Talsperre_in_Spanien

Das Wasser aus Spaniens Talsperren hat meistens gute Qualität. (Bild: ci)

SPANIEN LIVE Service - Die meisten Urlauber trinken in Spanien kein Leitungswasser, weil sie glauben, dass dies nicht gesund oder bekömmlich sei. Diese Sorge ist in vielen Regionen unbegründet. Das Wasser aus dem Hahn kann vielerorts problemlos getrunken werden; das gleiche gilt für Eiswürfel, die ebenfalls unbedenklich genossen werden können. Nur ausgerechnet in seinen Urlaubshochburgen Mallorca, Kanaren und an der Mittelmeer-Festlandküste hat Spanien Qualitätsprobleme, weswegen dort besonders viel Mineralwasser getrunken wird.

In den meisten spanischen Familien kommt, soweit die Wasserqualität akzeptabel ist, als Basisgetränk kaltes Leitungswasser (agua de grifo) auf den Esstisch. Sogar in familiären Restaurants ist es vielerorts für spanische Gäste normal, einen Krug Leitungswasser (una jarra de agua) zu bestellen, der dann natürlich auch nichts kostet.

Die meisten Spanier trinken überall, wo es unbedenklich ist, Leitungswasser – Touristen bevorzugen Mineralwasser

In feineren Speiselokalen wird Leitungswasser hingegen eher selten aufgetischt. Obwohl der Genuss von Leitungswasser ja keineswegs unfein ist - aber damit lässt sich halt kein Geld verdienen. Auch überall da, wo Touristen einkehren, mehrt sich die Zahl der Wirte, die kein Leitungswasser ausschenken wollen, sondern lieber Mineralwasserflaschen verkaufen.

Genauso normal ist es für die Gäste in vielen spanischen Bars, zum Bier, Wein oder Kaffee auch um ein Glas Leitungswasser zu bitten, um mal schnell den großen Durst zu löschen. „Un vaso de agua, por favor“, heißt es dann. Nur in wenigen Schanklokalen wird man deshalb schief angesehen. Auch hier trifft man aber in Touristenzentren und teureren Nepplokalen auf andere Unsitten.

Wie man in Spanien Mineralwasser bestellt: agua mineral, agua con gas, agua sin gas, agua del tiempo

Mit Leitungswasser wird in Spanien, wo gerade in der sommerlichen Hitze die regelmäßige Wasseraufnahme wichtig ist, großzügig umgegangen. Auf vielen öffentlichen Plätzen in den Städten und Dörfern gibt es Trinkwasserbrunnen, wo man sich erfrischen oder auch Wasserflaschen auffüllen kann.

Die Wasserpreise in Spanien gehören zu den niedrigsten in der Europäischen Union, was freilich mancherorts auch zu ungeheurer Verschwendung führt. Größter Wasserverbraucher ist in Spanien übrigens die Landwirtschaft.

Viele deutschsprachige Spanienbesucher trinken am liebsten, wie in der Heimat, Mineralwasser (agua mineral) aus der Flasche, und zwar vorzugsweise mit Kohlensäure (agua con gas). Die meisten spanischen Kellner fragen deshalb schon automatisch die ausländischen Gäste, ob sie ihr Mineralwasser „con gas“ also mit Kohlensäure oder „sin gas“ (ohne Kohlensäure) haben wollen. Idealerweise sollten die Wasserflaschen vom Kellner übrigens erst am Tisch geöffnet werden.

Nicht alle Spanienbesucher sind auch daran gewöhnt, eiskaltes Wasser zu trinken. Die Getränke-Kühlschränke in Spanien laufen üblicherweise auf Hochtouren und sind kälter eingestellt als etwa in Deutschland. Wer sein Wasser daher lieber nicht aus dem Kühlschrank, sondern mit Raumtemperatur erhalten möchte, bestellt daher „agua del tiempo“.

Viele Mineralwasserflaschen landen auf der Mülldeponie – Es gibt kein Pfandsystem, und es wird nicht überall recycelt

Mineralwasserfreunde in Spanien sollten aber wissen, dass unter der spanischen Sonne viele Plastikflaschen auf der Mülldeponie landen. Es gibt kein Flaschenpfandsystem und auch die Recycling-Kultur ist noch längst nicht auf dem nordeuropäischen Stand. Mancherorts gibt es nicht einmal Container zur Trennung von Plastikmüll.

Als besonders gut gilt die Wasserqualität in der spanischen Hauptstadt Madrid, die ihr Trinkwasser aus den Talsperren in den nahen Bergen, der Sierra de Guadarrama, erhält. Auch in der regenreicheren nördlichen Hälfte Spaniens, also zwischen Madrid und der französischen Grenze, gibt es normalerweise nur wenige Probleme.

Südlich der Hauptstadt Richtung Andalusien, an der Mittelmeerküste, auf den Balearischen Inseln mit Mallorca und auf den Kanarischen Inseln sieht es hingegen vielerorts weniger gut aus. Obwohl die Lage an jedem Ort, je nach Herkunft des Wassers, anders sein kann.

Auf Mallorca, den Kanarischen Inseln und an der Mittelmeerküste schmeckt es vielerorts nach Chlor und Salz

Grundsätzlich gilt, dass man meist schon am Geschmack merkt, ob die Wasserqualität zum Trinken einlädt. Wenn es stark nach Chlor oder salzig schmeckt, verliert man automatisch die Lust aufs Leitungswasser. Doch auch in Spanien kann man Wasserfilter kaufen, um Chlor, Kalk, Salz und mögliche Schadstoffe zu reduzieren und den Wassergeschmack deutlich zu verbessern.

Chlor wird vor allem zur Bakterienbekämpfung beigemischt, im Sommer wird daher wegen des höheren Bakterienrisikos auch der Chloreinsatz verstärkt. Dort wo Meerwasser-Entsalzungsanlagen eingesetzt werden (Balearen, Kanaren, Mittelmeerküste) oder Meerwasser-Filtrationen in die Grundwasserspeicher gelangen, schreckt auch ein salziger Geschmack vom Genuss ab.

Zum Kochen, Zähneputzen und Gemüsewaschen ist das Wasser aber praktisch überall nutzbar. „Unser Land verfügt über ein strenges Kontrollsystem, das die Qualität des Wassers garantiert“, verspricht die spanische Tourismusbehörde. In der Tat sind die Kontrollen heute sehr viel strenger als in früheren Jahrzehnten.

Ganz allgemein lässt sich sagen: Wer nicht sicher ist, ob er das Wasser vor Ort trinken kann, sollte einfach fragen: Den Hotelier, Vermieter oder die Nachbarn. Und bei aller Sorge über Spaniens Trinkwasser sollte man auch nicht vergessen: Die mittlere Lebenserwartung in Spanien gehört zu der höchsten in der ganzen Europäischen Union - so schlecht kann das, was aus dem Hahn kommt, also auch nicht sein. red