Immobilien_auf_Teneriffa

Gefährliche Träume von Palmen und südlichem Flair: In Urlaubslaune sollte man besser keine Immobilien kaufen oder Verträge über Timesharing abschließen. (Bild: Spanienlive.com) 

SPANIEN LIVE Service - Die Betrugsmasche ist alt, doch der Trick funktioniert immer wieder, um gutgläubige ausländische Urlauber in Spanien über den Tisch zu ziehen. Die Rede ist vom unseriösen Handel mit Teilzeit-Ferienwohnrechten (Timesharing), der vor allem auf den Kanarischen Inseln, an der Costa del Sol und an der Costa Brava weit verbreitet ist. Immerhin gelang es der Polizei in den letzten Jahren, mehrere Betrügerbanden, etwa auf Teneriffa und Gran Canaria, zu zerschlagen. Doch die Gefahr ist keineswegs gebannt: Jedes Jahr gehen tausende Touristen den Timesharing-Haien auf den Leim; Rücktritt und Kündigung sind dann nicht so einfach.  

Einige Betrüger haben sich inzwischen sogar darauf spezialisiert, Urlauber anzusprechen, die bereits auf die Timesharing-Masche reinfielen und nun nach der Enttäuschung möglichst schnell ihre Anteile verkaufen wollen. An potentiellen Kunden mangelt es da nicht, weil viele Timesharing-Besitzer ihre Traumurlaub- und Renditeerwartungen nicht erfüllt sehen und ihre Anteile umgehend wieder abstoßen wollen – was nicht einfach ist.

Manche Timesharing-Kunden werden gleich doppelt betrogen: Erst beim Kauf ihres Ferienwohnrechtes und dann auch beim Verkauf

Davon profitieren die Gauner, welche sich als Immobilienvermittler vorstellen und den Verkaufswilligen attraktive Angebote machen. Dabei geben sie vor, gegen eine im Voraus zu zahlende Kommission den Verkauf abzuwickeln, um dann aber mit dem Geld zu verschwinden. So kann es durchaus sein, dass Timesharing-Besitzer gleich zwei Mal über den Tisch gezogen werden.

Die europäischen Konsulate und Botschaften in Spanien wissen ein Lied von diesem Doppelbetrug zu singen: Diplomaten warnen, dass in „einer Vielzahl von Fällen“ die am Verkauf interessierten Timesharing-Eigentümer „nach Vorauszahlung der Gebühren an die vermeintlichen Immobilienmakler von diesen nie wieder etwas gesehen haben“. Zuweilen fragen die Betrüger auch nach Bankverbindungen, „um dann mittels gefälschter Unterschriften“ von den Konten Geld abzuheben.

Unterschreiben Sie besser keine Immobilienverträge in Urlaubslaune - Seriöse Anbieter lassen Ihnen Zeit zum Nachdenken

Nicht nur beim Verkauf, sondern schon beim Kauf von Timesharing-Eigentum sei Vorsicht geboten. Da zum Beispiel Kriminelle Ferienwohnrechte verkaufen wollen, die gar nicht existieren, heißt es weiter. Oder ein und dasselbe Wohnrecht mehrfach verkaufen.

Zudem werden die Timesharing-Angebote oder auch dubiose Ferienclub-Anteile oftmals mit falschen Versprechen garniert, warnt die Europäische Verbraucherzentrale. „Bei näherer Betrachtung sind solche Mitgliedschaften teuer und risikoreich.“ Über die hohen Nachfolgekosten werden die potentiellen Käufer in vielen Fällen ebenfalls nicht informiert. „Timesharing lohnt fast nie“, warnt die deutsche Stiftung Warentest.

Grundsätzlich gilt daher die Empfehlung: Nicht in Urlaubslaube mal eben einen Vertrag unterschreiben. Es könnte teuer zu stehen kommen, auch wenn der Verbraucherschutz und die Rücktrittsrechte inzwischen in der Europäischen Union gestärkt worden sind.

Die Kunden werden mit Tricks und Gewinnversprechen zu den Verkaufsgesprächen gelockt - „Alkoholische Getränke und skrupellose Verkäufer“

Der erste Timesharing-Kontakt findet meist irgendwo auf der Straße statt: Die Touristen werden von „Drückern“ oft unter einem Vorwand in Verkaufsgespräche verwickelt. Etwa mit dem Lotterietrick, bei dem den unbedarften Urlaubern auf der Straße ein Gewinnlos in die Hand gedrückt wird, dessen Prämie sie sich andernorts abholen sollen.

Auch mit „Meinungsumfragen“ oder angeblichen Gratisausflügen wird geködert. Dann wechseln die Straßendealer zum Thema Timesharing, versprechen hohe Renditen, die sich später als Lüge entpuppen, wissen die Verbraucherschützer.

Am Verhandlungsort werden die Touristen „oft unter Einfluss von alkoholischen Getränken von skrupellosen Verkäufern bearbeitet und regelrecht unter Druck gesetzt, bis sie eine Vertragsunterschrift und noch vor Ort eine Vorauszahlung leisten“, warnen die deutschen Sicherheitsbehörden. Am besten sei es, sich gar nicht erst auf solche Immobilien-Verkaufsgespräche einlassen, die man nicht selbst angebahnt und geplant habe. 

Weitere Tipps und Ratschläge zum Thema Timesharing finden Sie bei den Verbraucherzentralen: Etwa bei der Verbraucherzentrale NRW und beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland. Ralph Schulze

STICHWORT: WAS IST TIMESHARING?

Beim Time-Sharing wird das Recht verkauft, für eine bestimmte Zeit im Jahr ein voll ausgestattetes Appartement in einer Ferienanlage oder einem Hotel während des Urlaubs bewohnen zu dürfen. Dieses Feriennutzungsrecht wird vertraglich für einen Zeitraum von mindestens mehr als einem Jahr bis zu 99 Jahren oder auch zeitlich unbegrenzt übertragen.

Der Urlauber zahlt bei Vertragsbeginn einmalig einen Betrag, der je nach Laufzeit des Vertrages und saisonbedingt zwischen 2.500 Euro und 25.000 Euro betragen, manchmal aber auch darüber liegen kann.

Time-Sharing birgt unserer Auffassung nach erhebliche finanzielle Risiken und Nachteile in sich. Es kann daher nicht grundsätzlich als günstige Alternative zur Pauschalreise oder anderen Urlaubsformen angesehen werden.

Einerseits sind die verlangten Preise pro gekaufter Woche unseres Erachtens in vielen Fällen zu hoch. Selbst wenn der Verkäufer um einige tausend Euro heruntergeht und von einem "einmaligen Angebot" spricht, ist Time-Sharing immer noch sehr teuer. Zudem müssen Sie - anders als bei sonstigen Urlaubsformen etwa einer Pauschalreise - das Wohnrecht für Jahre im Voraus bezahlen.“ Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Pin It
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste.
Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.