Mittelmeer Quecksilber im Fisch

Fisch gehört zur Mittelmeerdiät: Doch Forscher erinnern daran, dass vor allem die großen Speisefische wie Thunfische oder Schwertfische hohe Schadstoffbelastungen aufweisen. (Bild: SpanienLive.com)

SPANIEN LIVE - 20.09.2016 - Zur berühmten Mittelmeerdiät, der gemeinhin positive Auswirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben werden, gehören viel Gemüse, Olivenöl und Fisch. Doch nicht alles, was aus dem Mittelmeer gefischt wird, ist auch in jeder Hinsicht gesund.

Ein internationales Forscherteam aus 150 Wissenschaftlern hat in der spanischen Hafenstadt Barcelona daran erinnert, dass vor allem die großen Speisefische im Mittelmeer, wie etwa Thunfische oder Schwertfische, bedenkliche Mengen des giftigen Schwermetalls Quecksilber im Gewebe ansammeln. Ein Schadstoff, der mit dem Konsum von Fischprodukten in die menschliche Nahrungskette gelange.

Besonders gefährdet seien Babys, warnen die Experten des Internationalen Netzwerks für Kindergesundheit, Umwelt und Sicherheit (INCHES), die in Barcelona die neusten Forschungsergebnisse austauschten. Die Quecksilberaufnahme könne besonders das noch fragile Nervensystem von kleinen Kindern beeinträchtigen.

„Die Kinder sind jene Gruppe, welche durch die Schadstoffbelastung am stärksten gefährdet sind“, erklärt Joan Grimalt vom spanischen Forschungsinstitut CSIC. „Die Tatsache, dass sich ihre Organe noch entwickeln, macht sie verwundbarer gegenüber den toxischen Wirkungen der Schadstoffe.“

Der Umweltchemiker verweist darauf, dass „nach neusten Forschungsergebnissen der Fisch aus dem Mittelmeer hohe Quecksilberwerte aufweist, die manchmal sogar über den Grenzwerten der Europäischen Union liegen“. Die Quecksilberbelastung des Meeres sei mit der Industrialisierung der Anrainerstaaten, welche den Wassergraben zwischen Südeuropa und Afrika als Müllkippe missbrauchen, erheblich gestiegen.

„Die Fische weisen heute fünf Mal mehr Quecksilber auf als in der vorindustriellen Zeit“, berichtete der dänische Umweltmedziner Philippe Grandjean auf dem Forschertreffen. Und er machte zugleich klar, dass es nicht einfach sein werde, das Meer wieder zu entgiften: „Die Quecksilberwerte im Wasser zu reduzieren, würde Jahrzehnte dauern.“ Doch dafür müsste der Einsatz dieses toxischen Schwermetalls zunächst einmal weltweit stark reduziert werden.

Das Forschernetzwerk, an dem auch Wissenschaftler die Münchner Uni beteiligt sind, empfiehlt schwangeren Frauen, „den Konsum von Fisch zu reduzieren, um ihre Babys zu schützen“. Spaniens Nachwuchs sei übrigens besonders gefährdet, meinen die Forscher: „Angesichts des traditionellen Konsums von Fisch in Spanien sind spanische Kinder sehr viel höheren Quecksilberwerten ausgesetzt als jene aus der übrigen Europäischen Union.“

Trotzdem sind sich die Wissenschaftler einig, dass grundsätzlich die Vorteile eines maßvollen Fischkonsums, mit dem der Mensch wichtige Nährstoffe wie Proteine, Mineralstoffe, Vitamine und Omega-Fettsäuren aufnimmt, größer sind als die Nachteile. Gegen die  Mittelmeerdiät, auf welche die südeuropäischen Länder schwören, haben die Forscher also nichts einzuwenden - soweit Schwangere die gebotene Vorsicht walten lassen und ganz allgemein der Verzehr von Meeresprodukten nicht übertrieben wird. Ralph Schulze 

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