Organspenden in Spanien Weltrekord

Spanien ist führend bei Organspenden: Nirgendwo sonst auf der Welt ist die Spenderrate so hoch wie im spanischen Königreich. (Bild: Pixabay)

SPANIEN LIVE - 16.01.2018 - Jedes Jahr erreichen die Spanier beim Organspenden neue Höchstmarken, welche die ganze Welt vor Neid erblassen lassen. Südlich der Pyrenäen ist die Bereitschaft, nach dem Tod Nieren oder Leber zu spenden, mehr als doppelt so hoch wie im EU-Schnitt. Und sogar nahezu fünf Mal größer als in Deutschland. Wie machen die Spanier das nur?

Hinter diesen Rekordspenden stecke nicht nur die große Solidarität im Land, sagt Beatriz Domínguez-Gil, Chefin der Nationalen Organisation für Transplantationen (ONT). Auch die beispielhafte Schulung und gute Koordination in den Krankenhäusern mache sich bemerkbar. Diese ausgetüftelte Transplantationslogistik, die weltweit als „spanisches Modell“ bekannt wurde, wird inzwischen von der EU-Kommission zur Nachahmung empfohlen. Kroatien und Portugal haben das spanische System bereits kopiert, dort ist die Spenderquote inzwischen ebenfalls überdurchschnittlich hoch.

Jahr für Jahr steigt im Königreich die Zahl der Organspenden: In 2017 konnte sich die ONT-Chefin Domínguez-Gil erneut über einen Zuwachs von gut acht Prozent freuen. Mit 46,9 Spendern pro einer Million Einwohner habe man schon wieder eine Bestmarke erzielt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Spanien bei der Spenderrate die globale Nummer eins - ein Land mit Herz.

Insgesamt wurden in 2017 in Spanien genau 2183 Personen nach dem Tod 5259 Organe entnommen. Vor allem Nieren, Leber, Herzen und Lungen wurden transplantiert.

Zum Vergleich: Im EU-Schnitt ist die Neigung, Organe zur Verfügung zu stellen, mit etwa 20 Spendern pro einer Million Einwohnern nicht einmal halb so groß.

In Deutschland sieht es sogar noch schlechter aus: Nach Angaben der Stiftung für Organtransplantation in Frankfurt kam man in 2017 nur auf eine statistische Quote von 9,7 Spendern pro einer Million Einwohner – weniger als im Vorjahr.

Das Erstaunliche beim viel bewunderten „spanischen Modell“ ist, dass es weitgehend ohne Organspenderausweise oder Patientenverfügung auskommt, mit denen man zum Beispiel in Deutschland versucht, die Spenderquote zu erhöhen. Stattdessen erweist sich ein unbürokratisches Organgesetz als hilfreich, das im Prinzip jeden als potenziellen Organspender ansieht, der nicht ausdrücklich widersprochen hat. Die Familie behält aber auch bei diesem Modell das letzte Wort.

„Die spanischen Bürger haben weltweit die besten Chancen, ein Transplantationsorgan zu bekommen“, heißt es bei der ONT. Trotz dieser guten Bilanz könnten es auch in Spanien noch mehr Spender sein, denn Ende 2017 standen 4896 Menschen auf der Warteliste.

Aber die Spenderzahl in Spanien „wird weiter wachsen“, prophezeien die ONT-Experten. Parallel werde die Effizienz in den 188 am nationalen Transplantationssystem angeschlossenen Krankenhäusern verbessert.

Entscheidend sei dabei, dass es in jedem Hospital einen besonders ausgebildeten Transplantations-Beauftragten gebe, der zusammen mit den Fachärzten nach potentiellen Spendern Ausschau hält. Und der dann frühzeitig das Einverständnis der Todkranken oder ihrer Angehörigen einholt - nur rund 13 Prozent der Familien stimmten einer Organentnahme nicht zu. Ralph Schulze

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