Erdbeeren_in_Huelva

Erdbeeren unter Plastikplanen: In Südspanien reifen Europas Früchte sogar im Winter, doch der Anbau sorgt auch für Umweltprobleme. (Bild: sc)

SPANIEN LIVE - 15.03.2012 - Europas Supermarktregale sind vor allem im Frühjahr und Sommer voll mit roten Erdbeeren, von denen viele aus Südspanien kommen. Dort sorgt der massive Raubbau etlicher Bauern, die mit illegalen Brunnen ihre Plantagen bewässern, für leere Grundwasserspeicher und einen Umweltskandal. Denn dieser Wasserdiebstahl gefährdet die Zukunft des berühmten Doñana-Nationalparks, eines der wichtigsten Natur- und Vogelschutzgebiete Südeuropas, das auch zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Rund die Hälfte des Erdbeer-Wasserstroms, so die Schätzungen, wird ohne Genehmigung auf die Felder gepumpt.

 „Das große Doñana-Feuchtgebiet droht, durch Wasserraubbau auszutrocknen“, warnt die Umweltschutzorganisation WWF. Bis zu 2000 illegale Brunnen habe man im Umfeld des Naturparkes entdeckt. Ein wertvolles Ökoparadies, in dem riesige Flamingo-Kolonien leben, Wildpferde über Wiesen galoppieren, Adler in den Kronen uralter Bäume hausen und Europas letzte Luchse hausen.

Schuld an dem sich anbahnenden Öko-Drama seien Bauern, welche in der nahen Erdbeerregion der Provinzhauptstadt Huelva ohne Rücksicht auf Verluste ihre Früchte anbauten. Eine Zeitbombe für den Doñana-Park, in dem jedes Jahr auch Millionen Vögel aus Nordeuropa überwintern.

Naturschützer: Auch Supermarktketten sind verantwortlich – „Agrarsubventionen für Umweltsünder streichen“

„Der Verbraucher kann nicht erkennen, ob sein Gemüse und Obst legal oder illegal bewässert wurde“, kritisiert WWF-Wasserexperte Martin Geiger. Daher müssten die Supermarkt- und Großmarktketten dafür sorgen, dass ihre angebotenen Waren auch unter Einhaltung geltender Gesetze produziert werden. Das Wasserproblem betreffe nicht nur Spanien, wo vor allem der Erdbeeranbau in der Kritik steht. Sondern auch Obst und Gemüse aus anderen Mittelmeerländern wie etwa Griechenland, Türkei oder Frankreich, wo der Wasserraubbau noch weniger verfolgt werde.

„Die Agrarproduzenten, die sich nicht an geltendes Recht halten, graben Natur, Menschen und letztendlich sich selbst das Wasser ab“, sagt WWF-Sprecher Geiger. Der Grundwasserspiegel im südspanischen Andalusien, Europas größter Erdbeerplantage, sinke beängstigend, sogar Flüsse drohten zu versiegen. Angesichts der dramatischen Lage fordert der WWF von der andalusischen Regionalregierung die „Schließung aller illegaler Brunnen“. Auch die Agrarsubventionen der Europäischen Union sollten an eine legale und effiziente Wassernutzung gekoppelt werden.

Mafiöse Strukturen? - Die schwarzen Schafe unter den Erdbeerbauern haben wenig zu befürchten – „Kaum Kontrollen und Strafverfolgung“

Der WWF kämpft seit Jahrzehnten gegen Ökodelikte auf den Plantagen, wo in unmittelbarer Nähe zum Doñana-Park unter Plastikplanen und in Treibhäusern vor allem Erdbeeren, aber auch Heidelbeeren, Brombeeren sowie Himbeeren angebaut werden. Mit Satellitenbildern versuchen die Umweltschützer, die Gesetzlosigkeiten zu dokumentieren. Doch sie haben es schwer in einer Region, die vom Beerenanbau lebt. Und in der zuweilen Politiker, Aufsichtsbehörden und Großbauern unter einer Decke zu stecken scheinen. Der WWF spricht von „mafiösen Strukturen“.

 „Wir haben das Gefühl der völlig unzureichenden Strafverfolgung und mangelnden Kontrolle durch die Regierung in der Gegend“, klagen die Naturschützer, „während die illegale Wassernutzung weiter zunimmt.“ Auf mehr als 6000 Hektar, was etwa genauso vielen Fußballfeldern entspricht, haben sich die Erdbeerfelder inzwischen  ausgebreitet. Der Doñana-Park, ein Paradies aus Lagunen, Sumpf, Wiesen und Wäldern, sei „in seiner Existenz bedroht“.

 Die bäuerlichen Wasserdiebe bringen zudem die ganze Branche in Verruf: Seit Jahren gibt es unter den mit legalen Mitteln arbeitenden Landwirten auch Bemühungen, den großen Wasserbedarf beim Erdbeeranbau zu verringern, indem auf sparende Tröpfchenbewässerung umgestellt wird. Das ist auch bitter nötig: Um ein Kilo Erdbeeren anzubauen, werden im trockenen Süden mindestens 100 Liter Wasser benötigt – und das bei einer Jahresproduktion in Europas südlichem Erdbeergarten von etwa 250.000 Tonnen. Ralph Schulze

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