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Ingrid_Visser

Mit dem CAV Murcia feierte Ingrid Visser Erfolge: Links außen der frühere Geschäftsführer Juan Cuenca, der nun in Haft sitzt. Ein Ausschnitt aus der Zeitung „La Verdad“.

SPANIEN LIVE – 31.05.2013 – Ein paar zusammengebundene Orleanderzweige liegen auf der Erde. Die roten Blüten sind in der ziemlich heißen Frühlingssonne Südspaniens schon halb verwelkt. „In liebevoller Erinnerung“, steht auf einem Kärtchen. Dahinter sieht man eine kleine Tafel, die gegen einen Stein lehnt. Mit einem Vers in holländischer Sprache, in dem vom „wunderbaren Leben“ und vom „Abschiednehmen“ die Rede ist.

Der knochentrockene Boden drum herum ist aufgewühlt. Ein gruseliger Schauplatz eingerahmt von Zitronenbäumen. Hier fanden spanische Polizisten am 26. Mai 2013, in der Erde verscharrt und in Müllsäcken verstaut, die zerstückelten und angeblich auch mit Natronlauge verätzten Überreste des holländischen Volleyballstars Ingrid Visser (35) und ihres Lebensgefährten Lodewijk Severein (57). Das Paar war seit dem 13. Mai 2013 spurlos verschwunden.

Ein Mord im Mafiastil, der Züge einer eiskalten Abrechnung trägt - Die beiden Opfer wurden gefoltert - Zähne ausgerissen, Knochen gebrochen

Der Fundort liegt etwas abseits des beschaulichen 5000-Seelen-Dorfes Alquerías, zehn Kilometer außerhalb der Regionalhauptstadt Murcia. Und eine halbe Autostunde entfernt von jenem einsamen Landhaus nahe der Kleinstadt Molina de Segura, wo die beiden Holländer offenbar von zwei rumänischen Killern gequält und umgebracht wurden. In einer spanischen Mittelmeer-Region, in der jedes Jahr hunderttausende ausländische Urlauber ihre Ferien verbringen.

Ein immer noch mysteriöser Doppelmord, der Züge einer eiskalten Abrechnung trägt. Auch wenn der Ermittlungsrichter eine Nachrichtensperre verhängte, berichteten spanische Medien über grausame Einzelheiten, die in jeden Mafiafilm passen würden.

Einige Folter-Details: Dem männlichen Opfer Lodewijk Severein wurden offenbar nicht nur einzeln die Zähne ausgerissen. Sondern auch sämtliche Knochen gebrochen. Es spricht manches dafür, dass er und Ingrid Visser stundenlang misshandelt wurden. Warum? Sollten Informationen oder Zugeständnisse erpresst werden?

Zwei rumänische Killer und eine Spur, die zu Irene Vissers früherem Volleyballklub in Murcia führt - Früherer Geschäftsführer war offenbar an der Tat beteiligt

Sie starben nicht durch Schüsse oder Stiche, sondern wurden totgeprügelt, bestätigte Joaquín Bascuñana, Sprecher der Ermittlungsbehörden. Die Holländer sind schweren Kopfverletzungen erlegen. Wurden angeblich zersägt und mit Natronlauge übergossen. Und später verscharrt. Erst knapp zwei Wochen später entdeckten die Fahnder schließlich die vergrabenen Leichenteile. Nachdem sie von einem geständigen spanischen Tatbeteiligten zu der Erdgrube im Zitronenhain geführt wurden.

Dieser 36-jährige Spanier namens Juan Cuenca und die beiden rumänischen Auftragskiller, die auch in ihrem Heimatland ein dickes Strafregister haben sollen, sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Doch die Sonderkommission schließt nicht aus, dass sich hinter dieser Horrortat mehr verbirgt. Und dass die Hintermänner noch frei herumlaufen.

Zuvor hatte Polizeisprecher Bascuñana schon ein paar durch die Medienwelt schwirrenden Behauptungen widersprochen. Es gebe „keinen Beweis“, dass der spanische Tatverdächtige Cuenca diesen Doppelmord auch in Auftrag gegeben habe. Cuenca ist der frühere Geschäftsführer eines Erstliga-Volleyballklubs in Murcia, bei dem die Rekordnationalspielerin Ingrid Visser von 2009 bis 2011 unter Vertrag war.

Der Sportklub schuldete der Volleyballerin viel Geld - Aber auch angebliche gefährliche Geschäfte ihres Lebensgefährten könnten eine Rolle gespielt haben

Ein Klub, der 2011 Pleite ging, und Visser noch annähernd 100.000 Euro schulden soll. Aber diese Sportschulden hatte die Polizei als Motiv ausgeschlossen und stattdessen auf mysteriöse „Geschäfte“ verwiesen, welche Vissers Lebenspartner Severein, ein Volleyball-Manager und umtriebiger Geschäftsmann, in Spanien unterhalten haben soll. Gefährliche Geschäfte, in welche Ingrid Visser hineingezogen wurde?

Auch wenn die Polizei vermutlich schon mehr weiß, schweigen die Ermittler. Der Untersuchungsrichter hat höchste Geheimhaltung verfügt, nicht einmal die Anwälte der drei Verdächtigen haben derzeit Einsicht in die Akten. Umso mehr sprießen die Spekulationen, deren Wahrheitsgehalt sich derzeit nicht überprüfen lässt.

Zu dieser wirren Gemengelange gehört, dass Severein nicht nur mit Cuenca, sondern auch mit dessen Ex-Chef, dem früheren Volleyball-Klubbesitzer Evedasto Lifante, „Geschäfte“ gehabt haben soll. Dass die Geschäfte mit den beiden vielleicht nicht durchweg legal waren. Es ist die Rede von Geldwäsche, Diamantenhandel, dubiosen Investitionen in Steinbrüche.

Cuenca wie Lifante, die in alten Klubzeiten eng zusammenarbeiteten, werden finanzielle Probleme nachgesagt. Lifante, ein schillernder und einflussreicher Unternehmer aus der Region, wird inzwischen auch von der Polizei überprüft, wurde aber bisher nicht offiziell beschuldigt.

Die Polizei ist, mangels klaren Beweisen in dieser undurchsichtigen Geschichte, sehr vorsichtig: Der Fall sei noch nicht abgeschlossen, sagte Behördensprecher Bascuñana ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Es könne noch „weitere Festnahmen“ geben. Ralph Schulze

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