Immobilien Betrug auf Mallorca

Ein Haus mit Pool und Meerblick, wie auf diesem Symbolfoto – ein schöner Traum. Aber Vorsicht, auf dem Immobilienmarkt tummeln sich schwarze Schafe. Auf Mallorca wurden hunderte Käufer über den Tisch gezogen. (Bild: SpanienLive.com)

SPANIEN LIVE – 11.09.2018 – Das Angebot des Immobilienunternehmens war verlockend: nagelneue Traumhäuser und Wohnungen auf Mallorca zum Schnäppchenpreis. Viele Immobiliensuchende griffen zu und leisteten hohe Anzahlungen. Auch etliche ausländische Käufer, die von einer Immobilie auf der spanischen Ferieninsel träumten, ließen sich verleiten. Bis sie alle nach einigen Monaten feststellen mussten, dass sie einem Betrug aufgesessen waren und ihr Geld spurlos verschwunden ist.

Inzwischen ist der Chef dieses betrügerischen Immobiliennetzwerkes, ein 46-jähriger Spanier, über alle Berge. Er liebte schnelle Autos. Und er war ein viel gesehener Gast im Spielkasino der Inselhauptstadt Palma, wo er wegen seiner Haarfarbe und des Haarschnitts auch unter dem Namen „Donald Trump“ bekannt war. Nun wird er von Interpol gesucht.

Zwei seiner Mitarbeiter sitzen auf Mallorca in Untersuchungshaft. Insgesamt wird gegen mehr als zehn Personen wegen Betrugs, Dokumentenfälschung und Geldwäsche ermittelt. Bei dem Schwindel machten offenbar mehrere Immobilien- und Baufirmen mit. Der Fall gilt mittlerweile als der wohl größte Immobilien-Kriminalfall in der Geschichte Mallorcas.

Wenigstens 200 Immobilieninteressenten sollen in den letzten zwei Jahren über den Tisch gezogen worden sein. Sie alle hatten einen Kaufvertrag für ein Einfamilienhaus oder ein Apartment unterschrieben. Durchweg Neubauprojekte, die sie auf der Basis schöner Hochglanzprospekte und blumiger Verkaufsgespräche erworben hatten. Sie hatten sich verpflichtet, schon vor Baubeginn wenigstens zehn Prozent des Baupreises zu bezahlen.

Erst als die Bauarbeiten nicht wie zugesagt begannen und sie vom Immobilienunternehmen immer wieder vertröstet wurden, schöpften die Käufer Verdacht. Sie schalteten einen Anwalt ein, der herausfand, dass die angeblichen Neubauprojekte Lug und Trug waren: Es gab weder Baugrundstücke noch Baugenehmigungen der Behörden. Etliche dieser angeblichen Traumhäuser, die in Palma und in anderen mallorquinischen Orten entstehen sollten, waren zudem gleich mehrfach verkauft worden.

Inzwischen haben sich die geprellten Immobilienkäufer in einer Interessengemeinschaft organisiert in der Hoffnung, vielleicht doch noch etwas von ihrem Geld zurückzubekommen. Doch derzeit sieht es eher schlecht aus. Der Chef dieser Betrügerbande, der auf Mallorca auf großem Fuß lebte, hat sich offenbar nach Kolumbien abgesetzt. Sein Immobilienunternehmen, das unter dem Namen „Lujo Casa“ in der Inselhauptstadt Palma firmierte, löste sich ebenfalls in Luft auf.

Die hohen Anzahlungen für die Neubauprojekte waren von der Immobilienfirma anscheinend nicht, wie es in Spanien gesetzliche Pflicht ist, mit einer Bankbürgschaft oder Rückzahlungsversicherung abgesichert worden. Laut Gesetz müssen den Käufern bei solchen Anzahlungen eigentlich entsprechende Garantien übergeben werden, damit sie im Falle von Problemen ihr Geld wiedersehen.

Die Betrogenen machen sich nun, nach der Flucht des Bosses der betrügerischen Immobilienfirma, auf das Schlimmste gefasst: „Jetzt können wir nur noch beten, dass „Charly“, wie er von seinen Freunden genannt wurde, nicht alles Geld in Spielkasinos, Luxushotels und Champagner verprasst hat“, schreiben sie in einem gemeinsamen Kommuniqué. Insgesamt soll „Charly“ rund sieben Millionen Euro ergaunert haben. red

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