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Kanaren Protest gegen Oelsuche

Auch unter Wasser wird gegen die Ölsuche protestiert. (Bild: Pastinaca/Ben Magec)

SPANIEN LIVE - 19.11.2013 - Seit Monaten kämpfen die Kanarischen Inseln vereint gegen geplante Ölbohrungen vor ihren Stränden. Mit Demonstrationen, Eingaben gegen die Bohrgenehmigung, Beschwerden an die EU-Kommission und Klagen vor Gericht. Doch bisher konnte dieser Proteststurm das Ölprojekt nicht stoppen. Schon im Frühjahr 2014 will der spanische Rohstoffkonzern Repsol zusammen mit der deutschen RWE Dea vor den Urlaubsinseln Lanzarote und Fuerteventura mit einer riesigen Plattform die Probebohrungen starten und auf Ölsuche gehen.

Es geschieht nicht oft, dass Politiker, Umweltaktivisten und Bürger - wie nun auf den Kanarischen Inseln - an einem Strang ziehen und gemeinsam auf die Barrikaden gehen. „Wir werden wie eine Kolonie behandelt“, empört sich Regierungschef Paulino Rivero, der regionale Regierungschef der Kanareninseln. „Hier werden Entscheidungen getroffen gegen den erklärten Willen einer ganzen Region.“ Man werde das Urlaubsgeschäft, wichtigstes Standbein der Inseln, nicht aufs Spiel setzen. Auf der Inselgruppe regiert unter Riveros Führung die regional verwurzelte „Kanarische Koalition“.

Nicht nur Fischer und Tourismusbranche haben Angst vor einem Ölunfall, der das Meer und die Strände verseuchen könnte

Auch für die Tourismusbranche kommt die Vorstellung, dass vor den Kanarischen Inseln bald Bohrplattformen auftauchen, einem Albtraum gleich. Und erst recht, wenn bei den Bohrungen in großer Meerestiefe nicht alles planmäßig laufen sollte. „Ein Unfall hätte nicht wiedergutzumachende Auswirkungen“, warnt der Hotel- und Tourismusverband auf der Insel Gran Canaria. Mehr als zehn Millionen ausländische Urlauber kommen jedes Jahr auf die Kanaren. Die Fischer fürchten derweil um ihre Fanggründe: „Das kann uns Unglück bringen, wir können dies nicht zulassen“, erklärt der Fischereiverband Lanzarotes.

Spaniens konservative Regierung hatte bereits im Frühjahr 2012 Repsol die Erlaubnis erteilt, Probebohrungen durchzuführen, um das Ausmaß der vermuteten Ölvorkommen auszuloten. Seitdem hagelt es Beschwerden und der Gegenwind ist zu einem Orkan angeschwollen. Repsol geht davon aus, dass sich im Atlantik, zwischen Kanarischen Inseln und marokkanischer Küste, ein gigantisches Erdöllager befindet, mit dem Spanien zehn Prozent seines Ölbedarfs decken könnte.

Ölindustrie und Spaniens Regierung versprechen den Inseln Arbeitsplätze und Investitionen - Aber die Kanaren winken ab: „Wir lassen uns nicht kaufen“

Der Ölmulti will etwa 60 Kilometer östlich vor den Inseln Lanzarote und Fuerteventura bohren. Nahe an der Seewassergrenze zum Nachbarn Marokko, der dort auch schon nach dem schwarzen Gold sucht. Spaniens Industrieministers José Manuel Soria, der zugleich als Tourismusminister amtiert, signalisierte bereits, dass er keine Bedenken habe. Das Ölprojekt schaffe in der strukturschwachen Kanarenregion, wo die Arbeitslosenquote 30 Prozent übersteigt, neue Jobs. Und: Wenn Spanien nicht die vermuteten Öllager anzapfe, „dann wird es Marokko machen“.

Repsol-Präsident Antonio Brufau versucht derweil, die Insulaner mit der Aussicht auf einen großen Geldregen zu überzeugen: Wenn man tatsächlich auf Öl stoße, was als wahrscheinlich gelte, werde man mehr als neun Milliarden Euro investieren. Davon würde sicher etwas für die Inseln abfallen. Doch Kanaren-Ministerpräsident Rivero winkte kühl ab: „Wir lassen uns nicht für einen Teller Linsen kaufen.“

Auch wenn Spaniens Industrie- und ebenso das Umweltministerium noch über tausende Bürgereinsprüche entscheiden müssen, sieht es nicht danach aus, als werde die konservative spanische Regierung das Projekt stoppen. So wird also wohl der Feldzug der Kanarischen Inseln, die in ihrem Widerstand eine Überlebensfrage sehen, eher noch an Heftigkeit zunehmen.

„Nein zu Erdölkonzernen, Ja zu erneuerbaren Energien“, prangte auf Plakaten, welche Umweltschützer der Inselinitiative Ben Magec-Ecologistas dieser Tage an neun Kanarenstränden wehen ließen. An Urlauber wurden Handzettel verteilt, um die Touristen auf die wachsende Protestwelle „gegen die Ölpiraten“ einzustimmen, welche die Inseln unter dem Motto vereint: „Die Kanaren sagen Nein!“ Ralph Schulze

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