Kanaren Oelunfall

Ölteppiche vor Gran Canaria: So sah es nach dem Untergang des Fischtrawlers Oleg Naydenov auf der Wasseroberfläche auf. Inzwischen arbeiten Experten an der Bergung des Öls im Schiffstank. (Bild: Greenpeace)

SPANIEN LIVE - 07.07.2015 - Das Ölunglück vor der spanischen Urlaubsinsel Gran Canaria ist auch Monate nach Untergang des Fischtrawlers Oleg Naydenov noch nicht völlig bewältigt. Aus dem in 2700 Meter Tiefe liegenden russischen Fangschiff floss wochenlang giftiges Dieselöl in den Atlantik und bedrohte die Inselstrände und die Meeresfauna.

Den Bergungsexperten war es nicht gelungen, mit Tiefsee-Robotern alle Lecks im Schiffstank abzudichten. Auch die Idee, den Tank leerzupumpen, musste wegen technischer Probleme aufgegeben werden. Spaniens Regierung räumte ein, dass es noch bis November 2015 dauern könnte, bis der Ölfluss komplett gestoppt und damit die Umweltgefahr völlig gebannt werden kann.

Der 120 Meter lange Schleppnetztrawler war am 14. April 2015 nach einem Brand rund 28 Kilometer südlich von Gran Canaria gesunken. Das Feuer war ausgebrochen, als die Oleg Naydenov im Gran-Canaria-Hafen von Las Palmas lag. Doch die Hafenbehörden hatten in einer umstrittenen Entscheidung angeordnet, den Trawler aufs Meer zu schleppen, wo er dann unterging. Im Schiffstank befanden sich zu diesem Zeitpunkt rund 1400 Tonnen Dieselöl-Treibstoff, von dem ein Teil ins Meer floss.

Der größte Teil des Ölsees trieb Richtung Süden in den offenen Atlantik. Ein kleinerer Teil bedrohte wochenlang die Südwestküste Gran Canarias, wo im Frühjahr immer wieder Ölschlieren und -klumpen antrieben. Zuletzt wurde aber nicht mehr über Verschmutzungsprobleme an der Küste berichtet. Es scheint also so, als ob sich die Lage entspannt hat und die Gefahr einer größeren Ölpest abgewendet werden konnte - eine gute Nachricht für Gran Canaria.

Inzwischen startete ein neuer Bergungsversuch. Nun sollen in der Tiefe große Auffangbehälter direkt über den Lecks verankert und so das ausströmende Öl aufgefangen werden. „Wenn die Behälter voll sind, werden sie an die Oberfläche geholt und durch neue leere Container ersetzt“, erläuterte Spaniens Seefahrtministerium.

Ob dieses Vorhaben gelingt, wird man jedoch angesichts der bisherigen Schwierigkeiten abwarten müssen. Die Behörden schätzen, dass die neue Operation bis November dauern könnte. An der Unglücksstelle herrschen starke Strömungen, welche die Bergungsarbeiten unter Wasser erschweren. Auch an der Oberfläche behinderte hoher Wellengang an vielen Tagen das Absaugen des aufsteigenden Öls, so dass die Küstenwacht sich meist auf das „Verquirlen“, also das großflächige Verteilen der Ölteppiche, beschränkte.

Gran Canaria ist eines der bekanntesten Ferienziele Spaniens und in diesen Tagen läuft die Urlaubshochsaison an. Eine größere Ölpest an den Stränden wäre ein Albtraum für die beliebte Vulkaninsel, die vor allem von den Touristen lebt. Ralph Schulze

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