Mietwagen vergleichen auf Deutschlands größtem Mietwagen-Preisvergleich

American_Star_Wikipedia

Geisterschiff vor Fuerteventura: So sahen die Reste der „American Star“ im Jahr 2004 aus. Inzwischen ist das Wrack komplett versunken. (Bild: Wollex/Wikimedia Commons)

 

 

 

SPANIEN LIVE – Als sie die Bilder der vor Giglio untergegangenen „Costa Concordia“ sahen, erinnerten sich viele Bewohner der spanischen Kanareninsel Fuerteventura an das Wrack vor ihrer Haustür: Das stolze Kreuzfahrtschiff „American Star“ war vor knapp zwei Jahrzehnten an der Westküste Fuerteventuras gestrandet. Das riesige Geisterwrack widerstand lange Jahre der Brandung, war Touristenattraktion, wurde für etliche Plünderer und Taucher zum Sarg, bis das Meer jüngst die letzten Reste dieser Schiffsruine für immer verschluckte.

Der Wind war stürmisch und die Wellen waren haushoch, als der Schleppverband am 15. Januar 1994 im Atlantik vor den Kanarischen Inseln in Not geriet. Die Stahltrossen, mit denen der ukrainische Schlepper die gut 200 Meter lange und schon mehr als 50 Jahre alte „American Star“ zog, rissen plötzlich. Der ausgemusterte Kreuzfahrtriese, der - ohne Passagiere - nach Thailand überführt und dort zum schwimmenden Hotel umgebaut werden sollte, trieb langsam aber sicher auf die Urlaubsinsel Fuerteventura zu, wo er sich zwei Tage später in einen einsamen Sandstrand bohrte. Vier Besatzungsmitglieder waren zuvor per Hubschrauber gerettet worden.

Plünderer und Souvenirjäger eroberten den manövrierunfähigen Ozeanliner, der wie ein toter Wal in Strandnähe gespült worden war

Als sich das Wetter wieder halbwegs beruhigt hatte, fackelten die Insulaner nicht lange: Plünderer und Souvenirjäger begannen, das Wrack auszuräumen. Schraubten alles ab, was sich noch irgendwie verwenden ließ. Messingtürklinken, Bullaugen, Schiffslampen, Schilder, Instrumente. Sogar die Toilettenbrillen und Wasserhähne verschwanden und schmücken heute die stillen Örtchen mancher Häuser auf Fuerteventura. Die Bar „El Naufragio“ (Der Schiffbruch) in der Inselhauptstadt Puerto del Rosario hat sich fast komplett mit Fundstücken der „American Star“ eingerichtet.

Findige Touristenführer organisierten mit Geländewagen „American-Star-Touren“, karrten aus den Insel-Urlaubshochburgen Corralejo, Jandia und Caleta de Fuste Schaulustige an den Unglücksort: Ein Strand im abgelegenen Westen namens „Playa de Garcey“, wo oft hohe und gefährliche Wellen herein rollen, und der nur über eine Schotterpiste erreicht werden konnte. Die heftige Brandung sorgte dafür, dass das monströse Geisterschiff bald auseinanderbrach. Das Heck wurde schon binnen weniger Jahre komplett weggefressen, die letzten Reste des Buges versanken erst vor kurzem in den Fluten.

Nach dem Unglück fühlte sich plötzlich niemand mehr verantwortlich für die Schiffsruine, die für einige Abenteurer zum Sarg wurde

Auch wenn der Schiffbruch im Januar 1994 zunächst keine Opfer forderte, lockte das zernagte Wrack in Strandnähe doch mindestens - nach offizieller Zählung - sieben Menschen in den Tod. Die Einheimischen wissen sogar von mehr Toten zu berichten. Einige starben durch Unfälle in der löchrigen Ruine, beim Klettern an der meterhohen Bordwand, andere in den gefährlichen Strömungen, die sich zwischen Strand und Bootsrumpf gebildet hatten. Regelmäßig mussten Rettungshubschrauber ausrücken und übermütige Wrack-Touristen aus dem Wasser retten.

Nach dem Schiffbruch stritten monatelang Behörden, der Reeder und die Versicherung um das Schicksal des Wracks. Der Schiffseigner wollte seinen fahruntüchtigen Kahn nicht mehr und lieber die Versicherungssumme kassieren. Nie bewiesene Gerüchte über Versicherungsbetrug machten die Runde. Jedenfalls ein unrühmliches Ende für den einst so stolzen Transatlantikliner, der schon 1940 für 1200 Passagiere gebaut worden war und dann zunächst als „S.S. America“ die Weltmeere befuhr. Ralph Schulze

Fanden Sie diesen Bericht interessant? Dann empfehlen Sie doch bitte SPANIEN LIVE und diesen Artikel weiter!

Mehr zum Thema Kanaren in SPANIEN LIVE, reden Sie mit in Facebook SPANIEN LIVE

Pin It
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste.
Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.