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Prostitution in Spanien

Prostitution in Spanien: Mangels gesetzlicher Schranken blüht das Geschäft wie in kaum einem anderen Land Europas. Soziologen sehen Spanien schon als Paradies für den Sextourismus. (Bild: Pixabay)

SPANIEN LIVE - 28.10.2016 - Auf Mallorca blüht nicht nur das Urlaubsgeschäft, sondern auch der Sextourismus. An den touristischen Vergnügungsmeilen, der bei Deutschen beliebten Hochburg Playa de Palma wie im britischen Sündenort Magaluf, konkurrieren immer mehr Sexklubs, inoffizielle Bordelle in Appartements, Escort-Services und Straßenprostituierte um Kunden. Inselzeitungen und elektronische Medien sind voll von Anzeigen, in denen sexuelle Dienste aller Art und aller Preisklassen angeboten werden.

Die Inselpolitiker haben bisher wenig Handhabe gefunden, um das parallel zum Tourismus wachsende Sexgewerbe, das dem Ruf der Insel nicht bekommt, unter Kontrolle zu bekommen. Anwohner protestieren derweil gegen den sich ausbreitenden „Schmuddeltourismus“. Ein Sittengesetz, mit denen man die Freier in Palma verfolgen wollte, wurde erlassen - und von einem Gericht wieder aufgehoben. Am Strand Magalufs wurden Flutlichtscheinwerfer installiert, um sexuelle Akte unter freiem Himmel in der Nacht zu unterbinden. Mallorca-Regierung wie Hoteliers werben verzweifelt für „mehr Qualitätstourismus“ - geholfen hat dies alles nicht viel.

Stattdessen machen Negativschlagzeilen die Runde: „Klauhuren“ bestehlen immer wieder nichts ahnende Freier in den Urlaubsbastionen. Der frühere deutsche Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth wartet auf Mallorca auf seine Anklage, weil er nach Erkenntnissen der Polizei auf der Ferieninsel anscheinend mit unlauteren Methoden im lukrativen Prostitutionsgeschäft mitmischen wollte. Gegen mehrere Polizisten und frühere Kommunalpolitiker wird wegen ähnlicher Vorwürfe ermittelt. Die Kripo berichtet über Zuhälterringe, die auf der Insel Immigrantinnen unter sklavenähnlichen Bedingungen halten und zur Prostitution zwingen.

„Es gibt reichlich Unterhaltungsangebote für Erwachsene auf Mallorca - und du musst nicht lange danach suchen“, schreibt derweil ein einschlägiger Szene-Reiseführer über die Insel. Und über das ganze spanische Königreich heißt es euphorisch im selben Internet-Sexguide: „Spanien ist auf dem Wege, eines der populärsten Reiseziele der Welt für Sextouristen zu werden.“ Eine Tendenz, die von Soziologen der Madrider Universität Comillas bestätigt wird, die ihrerseits davor warnen, dass Spanien, wo die Prostitution bis heute kaum gesetzlich geregelt ist und dem Sexgeschäft somit viel Freiheit lässt, „zum Thailand Europas“ werden könne.

Allein in Mallorcas Inselhauptstadt Palma haben Behörden und Sozialdienste rund 2000 Prostituierte registriert. Zählt man die große Dunkelziffer hinzu, dann dürfte die wahre Zahl der Sexarbeiterinnen auf der Insel ein Vielfaches davon sein. Im ganzen Königreich sollen nach einer Schätzung des Nationalen Statistikamtes mehrere hunderttausend Prostituierte, die in Spanien „putas“ genannt werden, ihre Dienste anbieten. Ein Zweig, der zu einem wichtigen Faktor der spanischen Schattenwirtschaft geworden ist. Nach Berechnungen der Statistikbehörde stellt das horizontale Gewerbe bereits 0,35 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung.

Ziemlich nackte Tatsachen sorgen an Spaniens Landstraßen derweil für Unfälle, weil dort leicht bekleidete Prostituierte die Verkehrssicherheit gefährden. Manche Fernstraßen gleichen eher einem Rotlichtviertel als einer Verkehrsverbindung. Besonders in der Umgebung der Urlaubshochburgen an der Küste hat sich das Sexgeschäft entwickelt. An der Grenze zu Frankreich laufen die Geschäfte ebenfalls gut, weil beim Nachbarn Bordelle verboten sind und weil dort gegen Straßenprostitution vorgegangen wird. Im spanischen Grenzort La Jonquera wirbt das „Paradise“ damit, das „größte Bordell Europas“ zu sein. 

Derweil ist im immer noch ziemlich katholisch geprägten Spanien alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. Verboten ist zum Beispiel, die schlüpfrigen Dienste in der Nähe von Schulen anzubieten. Auch versuchen einige spanische Städte, die Straßendirnen aus den Innenstädten zu verdrängen. Mit dem Ergebnis, dass die Sexarbeiterinnen nun die abseits liegenden industriellen Gewerbegebiete bevölkern oder ihre Kunden in Appartements empfangen.

Die Blüte der Sexgeschäfte in Spanien hat aber nicht nur mit dem stark wachsenden Tourismus zu tun. Auch die männliche Bevölkerung des Landes greift offenbar gerne auf die Dienste der Prostituierten zurück: Eine neue staatliche Umfrage kam zu dem überraschenden Ergebnis, dass rund 20 Prozent aller Männer im vergangenen Jahr für sexuelle Dienste bezahlt haben. red

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