Haschisch am Strand

Schlag gegen Rauschgift-Mafia: Manchmal kann die Polizei die Haschisch-Schmuggler beim Ausladen der heißen Ware an einem südspanischen Strand fassen. (Bild: Policía Nacional)

SPANIEN LIVE - 20.05.2015 - Sie rasen meist nachts übers Meer. Mit schnellen Schlauchbooten, die auf mehr als 100 Stundenkilometer beschleunigen können. Und so meist der Küstenwacht entkommen. Die Drogenboote legen fast täglich irgendwo an der Nordküste Marokkos oder manchmal auch im benachbarten Algerien ab und steuern im Schutz der Dunkelheit südspanische Strände an. Dort wird die heiße Ware blitzschnell entladen und mit Geländewagen abtransportiert.

Der Schmuggel mit Haschisch übers Mittelmeer floriert dermaßen, dass die Sicherheitskräfte von einer „Drogenautobahn nach Spanien“ sprechen. Das nordafrikanische Land Marokko ist nach Afghanistan der zweitgrößte Haschischproduzent der Welt. Und durch die Nähe der spanischen Küste, die an der Meerenge von Gibraltar nur 14,5 Kilometer von Marokko entfernt ist, wurde das südeuropäische EU-Land zu Europas Einfallstor für Haschisch. „Das Mittelmeer ist die heißeste Haschischroute Europas“, heißt es in Spaniens Innenministerium.

Es ist ein Katz und Mausspiel, das sich regelmäßig vor der spanischen Südküste abspielt. Die Drogenfahnder versuchen, mit Hubschraubern und Patrouillenbooten das Meer zu überwachen. Wärmekameras und Radarantennen sollen helfen, auch bei Nacht und Nebel die Transporte aufzuspüren.

Und die Schmuggler geben, wenn sie entdeckt werden, Vollgas. Dank ihrer Millionenumsätze können sie sich modernste Highspeedboote leisten, die mit bis zu 1000 PS auf Tempo 120 beschleunigen. Auch hochmotorisierte Jetski werden benutzt. „Da kommen wir mit unseren Schiffe nicht mehr mit“, berichtet ein Beamter aus leidvoller Erfahrung.

Manchmal werden die Haschischballen sogar per Helikopter oder Sportflugzeug von Küste zu Küste transportiert. Eher kleinere Drogenmengen kommen zudem versteckt in Pkws oder Lastwagen, die mit den Mittelmeerfähren übersetzen.

Spaniens Antidrogenbehörde schätzt, dass höchstens jeder fünfte Transport übers Mittelmeer erwischt wird. Zwar beschlagnahmen die spanischen Fahnder immerhin jedes Jahr mehr als 300 Tonnen Haschisch. Doch wenigstens 1500 Tonnen dieses Rauschgiftes, das aus der Cannabispflanze gewonnen wird, kommen demnach jährlich ungehindert ins Land - und werden dann auf dem Landweg über ganz Europa verteilt.

Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge stammen rund 75 Prozent des in Europa konsumierten Haschischs aus Marokko, wo zehntausende Bauern im nördlichen Rif-Gebirge vom Cannabisanbau leben. Die Einnahmen der marokkanischen Drogenmafia, die einflussreiche Verbündete in Marokkos Sicherheits- und Staatsapparat haben soll, werden auf zehn Prozent des marokkanischen Bruttoinlandsproduktes geschätzt.

Das gut organisierte Geschäft übers Meer ist derweil weitgehend in der Hand spanischer Schmuggler, von denen viele aus der südspanischen Armutsprovinz Cádiz kommen. Eine Küstenregion mit mehr als 40 Prozent Arbeitslosigkeit, in der die Menschen in besseren Zeiten vom Fischfang und Schiffsbau lebten - und wo heute Haschischgeschäfte die Haushaltskasse mancher Familien aufbessern. Ralph Schulze

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