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Doppelmord in Murcia: Ingrid Visser und Lodewijk Severein. (Bild: privat)

SPANIEN LIVE – 27.05.2013 – Überall in der Stadt hängen noch Suchposter: „Vermisst in Murcia“, steht in roten Buchstaben unter jenem Riesenbild, auf dem die niederländische Volleyball-Legende Ingrid Visser (35) und ihr Lebensgefährte Lodewijk Severein (57) zu sehen sind. Ein Foto aus glücklichen Tagen des prominenten holländischen Sportler-Paares, das Mitte Mai zu einem Kurztrip in die südspanische Stadt Murcia gekommen war und seit zwei Wochen vermisst wurde.

Dann die grausige Nachricht: Die spanische Polizei entdeckte nach langer Suche am Abend des 26. Mai 2013 die Leichen der beiden Holländer, deren Verschwinden in den Niederlanden wie in Spanien großes Aufsehen erregt hatte. Polizisten fanden ihre Körper einige Kilometer außerhalb der Stadt, zerstückelt und verscharrt auf einer abgelegenen Zitronenplantage. Ein Horrormord ganz im Mafiastil.

Die prominente Sportlerin und ihr Lebensgefährte wollten eine Privatklinik in der Stadt besuchen, kamen dort aber nie an – Zunächst wurde der Mietwagen gefunden

Ein Behördensprecher in Murcia teilte mit, dass drei Verdächtige, ein Spanier und zwei Rumänen, festgenommen wurden. Und zwar in der nördlich gelegenen Stadt Valencia, rund 220 Kilometer vom Tatort entfernt. Die drei werden von der Polizei als mutmaßliche Tatbeteiligte angesehen.

Die genauen Hintergründe der Bluttat sind noch unklar, auch wenn man inzwischen weiß, dass die Opfer wohl wenigstens einen der Verdächtigen kannten. Der festgenommene Spanier ist der frühere Geschäftsführer jenes Volleyball-Erstligaklubs in Murcia, für den Visser von 2009 bis 2011 gespielt hatte.

Die Rekord-Nationalspielerin Ingrid Visser und Lodewijk Severein, Geschäftsmann und Volleyball-Manager, waren am 13. Mai 2013 von Amsterdam nach Alicante geflogen. Am Flughafen mieteten sie einen Wagen und fuhren Richtung Süden in die 75 Kilometer entfernte Stadt Murcia.

Dort hatte Ingrid Visser einen Termin in einer privaten Befruchtungsklinik, wo sie in Behandlung war. Offenbar war sie schwanger und kam zu einer Kontrolluntersuchung. Tausende kinderlose Frauen aus Europa kommen jedes Jahr für eine künstliche Befruchtung nach Spanien, wo die gesetzlichen Hürden für diesen medizinischen Eingriff niedrig sind.

Doch in der Klinik in Murcia, wo das Paar am 14. Mai erscheinen wollte, kamen die beiden nie an. Sie wurden zuletzt am 13. Mai in ihren Hotel in Murcia gesehen. Am 15. Mai wollten sie nach Amsterdam zurückfliegen. Ihr Mietauto lokalisierte man nach einer Woche, nicht weit vom Hotel entfernt und ordentlich geparkt, am Straßenrand.

Die Leichen wurden in einem Erdloch auf einer Zitronenplantage außerhalb der Stadt entdeckt – Ingrid Visser kannte Murcia gut: Sie hat dort zwei Jahre gespielt

Eine Sonderkommission fand schließlich eine Spur, die zu der Kleinstadt Molina de Segura rund 20 Kilometer vor den Toren Murcias führte. Dort habe man in einem abgelegenen Landhaus Hinweise auf eine Bluttat gefunden, berichtete die Polizei.

Offenbar haben die beiden Holländer dort am 13. Mai ihre späteren Mörder getroffen. Möglicherweise seien sie mit einem Vorwand dorthin gelockt worden, denn sie seien „freiwillig“ dorthin gefahren, wie die Polizei betont, eine Entführung werde ausgeschlossen. Bei diesem Treffen sei es dann zu einem „heftigen Streit um Geschäfte“ gekommen.

Ging es etwa um Drogengeschäfte? Dafür habe man derzeit keine Belege, hieß es seitens der Polizei. Man könne bisher nur sagen, dass es um Geld gegangen sei, und dass diese strittigen Geschäfte wohl nichts mit der sportlichen Karriere Vissers zu tun hatten. Es war auch spekuliert worden, dass ein Streit um noch ausstehende Gehälter an Ingrid Visser aus ihrer Zeit als Spielerin beim Volleyball-Klub Murcia zugrunde lag. 

Dem Vernehmen nach ging es aber sehr wohl um größere Schulden, aber wohl aus einem anderen gemeinsamen „Geschäft“. Möglicherweise ging es um Investitionen in Mamor, auch von Geldwäsche ist die Rede. Die Informationen sind noch widersprüchlich: Einige spanische Zeitungen wollen wissen, dass der spanische Verdächtige bei Severein ziemlich hoch in der Kreide gestanden habe. Andere Medien berichten genau das Gegenteil: Severein und Visser hätten eine hohe Summe geschuldet.

Auch der frühere Besitzer des Volleyballclubs, in schillernder Unternehmer aus der Region, geriet ins Zwielicht. Sein ehemaliger und wegen der Blutat festgenommener Geschäftsführer soll, einem Zeitungsbericht zufolge, seinen früheren Chef im Polizeiverhör beschuldigt haben, der wahre Anstifter dieser Horrortat zu sein. Demzufolge soll auch dieser Ex-Klubbesitzer dubiose Geschäfte mit den Holländern unterhalten haben, was dieser jedoch bestreitet.

Wie auch immer: Der umstrittene und noch ziemlich geheimnisvolle Deal war offenbar so heiß, dass die Holländer für immer aus dem Weg geräumt werden sollten.

Manches deutet darauf hin, dass der Mord an den Holländern schon länger geplant war. Eigens dafür war offenbar ein einsames Landhaus in der Nähe Murcias angemietet und die beiden rumänischen Killer angeheuert worden. Das Sportler-Paar sei vermutlich in dem besagten Landhaus erst geschlagen, gefoltert und dann ermordet worden hieß es. Schließlich seien die Körper zersägt und in Mülltüten abtransportiert worden, verlautete aus Polizeikreisen. Die Leichenteile wurden etwa 30 Kilometer entfernt in einer einsamen Zitronenplantage gefunden - vergraben in einem Erdloch.

Ingrid Visser und Lodewijk Severein kannten sich in Murcia gut aus. Der holländische Volleyball-Star spielte von 2009 bis 2011 für den Erstliga-Klub CAV Murcia und lebte in dieser Zeit mitsamt Partner in der Stadt. Auch nach der Rückkehr in die Heimat waren Visser und Severein in den letzten Jahren öfter nach Murcia geflogen.

Murcia ist eine südspanische Großstadt mit 450.000 Einwohnern, rund 40 Kilometer von den Mittelmeer-Stränden entfernt. Dort hatten die beiden viele Kontakte. Und wohl auch noch ein paar ungelöste Probleme. 

Familie und Freunde starteten Suchkampagne - Bitte um Hinweise mit Plakaten und im Internet – Ingrid Visser spielte mehr als 500 Mal im holländischen Nationaltrikot

Nach dem rätselhaften Verschwinden des Paares hatten Angehörige die Polizei alarmiert und eine öffentliche Suchkampagne gestartet. Freunde und Familie kurbelten eine Hilfsaktion an: In der Stadt Murcia wurden Suchplakate geklebt. Auf einer Internetseite und in den sozialen Netzwerken informierte man über den Fall. Und bat um Hinweise auf das Paar, das in Spanien eine auffallende Erscheinung war: Beide maßen mehr als 1,90 Meter.

Ingrid Visser war mit über 500 Einsätzen für das holländische Volleyballteam die Rekordnationalspielerin der Niederlande. Sie beendet ihre Karriere im Nationalteam Anfang 2012. Mit der niederländischen Mannschaft gewann sie 1995 die Europameisterschaft und 2007 den World Grand Prix, einen prestigeträchtigen internationalen Wettbewerb im Frauen-Volleyball.

In der Saison 2007/2008 wurde sie mit dem niederländischen Klub Martinus Amstelveen Volleyball-Meister. Danach ließ sich Ingrid Visser von ausländischen Klubs abwerben: Erst spielte sie im russischen Sankt Petersburg, dann im Volleyballklub Murcias. Ralph Schulze

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