Hospital-Sanitas-La-Zarzuela

Private Klinik in Madrid: Wer schnell operiert werden will, geht lieber in die private Klinik. (Bild: san)

SPANIEN LIVE Service – Spaniens staatliche Gesundheitsversorgung ist gut, doch mit einer zusätzlichen privaten Krankenversicherung in der Tasche ist man noch besser versorgt. Die meisten Spanier, die es sich finanziell leisten können, sind daher auch noch bei einer privaten Krankenkasse angemeldet. Vor allem um sich lange Wartezeiten im öffentlichen Gesundheitswesen zu ersparen. Und auch weil man als Privatpatient den Hausarzt, Facharzt und das Krankenhaus frei wählen kann.

Die privaten Krankenversicherungen sind in Spanien noch immer ausgesprochen günstig. Schon für weniger als 50 Euro im Monat kann man als Einzelperson eine Basis-Privatversicherung abschließen - mit zunehmendem Alter wird es teurer. Auch wenn man Zahnbehandlung, komplette Krankenhausbehandlung und bestimmte Risikotätigkeiten einschließen will, kostet es mehr.

Medikamente werden von den privaten Kassen meist nicht bezahlt – Das öffentliche Gesundheitssystem übernimmt hingegen einen Teil der Medizinkosten

Die privaten Anbieter wie etwa Sanitas, Adeslas, Asisa, DKV, Caser haben eigene Vertragsärzte und gut ausgestattete internationale Kliniken. Sie bieten individuelle Krankenzimmer statt Mehrbettzimmer und freiere Arztwahl. Beides ist in der öffentlichen Gesundheitsversorgung mit vom Staat geführten Kliniken und Arztpraxen nicht sehr weit verbreitet.

Auch kann man als Privatpatient mit dem Spezialisten direkt einen Termin ausmachen, muss also nicht erst durch einen Hausarzt überwiesen werden und dann lange auf den Facharztbesuch warten. In einigen Fällen müssen aufwendige Untersuchungen allerdings telefonisch autorisiert werden, in der Regel reicht aber beim Spezialistenbesuch die Vorlage der Versicherungskarte.

Dafür müssen bei den privaten Kassen normalerweise die Medikamente selbst bezahlt werden, während die staatliche Versicherung bei Erwachsenen 60 Prozent der Kosten übernimmt und 100 Prozent bei Kindern und Rentnern. Außerdem zahlt man privat oft pro Untersuchung, Analyse oder Eingriff eine kleine Gebühr in Höhe von ein paar Euro.

Der Zahnarztbesuch muss in Spanien meistens privat bezahlt werden - Mit einer Extra-Versicherung wird es aber billiger

Zahnbehandlung muss man in Spanien meistens aus der eigenen Tasche bezahlen. Die staatliche Seguridad Social zahlt nur das Zähneziehen und hat zudem kaum eigene Zahnärzte. Der Zahnarztbesuch führt also praktisch immer in Privatpraxen. Soweit die Zahnbehandlung in die Privatversicherung eingeschlossen ist, fällt die Rechnung etwas niedriger aus, da die Zahnärzte mit den Privatkassen Sondertarife vereinbart haben.

Immerhin soll die staatliche Krankenkasse bei Kindern bis 15 Jahren neuerdings auch Untersuchungen, Fluorbehandlungen, Röntgenaufnahmen und Füllungen übernehmen. Diese Behandlung wird meist ebenfalls in privaten Kliniken, die Verträge mit dem Staat haben, durchgeführt. Die schrittweise Umsetzung dieser staatlichen Zahnarzt-Leistungen für die Kinder ist jedoch regional unterschiedlich und stockt zudem wegen Geldmangels.

Zahnspangen, um die ja kaum ein Kinde herumkommt, werden aber in keinem Fall von der Staatsversicherung übernommen. Diese Zahnklammer-Behandlungen können mit der privaten Zusatzversicherung günstiger sein. Allein dafür lohnt sich oft schon eine Privatversicherung, denn die Klammerbehandlung dauert erfahrungsgemäß ein paar Jahre mit Kosten in Höhe von mehreren tausend Euro.

Ohne die Entlastung durch die Privatärzte würde der Betrieb in den öffentlichen Kliniken vermutlich bald zusammenbrechen

Ein Vorteil der privaten Dienste ist auch der 24-Stunden Telefonservice, der im Notfall medizinische Fragen klärt und das mit Glück auch auf Englisch oder Deutsch. Einige Regionen, etwa Madrid, haben aber ebenfalls Dolmetscher in einigen großen öffentlichen Krankenhäusern zur Verfügung.

Das öffentliche Gesundheitssystem ist mangels ausreichender Ärztezahl und Investitionen vielerorts schlicht überlastet und würde ohne die parallele Privatversorgung wohl völlig zusammenbrechen. Spaniens Bevölkerung ist im letzten Jahrzehnt, auch durch mehrere Millionen Einwanderer, stark gewachsen - die Gesundheits-Infrastruktur hat damit nicht Schritt gehalten. Dennoch zeichnen sich die öffentlichen Kliniken durch hervorragende Ärzte mit sehr viel Erfahrung und guter Technik aus.

Die private Zusatzversicherung ist also ein kleiner Luxus, der aber durch die verhältnismäßig günstigen Tarife recht erschwinglich ist und auch viel Zeit sparen hilft. Es lohnt sich freilich vor dem Abschluss, die Angebote und Leistungen verschiedener Anbieter zu vergleichen. Auch kann, wer für eine größere Firma arbeitet oder Mitglied einer beruflichen oder gesellschaftlichen Organisation ist, auf günstigere Gruppentarife hoffen. Clementine Kügler

 

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