branchen der Welt“, erklärt die Protestbewegung.

Das könne verhängnisvoll sein für die Kanaren, die von ihrem Ruf als Naturparadies leben. Rund um die Inseln lebten Wale und Delfine, man bemühe sich um den Ausbau von Naturparks und Meeresschutzgebieten. Und die Inselwirtschaft wolle auf „erneuerbare Energien“ setzen, um die Umwelt nicht weiter zu belasten.

„Wir fordern das Recht, selbst über unsere Zukunft zu entscheiden“, heißt es. Deswegen wollen die Kanaren-Regierung und Bürgerinitiativen nun per Gericht die Öl-Bohrungen stoppen. Ralph Schulze

Fanden Sie diesen Bericht interessant? Dann empfehlen Sie doch bitte SPANIEN LIVE und diesen Artikel weiter!

Mehr zum Thema Kanaren in SPANIEN LIVE, reden Sie mit in Facebook SPANIEN LIVE

Pin It
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste.
Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.