Zika Virus in Spanien Ansteckungsgefahr

Der Zika-Virus in Spanien: Die asiatische Tigermücke, die sich am Mittelmeer und auf Mallorca ausbreitet, kann möglicherweise den Erreger übertragen - endgültig bewiesen ist dies aber noch nicht. (Bild: Pixabay)

SPANIEN LIVE - 01.08.2016 - Kann man sich auch in Spanien mit dem Zika-Virus anstecken? Bisher ist dies eher unwahrscheinlich. Nach Angaben der spanischen Gesundheitsbehörden wurde bis Ende Juli 2016 erst ein Ansteckungsfall innerhalb Spaniens bekannt. Diese Ansteckung erfolgte nach den vorliegenden Erkenntnissen aber wohl nicht durch einen Moskitostich, sondern vermutlich durch Sexualverkehr. Es wurden in Spanien bis Juli jedoch bereits annähernd 200 aus anderen Ländern eingeschleppte Zika-Fälle registriert.

Spanien ist nach Frankreich eines jener Länder, aus dem bisher die meisten Zika-Infektionen innerhalb der Europäischen Union gemeldete wurden. Dem spanischen Gesundheitsministerium zufolge wurden bis Ende Juli 2016 190 Zika-Fälle entdeckt. Davon seien 189 eingeschleppt worden. Nur ein Fall sei auf Ansteckung in Spanien zurückzuführen. Innerhalb der gesamten Europäischen Union wurden nach Angaben des EU-Präventionszentrums in Stockholm bis Juli 2016 1062 Fälle gemeldet. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten koordiniert den Kampf gegen den Zika-Virus innerhalb der EU.

Um einem Infektionsrisiko in Spanien entgegenzuwirken, haben die spanischen Behörden begonnen, die asiatische Tigermücke zu bekämpfen, die sich am spanischen Mittelmeer von der Costa Brava bis zur Costa del Sol und auch auf der Urlaubsinsel Mallorca ausbreitet. Es wird vermutet, dass die Tigermücke (Aedes albopictus) den Virus beim Stich von einer erkrankten Person aufnehmen und dann weiterverbreiten kann. Dies ist wissenschaftlich aber noch nicht völlig bewiesen.

Die Tigermücke sticht übrigens auch mitten am Tag zu. Und ihre Stiche sind etwas schmerzhafter als jene ihrer heimischen Artgenossen. Am Besten schützen sich empfindliche Personen in Mückenregionen mit einem Moskitoschutzmittel.

Vom Zika-Virus Infizierte können grippeähnliche Symptome spüren, die nach ein paar Tagen wieder abklingen. Bei Schwangeren besteht jedoch das Risiko von Fehlbildungen des Fötus. Bei meist unkompliziert verlaufenden Zika-Infektionen werden schmerz- und fiebersenkende Medikamente, viel Ruhe und ausreichend Flüssigkeit empfohlen. Weitere Infos zu Risiken, Ansteckungsgefahr und Vorbeugung gibt es beim Robert-Koch-Institut

Im Juli 2016 war in Spanien das vermutlich erste Zika-Baby mit Hirnschäden in Europa geboren worden. Es kam im Universitätskrankenhaus Vall d'Hebron im spanischen Barcelona auf die Welt.

Die Mutter des Babys hatte sich auf einer Lateinamerika-Reise mit dem Zika-Virus angesteckt - vermutlich durch einen Moskitostich. Im Mai 2016 war festgestellt worden, dass der Fötus eine Fehlbildung des Kopfes aufwies. Dabei handelte es sich um eine vom Zika-Erreger verursachte Mikrozephalie. Bei dieser Fehlbildung weist der Schädel einen kleineren Umfang als üblich auf - das Gehirn ist entsprechend geringer entwickelt.

Die Eltern seien damals über die Fehlentwicklung aufgeklärt worden, teilten die Ärzte mit. Sie hatten sich gegen einen Schwangerschaftsabbruch entschieden.

Die Schwere der Hirnschädigung werde man erst nach weiteren Untersuchungen absehen können, erklärten die Mediziner. „Das Leben und die Entwicklung dieses Babys werden von den Komplikationen abhängen, die sich bei einem Menschen ergeben können, dessen Gehirn nicht genügend gewachsen ist und nicht gut funktionieren wird.“ Wahrscheinlich werde das Kind auch im Erwachsenenalter „sehr abhängig von Pflegepersonen“ sein.

Bis Ende Juli 2016 sind innerhalb der Europäischen Union erst drei Mikrozephalie-Fälle entdeckt worden: Ein Baby kam nun im Juli in Spanien zur Welt. Ein zweiter Fall wurde ebenfalls bei einer Schwangeren in Spanien entdeckt. Es wurde aber nicht bekannt, ob die Mutter die Schwangerschaft austragen wird. Ein dritter Fall war aus Slowenien gemeldet worden, wo sich die Mutter jedoch offenbar für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden hat.

Alle drei Frauen hatten sich bei Reisen in Lateinamerika angesteckt, berichtete das EU-Präventionszentrum in Stockholm. In Lateinamerika, vor allem im vom Virus stark betroffenen Brasilien, gibt es bereits hunderte von Mikrozephalie-Fällen. Ralph Schulze

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