Olivenoel

Das Ende der Öl-Karaffen: In Lokalen dürfen nur noch Einwegbehälter auf den Tisch. (Bild: Archiv)

SPANIEN LIVE - 30.12.2013 - Sie standen bisher in jedem spanischen Speiselokal auf dem Tisch: Handliche Glaskännchen oder Fläschchen mit Olivenöl, um den Salat zu würzen. Oder um das geröstete Weißbrot mit ein paar Tropfen zu veredeln. War das Kännchen leer, füllte der Wirt das kleine Behältnis aus einer großen Ölflasche nach. Mit diesem alten Brauch, der auch Millionen ausländische Touristen erfreute, ist nun in Spanien Schluss. Von 2014 an darf nur noch Öl in Einweggefäßen vor den Gästen stehen. Mit Etikett, auf dem Herkunft und Qualität abzulesen sind.

Spaniens mächtige Olivenöl-Industrie setzte sich mit dieser Forderung durch und jubelt nun, weil ihnen dieser Regierungsbeschluss in schwierigen Zeiten ein blendendes Geschäft verspricht: Die Herstellung von Millionen kleinen Wegwerfbehältern. Entweder in Form jener Mini-Döschen, wie sie in vielen Hotels bereits für Marmelade oder Butter verwendet werden. Oder als Fläschchen, die - einmal geleert - auf der Müllhalde oder mit Glück im Recyclingcontainer landen.

Die Gastwirte protestierten vergeblich gegen diese „Verschwendung“ – Künftig noch mehr Müll und die Verbraucher müssen dafür bezahlen

Verbraucherorganisationen und Wirte protestieren heftig gegen dieses „Gesetz der Verschwendung“, das in den rund 350.000 Speiselokalen und Bars in Spanien neue Öl-Sitten einführt. Nun werde zusätzlicher Abfall produziert, und der Gast müsse dafür auch noch mehr zahlen, zürnen sie empört. Es handele sich bei dem neuen Öl-Dekret vor allem um eine Wirtschaftsförderung für die Produzenten, deren Geschäfte in letzter Zeit schlechter laufen.  

Die Norm wurde von Spanien übrigens im europäischen Alleingang durchgesetzt, nachdem die spanische Olivenöl-Lobby in Brüssel mit einem EU-weiten Vorstoß scheiterte. Der EU-Kommission leuchteten Spaniens Argumente der „Qualitätssicherung“ nicht ein. Zumal größere Öl-Skandale, wenigstens in den spanischen Esslokalen, in jüngerer Zeit nicht bekannt wurden. Der Gast vertraute darauf, dass die Produkte auf seinem Tisch in Ordnung sind - und wenn nicht, beschwerte er sich halt. Schließlich kleben auf der Paella oder dem Schinkenteller auch keine Etiketten.

Ein Gesetz, von dem nur die Olivenöl-Industrie profitiert? Spanien ist der größte Olivenöl-Produzent der Welt - Aber Schummeleien schädigen Ruf

Wohl sind aber in den letzten Jahren immer wieder Schummeleien der spanischen Olivenöl-Fabrikanten bekannt geworden. Weil sie Schwindel betrieben und der Flascheninhalt nicht die auf dem Etikett versprochene Qualität hatte. Weil sie Olivenöl anderer Anbauländern wie etwa Marokko beimischten. Oder mit falschen Angaben unrechtmäßig EU-Subventionen abkassierten.

Spaniens Olivenöl-Industrie leidet in den letzten Jahren zudem darunter, dass ihnen die spanischen Verbraucher untreu werden. Vor allem, weil das Olivenöl teurer ist, als andere Pflanzenspeiseöle. Und viele spanische Familien, denen es in der spanischen Wirtschaftskrise schlecht geht, zu günstigeren Ölen greifen. Die Produktion dieses „flüssigen Goldes“ sank in Spanien von über einer Million Tonnen in früheren Jahren auf rund 600.000 Tonnen Olivenöl im Erntejahr 2012/2013. Ralph Schulze 

Pin It
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste.
Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.